Die Suche nach dem Gottesfunken

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Kommen überzeugte Christinnen und Christen besser durch die Pandemie? Glaube, Beten und das Vertrauen auf Gott kann den Menschen in Krisen wie dieser helfen. Symbolbild: pixabay
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Der Heubacher Pfarrer Thomas Adam erzählt von seinen Erlebnissen während der vergangenen Monate. Was sich für ihn geändert hat.

Heubach

Das Covid-19-Virus macht krank. Die Pandemie verändert die Gesellschaft und das einzelne Individuum. Einer, der von seinen Erlebnissen während der vergangenen Monate erzählt, ist der Heubacher Pfarrer Thomas Adam. Er macht sich mit anderen auf die Suche nach Neuorientierung, Halt und Stärkendem.

"Was hat uns die Corona-Pandemie nicht alles aus der Hand und aus den Routinen genommen, von dem wir persönlich glaubten, es müsse sein", sagt Pfarrer Adam und nennt als Beispiele Sitzungen ohne Ende und Termindruck. "Die Pandemie macht gelassen, weil man lassen muss."

Im Bewusstsein vieler Menschen sei ein Wandel eingetreten. "Plötzlich nehmen wir wahr, dass so vieles gar nicht sein muss – nicht zu einem bestimmten Termin, nicht an einem gewohnten Ort und schließlich auch überhaupt nicht", sagt der evangelische Theologe.

Da entstehe eine Freiheit, die zwar vorher auch existiert habe, aber nicht als Wahlmöglichkeit wahrgenommen worden sei. Da finde, dank Corona, die Kirchengemeinde neue Wege, Gedanken, Möglichkeiten: Youtube-Gottesdienste, Liedandachten, eine Kirche, die täglich offen ist für jedermann. Da suche jede und jeder nach etwas, das Halt gibt, sagt der Seelsorger. Und weil keiner "die Weisheit mit Löffeln gefressen hat", komme es zu einem vertieften "nach einander Fragen" und "einander Zuhören".

Plötzlich brauchen wir Menschen, an die wir niemals gedacht hätten.

Thomas Adam Pfarrer in Heubach

In der letzten Zeit hätten sich für ihn vermehrt Gespräche "ergeben". Und beim Treffen mit Mitarbeitenden wolle er hören, was sie bewegt. "Plötzlich brauchen wir Menschen, an die wir niemals gedacht hätten", sagt der Seelsorger weiter und nennt als persönliches Beispiel einen jungen Erwachsenen, der sich mit der Internet- und Onlinetechnik auskennt. "Vor dem stehen wir mit unserer Bitte, und er ist froh und dankbar, dass der Faden nicht ganz gerissen ist – und wir uns erinnert haben, wen wir fragen könnten."

Weil Singen nicht geht, spreche er die Liedverse zur Orgel. "Viele Rückmeldungen lassen mich verstehen, dass viele Gemeindeglieder plötzlich auf Melodie und Text neuer Lieder achten und sich bedanken."

Corona habe ihn verstehen lassen, dass es, biblisch verstanden, gar nicht sein dürfe, dass es an drei oder vier Hauptamtlichen hängen müsse, ob christlicher Glaube in der Gemeinde "funktioniert". "So beginne ich, in den Gottesdiensten Menschen zu ermutigen, sich auf die Suche nach dem Gottesfunken in sich zu machen und aus diesem Bewusstsein heraus sich und andere als von Gott geliebte Geschöpfe zu verstehen und ihnen so zu begegnen", erzählt er über seine Predigten. In Gesprächen lade er Menschen ein, sich ihren von der Pandemie ausgelösten Gefühlen zu stellen und zugleich den Gedanken zuzulassen, dass sie mit allen Sorgen umsorgt seien von Gott.

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Thomas Adam

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