Die Ostalb braucht eine neue Deponie

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Die Deponie Ellert ist seit dem Jahr 2005 verfüllt.
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Trotz geplanter Aufstockungen der bestehenden Standorte steht der Landkreis mittelfristig vor einem Müllentsorgungsproblem. Jetzt beginnt die Suche nach einem geeigneten Gelände.

Aalen

Die Ostalb kommt nicht drumrum: Sie braucht eine weitere, eine neue Mülldeponie. Zwar noch nicht morgen und auch noch nicht übermorgen. Aber in den nächsten rund 20 Jahren. So lange braucht der umfangreiche Prozess von der Standortsuche bis zur Genehmigung.

Das Thema braucht viel Fingerspitzengefühl. Da ist sich Landrat Dr. Joachim Bläse sicher. „Denn die schmale Gratwanderung zwischen Bürgerbeteiligung und öffentlicher Information ist in diesem Fall eine große Herausforderung“, meinte er am Dienstag in der Sitzung des Kreistagsausschusses für Umweltschutz und Kreisentwicklung. Gerade darum liegt ihm viel daran, die Bürgerinnen und Bürger früh mitzunehmen in dem Prozess der Standortfindung. Er will das Verfahren so transparent wie möglich halten.

Die Deponie Ellert: Worum es geht, erläuterte Karl Kurz, Kreisdezernent für Finanzen, Schulen und Verkehr: Eine Deponie der Klasse DK I (für mäßig belastete und nicht gefährliche Abfälle, wie Bauschutt, Anm. d. Red,) existiert derzeit im Ostalbkreis nicht mehr. Darum hat der Kreistag schon vor fünf Jahren die Aufstockung der bereits seit dem Jahr 2005 verfüllten Deponie Ellert für DK I-Abfälle beschlossen. Noch in diesem Jahr erwarte man die Genehmigung zur Deponieaufstockung, so dass im Jahr 2023 mit der Verfüllung begonnen werden könnte. „Bei einer Einspeisung von 25 000 Kubikmeter Müll jährlich wäre die Deponie 20 Jahre später, also 2043, verfüllt.“

Die Deponie Reutehau: In Ermangelung einer DK I-Deponie werden Materialien wie leicht belasteter Aushub und Bauschutt noch hier deponiert. Für Material der Deponieklasse DK II (das sind belastete, jedoch nicht gefährliche Abfälle wie Asbest, Dämmmaterial oder belasteter Erdaushub, Anm. d. Red.) steht noch ein Volumen von knapp 262 000 Kubikmetern zur Verfügung. In acht bis neun Jahren dürfte auch Reutehau verfüllt sein. Auch für diese Deponie ist eine Aufstockung geplant. Der Antrag soll nach Genehmigung der Ellert-Aufstockung in Stuttgart gestellt werden. „Trotzdem werden auch hier die Kapazitäten mittelfristig erschöpft sein“, sagt Kurz.

Die Deponie Herlikofen wird die Erdaushub- und Bauschuttdeponie laut Kurz nach etwa neun Jahren verfüllt sein.

Was jetzt ansteht: „Heute legen wir nur fest, dass der erste Suchlauf für ein neues Deponiegelände stattfindet“, betonte Landrat Bläse am Dienstag. Ein geotechnisches Planungsbüro werde beauftragt, potenziell geeignete Flächen zu ermitteln. Ausschlusskriterien sind beispielsweise Grundwasserschutz- und Überschwemmungsgebiete, Siedlungsflächen und Schutzgebiete jeglicher Art. Ein Kommunikationsbüro werde hinzugezogen, um den Prozess bürgernah zu gestalten und die Öffentlichkeit mit aktuellen Informationen zu versorgen. Gedacht ist etwa an eine Homepage mit für den Laien verständlichen Erklärungen und an Dialogtermine mit Bürgern sowie an eine breite öffentliche Vorstellung des Vorhabens.

Christoph Konle (CDU) betonte die Wichtigkeit der frühen Bürgerbeteiligung, „damit ein Reifeprozess stattfinden und Ängste genommen werden können“.

Dr. Susanne Garreis (Grüne) unterstützt ebenfalls den Vorstoß des Landrats, die Bevölkerung sehr früh zu informieren. Allerdings, so Garreis, sollte man nicht nur nach einem neuen Deponiestandort suchen, sondern auch nach Wegen der Abfallvermeidung. „Wir sollten auch die Kommunen in die Pflicht nehmen, dass zum Beispiel ein Erdaushub wieder in ein anderweitiges Baugebiet eingefüllt wird.“

Mario Capezzuto (SPD) rät zu einem Blick auf die geografische Anordnung der vorhandenen Deponien. Er bezieht sich wohl auf den östlich der Gmünder Gemarkung liegenden Aalener und Ellwanger Raum, als er feststellt: „Daraus geht deutlich hervor, dass bisher viele Gemeinden in nicht so bevölkerten Gebieten verschont geblieben sind von Abfällen, Erdaushub und anderem.“ Jetzt müsse es darum gehen, diese Gemeinden zu sensibilisieren, sich solidarisch zu erklären und ihren Beitrag zu leisten.

Herbert Witzany (FW) spricht der Kreisverwaltung Mut zu: „Machen Sie sich auf die Suche!“ Dass man externe Büros beauftrage, die mit neutralen Augen an die Sache herangehen, finde er gut. „Die politische Entscheidung müssen wir dann im Kreistag treffen.“

Cynthia Schneider (Die Linke) plädiert für mehr Aufklärung und Prävention, „damit gar nicht erst so viel Müll entsteht“.

Die Kapazitäten werden mittelfristig erschöpft sein.“

Dr. Joachim Bläse, Landrat

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