Die neue „Landkreis-Optik“ in Aalen

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Das Parkhaus am Sozial-Landratsamt Foto: Ostalbkreis
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Der Landkreis will 2023 mit den Neubauten auf dem Union-Areal in starten. Die Stadt Aalen muss hierzu nun Baurecht schaffen. OB Frederick Brütting freut sich auf den neuen „Stadtstrand“.

Aalen

Ich bin überglücklich“, sagt Aalens OB Frederick Brütting am Ende der jüngsten Kreistagssitzung im Gespräch mit dieser Zeitung. Bei drei Gegenstimmen und zwei Enthaltungen hatte das Gremium mit großer Mehrheit beschlossen, trotz engen Finanzkorsetts, das 106 Millionen teure Projekt „neues Sozial-Landratsamt“ auf dem Union-Areal 2023 sichtbar auf den Weg zu bringen.

Auf die Frage, wann es losgehen sollte, antwortet Brütting: „Am liebsten sofort.“ Aalen habe die Vorarbeiten geleistet, sagt Brütting. Den Bereich zwischen Seydelmann, mit dem einstigen Bahnwärterhaus und Kaufland habe die Stadt geordnet. Der Kocher am Union-Areal ist renaturiert worden und an einigen Stellen gibt es Zugänge ans Wasser. „Das wird unser Stadtstrand“, freut sich Brütting. Nun werde die Stadt Aalen Baurecht für das Landratsamt schaffen, ein paar Monate werde dies aber noch dauern, dann könne 2023 begonnen werden, hofft er.

Die Weichen endgültig gestellt hat der Kreistag, indem er die Entwurfsplanung und Kostenberechnung des Architekturbüros Hirner und Riehl (München), des Freianlagenplaners Steinbacher Consult (Neusäß) und der Fachplaner vom 4. Oktober 2022 über rund 78 Millionen Euro anerkannt hat. Weiter wurde auch die Entwurfsplanung für die Park- und Mobilitätsstation des Architekturbüros Anton Ummenhofer (Stuttgart) über rund 8.36 Millionen Euro anerkannt. Den Baufreigabebeschluss schließlich fasst der Kreistag Anfang Dezember 2022.

Das ist baulich geplant

Achim Bihr, der Leiter des Geschäftsbereichs Gebäudewirtschaft, erläuterte dem Gremium den Sachstand. Der Neubau besteht aus zwei, durch einen gemeinsamen Eingangsbereich im Erdgeschoss verbundene, Verwaltungsgebäude. Gebäude 1 (von der Innenstadt kommend) soll fünf Vollgeschosse und eine Grundfläche von 41 mal 32 Meter haben. Gebäude 2 erhält sechs Vollgeschosse und eine Grundfläche von 40 mal 44 Metern. Es ist zudem unterkellert. Hier kommen Technik-, Neben- und Lagerräume unter. Falls später nötig könnte der Komplex um ein drittes Gebäude ergänzt werden.

Das Parkplatzangebot vor dem Haupteingang sei mit 15 Stellplätzen bewusst geringgehalten, da in die Wilhelm-Merz-Straße eine Bushaltestelle kommt.

Angrenzend an diese temporäre Freifläche entsteht eine Park- und Mobilitätsstation mit 326 Pkw-Stellplätzen, Fahrradstellplätzen und E-Ladestationen für Bedienstete und Kunden. Mit einer dort und in die beiden Verwaltungsgebäude in die Fassade integrierten PV-Anlage ließen sich 80 Prozent des Strombedarfes erzeugen, meint Bihr.

Der Kreis-Bauausschuss wird sich am 1.Dezember 2022 erneut mit der Energiekonzeption befassen. Da die Art der Wärme- und Stromversorgung von elementarer Bedeutung für die Ausgestaltung der Gebäudetechnik ist und sich auf die Gesamtkosten auswirkt, könne erst nach diesen Festlegungen ein qualifizierter Baufreigabebeschluss gefasst werden, so Bihr. So sei es beispielsweise möglich, dass, abhängig von der Art der Wärmeversorgung und deren Strombedarf, auf die fassadenintegrierten Photovoltaikanlagen verzichtet wird, was Kosten spart.

Wechselspiel im alten Haus

Einziehen ins „Sozial-Landratsamt“ wird das Dezernat für Arbeit, Jugend, Soziales und Gesundheit. Das Kreismedienzentrum bleibt im alten Landratsamt und kann dort um Schulungs- und Beratungsräume ergänzt werden, da die Kinderbetreuung im „OSTALB-Tiger“ in den neuen Standort mit angegliedertem Außenspielbereich zieht.

Der Geschäftsbereich Veterinärwesen und Lebensmittelüberwachung zieht in das alte Landratsamt, wo die Tiefgaragenrampe genutzt und die Laborräume im Untergeschoss angeordnet werden können.

Das Sozialdezernat benötigt vertrauliche Beratungssituationen, weshalb einige Großraumbüros in Doppel- und Einzelzimmer mit Beratungsinsel umgewandelt werden. Weil im Sozialbereich Aufgabenzuwächse anstehen, wird die Raumplanung stetig angepasst. In welcher Größenordnung Raumreserven bis zum Einzug vorhanden sind, sei noch nicht abzusehen. Ergäben sich Reserven, könnten diese mit Nutzungseinheiten aus dem alten Landratsamt belegt oder temporär an Externe vermietet werden, sagte Bihr.

Die Kosten und die Finanzierung

Der Kreistag hat am 12. April 2022 ein Gesamtkostenbudget von 90,63 Millionen Euro für den Neubau, samt Freianlagen, Park- und Mobilitätsstation und bisher angefallener Projektkosten beschlossen. Die Gesamtprojektkosten beziffert die Planergemeinschaft zum 4. Oktober 2022 nun so: Verwaltungsgebäude, inklusive Freianlagen: 77,93 Millionen Euro; Park- und Mobilitätsstation: 8.36 Millionen Euro - ergibt gesamt rund 86,3 Millionen Euro. Wie beschlossen, werden zehn Prozent für Preissteigerungen und fünf Prozent für Unvorhergesehenes eingepreist (12,94 Millionen Euro). Das ergibt ein Kostenbudget von 99,24 Millionen Euro. Addiert um die bereits angefallenen Ausgaben, ergeben sich Gesamtprojektkosten von rund 106.35 Millionen Euro.

Aktuell gibt der Landkreis jährlich rund 850.000 Euro für in Aalen angemietete Dienststellen aus. Dieses Geld kann er künftig in die nötigen Kredite stecken. 50 Millionen Euro muss der Landkreis, laut Kreiskämmerer Karl Kurz, aufnehmen, 36,5 Millionen Euro davon sollen direkt im Haushalt finanziert werden. Dies bedeute für 2024 bis 2028 rund 7,3 Millionen Euro pro Jahr. Die Kreditfinanzierung koste zudem rund 2,5 Millionen Euro pro Jahr, lieferte der Kämmerer Zahlen.

Stimmen der Fraktionen

Die Fraktionen begrüßen den Neubau. Für die CDU sagte Dr. Gunter Bühler, das Projekt sei mehrmals geprüft worden, dessen Notwendigkeit belegt. Rund sieben Millionen Euro seien bereits investiert worden, „Steuergeld, dass vielleicht weg wäre“. Der Ostalbkreis habe auch in schweren Zeiten Großes geschaffen, dies werde auch hier gelingen. Die CDU stehe mehrheitlich hinter dem Beschluss. Zur Finanzierung die Kreisumlage zu erhöhen, sei zu einfach. „Wir sind gesprächsbereit, wenn es um kreative Lösungen geht.“

Dr. Rolf Siedler versicherte, dass die Grünen zum Vorhaben stünden. Ziel sei es, ein modellhaftes, zukunftsweisendes Gebäude zu schaffen.

Frederick Brütting (SPD) forderte einen raschen Baubeginn, „denn es wird nicht günstiger“. Sein Fraktionskollege Wolfgang Leidig dagegen meint, dass die Planung vor Corona begonnen wurde, sich die Arbeitswelt aber inzwischen zu Homeoffice hin verändert habe. „Vielleicht brauchen wir den Platz bald nicht mehr“, sagte er. 

Peter Traub (Freie) bekannte, dass manchen in seiner Fraktion die Summe von 106 Millionen Euro erschrecke, mehrheitlich aber stünden die Freien zum Projekt. Hier ein Junktim aufzumachen, im Sinne von entweder die Kliniken oder das Verwaltungsgebäude, sei völlig verkehrt. „Wir müssen beides machen“, sagte Traub.

Roland Hamm (Linke) wetterte, ein solches Junktim sei nicht nur verkehrt, sondern populistisch. Seine Fraktion stehe zum Neubau.

Dr. Frank Gläser (AfD) sagte, 106 Millionen Euro seien viel, aber der Bedarf sei da und der Landkreis spare Miete. Dennoch werde man sich enthalten. ⋌mas 

Vom Kocher aus gesehen: So stellen sich die Planer das Parkhaus des neuen Sozial-Landratsamtes mit der PV-Fassade auf dem Union-Areal vor.
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