Die Pandemielage im Ostalbkreis

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Corona-Zahlen, Lockerungen, Regelungen und der Stand bei den Impfungen – Landrat Dr. Joachim Bläse, Dezernenten und Erste Landesbeamtin Gabriele Seefried informieren das Gremium.

Aalen

Auf den aktuellen Sachstand in der Corona-Pandemie blickten Landrat Dr. Joachim Bläse, die zuständigen Dezernenten und die Erste Landesbeamte Gabriele Seefried am Dienstag im Kreistag. Fazit: Die Lage bleibt schwierig, die Zahlen sind aber noch im eher grünen Bereich und Impfstoffnachschub ist in Sicht, was durchaus Anlass zu Optimismus gibt.

Ein Blick auf die Corona-Zahlen

Dezernentin Julia Urtel lieferte zunächst die Zahlen zur Pandemie und blickte auf die Entwicklung im Kreis. Demnach gab es am 3. März 2020 den ersten Covid-19-Fall im Ostalbkreis.

Fälle: Inzwischen wurden 9500 Fälle und 37 000 Menschen als Kontaktpersonen erfasst.

Tote: Seit Beginn der Pandemie habe es 276 Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19 gegeben. "Vergessen wir nicht, dass hinter jeder einzelnen Zahl ein menschliches Schicksal steht", sagte der Landrat hier. Die Todesfälle seien relativ gleichmäßig über die Städte und Kommunen im Kreis verteilt, weshalb keine Übersterblichkeit auszumachen sei.

Mutante: Von den 196 Fällen, die es aktuell im Ostalbkreis gebe, seien 122 der britischen Mutation zuzuordnen.

Inzidenz: Die aktuelle Sieben-Tage-Inzidenz im Ostalbkreis liegt bei 37,9. Am 8. Februar 2021 habe es die Ostalb erstmals unter eine Inzidenz von 50 Fällen pro 100 000 Einwohnern geschafft. Am 16. Februar war der Kreis erstmals unter einer Inzidenz von 25. Insgesamt sechs Tage lang wies der Ostalbkreis die niedrigste Inzidenzzahl in ganz Baden-Württemberg auf.

Auftreten: In Pflegeheimen gebe es nur noch sehr vereinzelt Covid-Fälle, Einzelfälle seien auch in Kindertagesstätten aufgetreten. Die meisten Fälle ließen sich dem privaten Bereich und Betrieben zuordnen.

Kontaktverfolgung: Hauptaufgabe sei aktuell die Kontaktverfolgung. Hier sei man auf Landesebene für die eingesetzte Software gelobt worden, fügte der Landrat hier ein.

Schnelltests: Dem Ostalbkreis würden 80 000 Schnelltests geliefert. 90 Arztpraxen und Apotheken seien willens Lehrkräfte und Personal in Kindergärten zu testen. Hinzu kämen die vier Testzentren, die der Landkreis in Aalen, Gmünd, Ellwangen und vielleicht bald auch in Bopfingen hat. Das weitere Vorgehen bei den Tests werde gerade untereinander abgestimmt.

Selbsttests: Brandaktuell habe er aus dem Gesundheitsministerium erfahren, dass in Stuttgart verstärkt über die Chancen von Selbsttests diskutiert werde. "Es ist nicht auszuschließen, dass uns diese Entwicklung bei unseren aktuellen Planungen überholt", räumte der Landrat ein.

Das ist wieder möglich

Was die aktuellste Corona-Verordnung des Landes erlaubt, darüber informierte die Erste Landesbeamtin Gabriele Seefried. Der Lockdown sei bis 28. März verlängert worden, erinnerte sie. Dennoch ließen niedrige Inzidenzzahlen Freiräume zu.

Einzelhandel: Bleibt die Inzidenz stabil unter 50, dürfen Einzelhandel und Märkte unter Hygieneauflagen komplett öffnen. Hier gilt Maskenpflicht und Begrenzung der Kundenzahl auf einen Kunden pro zehn Quadratmeter für die ersten 800 Quadratmeter Verkaufsfläche und einem weiteren Kunden für jede weiteren 20 Quadratmeter.

Kultur: Museen, Galerien und Gärten können ohne vorherige Buchung besucht werden.

Sport: Kontaktarmer Sport in kleinen Gruppen von maximal zehn Personen ist im Freien und auf Außensportanlagen möglich.

Kunst: Musik-, Kunst- und Jugendkunstschulen können Einzelunterricht und Unterricht für Gruppen von bis zu fünf Kindern, bis einschließlich 14 Jahre, anbieten. Dies gilt aber nicht für Ballett- und Tanzschulen.

Inzidenz über 50: Steigt die Sieben-Tage-Inzidenz an drei aufeinanderfolgenden Tagen über 50, entfallen die Lockerungen.

35er-Inzidenz: Liegt die Sieben-Tage-Inzidenz auf der Ostalb stabil unter 35, dann dürfen sich bis zu zehn Personen aus nicht mehr als drei Haushalten treffen.

Notbremse: Sollte die Sieben-Tage-Inzidenz über 100 steigen, wird die "Notbremse" gezogen und alle Lockerungen enden.

Schule und Außengastronomie

Schulen: Der Landkreis hoffe, dass, wie an Grundschulen, der Unterricht für die Klassen 5 und 6 ab dem 15. März als Präsenzunterricht laufen könne.

Vergessen wir nicht, dass hinter jeder einzelnen Zahl ein menschliches Schicksal steht.

Dr. Joachim Bläse Landrat

Außengastronomie: Ab dem 22. März soll dann gar wieder Außengastronomie auf der Ostalb erlaubt sein, auch Theater und Konzerte sollen wieder grundsätzlich möglich werden. Steigt die Inzidenzzahl auf über 50 dann seien für den Besuch von Außengastronomie und von anderen Veranstaltungen Tests nötig, erklärte Seefried. Sie appellierte an alle, "die gewonnene Freiheit verantwortungsvoll zu nutzen".

So läuft es beim Impfen

Wie es beim Impfen vorangeht, darüber informierte Dezernent Thomas Wagenblast.

Kreisimpfzentrum: Gestartet ist das Impfzentrum in Aalen am 22. Januar 2020. Täglich sei es geöffnet gewesen, an 45 Tagen bis heute, sagte Wagenblast. Es seien bislang insgesamt 8075 Impfungen im Kreisimpfzentrum (Erst- und Zweitimpfungen) verabreicht worden.

Mobile Impfteams: Die Mobilen Impfteams (MIT) hätten 7108 Impfungen vorgenommen.

Impfungen gesamt: Damit gab es im Ostalbkreis bislang insgesamt 14 895 Impfungen. Weitere 11 300 weitere Impftermine seien aktuell im Kreisimpfzentrum vereinbart.

Impfquote: Über die Impfquote auf der Ostalb kann Wagenblast nichts sagen. Der Landkreis habe keine Zahlen darüber, wie viele Menschen sich anderswo impfen ließen, erklärte er. Das verhindere der Datenschutz. Zudem sei es möglich, unterschiedliche Standorte für die Erst- und Zweitimpfung zu nutzen.

Impfstoffmangel: Dass in den ersten 45 Tagen starker Impfstoffmangel bei BioNTech herrschte, habe Abläufe erschwert und für Unzufriedenheit bei den Menschen gesorgt. Überrascht worden sei man von einer Lieferung großer Mengen AstraZeneca und der plötzlichen Ausweitungen der Impfberechtigten. Dies sei eine Herausforderung geworden, die aber gemeistert sei.

Polizei: Laut Wagenblast kann nun auch die kurzfristige Impfung von 500 Polizistinnen und Polizisten abgebildet werden. Das Impfen startete am 8. März und werde elf Tage dauern.

Alten- und Pflegeheime: Die Mobilen Impfteams machten sehr gute Arbeit, so Wagenblast. Die Abläufe seien hervorragend. "Die Alten- und Pflegeheime sind sehr zufrieden, es gibt viel Lob", sagte Wagenblast. Am 22. März sei der letzte Impftermin in einem Pflegeheim auf der Ostalb, dann sei man durch. Fast jeder der Bewohner habe sich impfen lassen, beantwortete er eine Frage.

Impfstoffnachschub in Sicht

BioNTech: Die Liefermengen für den Impfstoff von BioNTech seien stabil. Bis Kalenderwoche (KW) 13 erwarte man wöchentlich 1170 Dosen.

AstraZeneca: Bei AstraZeneca dagegen sei die Planung schwierig, da die Dosen unregelmäßig einträfen. So sollen in KW 9: 1400, in KW 10: 2600, in KW 11: 600, in KW 12: 1000 und in KW 13 1500 Dosen des Impfstoffes auf der Ostalb landen. Ein Sonderkontingent für Rettungsdienste mit 300 Dosen AstraZeneca und eines für Kliniken mit 1320 Dosen AstraZeneca erwartet der Landkreis zudem.

Mehr Impfstoff: In Stuttgart sei eine deutliche Steigerung der Impfstoffliefermengen für das zweite Quartal angekündigt worden. "Allerdings geht das zweite Quartal von April bis Juni", machte Wagenblast deutlich.

Eingliederungshilfe: Für die Impfungen in elf Einrichtungen der Eingliederungshilfe mit insgesamt 398 Impfungen hat sich Landrat Dr. Joachim Bläse persönlich im Ministerium stark gemacht. Mit Erfolg.

Dezentrales Impfen: In den Kommunen werden nun weitere Impfzentren eingerichtet. Die Impfungen dort erledigen MIT des Robert-Bosch- Krankenhauses Stuttgart und des Ostalbkreisimpfzentrums.

So läuft es ab: Die Bürgermeister schreiben alle Impfberechtigten über 80-Jährigen rechtzeitig an und fragen das Interesse an Impfung ab. Dann wird ein Termin vergeben. Das Pilotprojekt hierzu ist in Mutlangen. In den Kalenderwochen 11 und 12 sollen weitere solcher Modelle in Gmünd (gemeinsam mit Waldstetten), in Bopfingen, Neresheim und in Ellenberg starten und in Kalenderwoche 13 in Waldstetten, Rosenberg und Jagstzell, Gschwend sowie Unterschneidheim. Wagenblast schätzt, dass so bis Ende Mai im besten Fall rund 17 000 Impftermine zur Verfugung stehen.

Das sagen die Fraktionen

Sprecher der Fraktionen nutzten die Gelegenheit, allen zu danken, die im Kampf gegen die Pandemie im Einsatz sind.

"Frauen sind die wahren Heldinnen der Pandemie", sagte Manfred Fischer (CDU) und betonte dabei, wie wichtig es ist, die Schulen wieder zu öffnen. Dass in den Ostalbkreis im Vergleich zu anderen Landkreisen viel zu wenig Impfstoff gelange, sei nicht hinnehmbar.

"Hoffentlich haben wir das Schlimmste nun hinter uns", sagte Dr. Carola Merk-Rudolph (SPD). Die jüngsten Lockerungen seien wichtig, weil sie den Menschen Hoffnung geben.

Man dürfe begangene Fehler zwar nicht ausblenden, müsse diese aber auch nicht unbedingt in den Vordergrund rücken, sagte Volker Grab (Grüne) zur von vielen geäußerten Kritik an der Landesregierung.

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