Die Wespentaille der etwas anderen Art

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So macht die Vespa am meisten Spaß: Gemeinsame Ausfahrten stehen bei den Vespa-Freunden ganz oben auf der Wunschliste. Fernreisen werden nicht daraus, meist liegen die Ziele zwischen Alb und Rems.
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Vespafreunde Schwäbisch Gmünd begeistern sich fürs Schrauben und Fahren mit dem Kultmobil. Im Juli Auftritt bei der Italienischen Nacht.

Schwäbisch Gmünd. Audrey Hepburn und Gregory Peck waren 1953 im Erfolgsstreifen „Ein Herz und eine Krone” auf einer Vespa unterwegs,  Dean Martin und Nicole Kidman  zeigten sich auf dem Zweirad  wie viele andere bekannte Gesichter. (Noch) nicht so berühmt, aber mit ganzem Herzen Vespafreund, ist Dominico Alessi, Sprecher der Vespafreunde Schwäbisch Gmünd. Sie pflegen seit Jahren dieses Kultmobil, vor allem historische Exemplare. Und wenn der Sommer da ist, sind sie am liebsten  mit der Vespa unterwegs, in kleinen oder größeren Gruppen, mal rund um den Hohenstaufen, mal ins Café in der nächsten Stadt.

 Dafür wurde die Vespa eigentlich entwickelt. Für den preiswerten und zügigen Nahverkehr. Die Brüder Piaggio hatten den richtigen Riecher, zu einer Zeit, als die Mobilität am Boden lag. Im Sommer 1946 wurden die ersten Vespas auf italienischen Straßen gesichtet. Lange hat es nicht gedauert, bis das als Nutzfahrzeug für den Alltag konstruierte Zweirad zum ersten Nachkriegs-Lifestyle-Fahrzeug wurde. Der Film, die begehrteste Form der Unterhaltung in den 1950er-Jahren, leistete seinen Beitrag. Der Roller kam bis 1962 in 60 Filmen vor, oft mit Star-Besetzung. Ein Mythos war geboren. 

Vielleicht hat auch der Name ein Stück dazu beigetragen. So soll Firmenchef   Enrico Piaggio   beim Anblick des Prototyps ausgerufen haben: „Sieht ja aus wie eine Wespe“. Schlanke Taille und bauchiges Heck waren von Anfang an die Formensprache der Vespa. Alles zusammen begeistert bis heute, auch nach 75 Jahren ist die Zahl der Vespa-Liebhaber nicht eingebrochen. Im Gegenteil: viele junge Leute stehen darauf. Domenico Alessi hat den Vespa-Traum aus Italien mitgebracht. Er stammt aus Sizilien und ist 2001 in Schwäbisch Gmünd angekommen, durch seine Freundin. Zwei Jahre später heiratete das Paar. Die Vespa begleitet es seither. Nicht nur eine Vespa, sondern ein rotes Exemplar von 1965, ein beiges von 1977 und die blaue Vespa von 1982. Die will er für immer behalten. „Zwei Exemplare habe ich schon für meine Kinder reserviert“, sagt Domenico Alessi. 

Er hat weitere Schätze, die er in einer kleinen eigenen Werkstatt restauriert, der älteste Roller  heißt Farobasso, wurde 1954 gebaut. In und vor der Werkstatt treffen sich die Freunde des Vespa-Liebhabers. „2018 hat alles mit fünf Bekannten angefangen“, weiß der Oldtimer-Spezialist, der nie den Mechaniker-Beruf erlernt hat, der aber längst jede Schraube der Vespa kennt. Heute ist die Gruppe auf 60 Vespa-Fahrerinnen und Vespa-Fahrer angewachsen. 90 Prozent sind mit alten Vespa-Modellen unterwegs, viele haben längst das Oldtimer-Alter erreicht. Erstmals an die Öffentlichkeit getreten sind sie beim Unipark-Fest vor Corona, da sind sie der Einladung von   Christine Hüttmann, heute
Projektleiterin Stadtteilmarketing Oststadt,  gefolgt. Zu italienischer Musik, italienischen Speisen, gab‘s auch die italienischen Vespa-Klänge, die ein wenig an eine Wespe erinnern. Öffentliche Auftritte sind für die Vespa-Freunde fast so reizvoll wie die Ausfahrten. „Wir treffen immer auf große Sympathien“, sagt Domenico Alessi.  Vespas würden einfach mit Lebensfreunde verknüpft. Gelegenheit dazu gibt es bald wieder. „Wir werden mit unseren (historischen) Vespas Teil der Italienischen Nacht am 16. Juli in der Gmünder Innenstadt sein“, sagt Domenico Alessi.

Zuvor geht es wie oft im Sommer gemeinsam auf Tour. „Die Ziele vereinbaren wir kurzfristig.“  Da trifft man sich am Stadtausgang und bespricht die Route. Technische Pannen? „Die kommen ganz selten vor“, sagt der Vespa-Schrauber. Einmal hat eine Vespa direkt vor der Abfahrt in der Weststadt gestreikt. Da war schnell Ersatz bereit. Die Roller würden ja im Vorfeld gut gepflegt, seien technisch  immer  perfekt. Bis es so weit ist, da gibt es allerdings zu tun. „Wenn wir alte Vespas bekommen, können schon mal Startprobleme auftreten. Das ist auch die aufwendigste Arbeit.“ Die beginnt mit Suchen. Nach Fehlern im Bereich der Zündung, der Gemischaufbereitung. So können Kabel nach Jahrzehnten brüchig werden und den Zündstrom nicht richtig zur Kerze bringen, Vergaser können verstopfen. Mit den passenden Ersatzteilen werde aber immer wieder ein zuverlässiges Fahrzeug. Viele der bisher mehr als 20 Millionen Mal gebauten Roller sind noch im Einsatz. Und die nächste Generation ist am Start. Auch Vespa geht inzwischen elektrisch.

Domenico Alessis Lieblingsplatz: Selbstverständlich auf einer Vespa, mit Blick auf weitere Schätze aus Italien.
Schätze aus Italien.
Vespa

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