Die aktuelle Corona-Verordnung

Die Zuversicht kehrt jetzt zurück

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Die SHW-Bergkapelle – im Bild ein Auftritt beim Dreikönigskonzert vor Corona – hofft auf die Rückkehr zur Normalität. Nach langem Stillstand sind jetzt wieder Proben möglich. Archivfto: Oliver Giers

Vereine aus der Region machen dem Corona-Stillstand ein Ende. Vor allem für die zweite Jahreshälfte laufen Planungen für Auftritte und Veranstaltungen.

Aalen / Schwäbisch Gmünd

Das ist wie ein Festtag: Günter Martin Korst, Dirigent der SHW-Bergkapelle, und rund 50 Musikerinnen und Musiker erleben am vergangenen Mittwoch nach 15-monatiger Pause wieder eine erste gemeinsame Probe – unter freiem Himmel hinter dem sonst üblichen Probenraum. Natürlich mit Zwei-Meter-Abstand, natürlich in der vergangenen Woche noch mit Test oder Zugang für Genesene oder Geimpfte. „Es war eine überraschend große Spielfreude zu spüren“, sagt Günter Martin Korst, der wie viele andere sonst nur über Videoschaltung mit Ensemblemitgliedern üben konnte.

Morgenluft wittern nach gefühlt ewiger Corona-Pause auch die Gmünder Sankt-Michael-Chorknaben. Sven Preissler, organisatorischer Leiter, berichtet von Proben vor dem großen Lockdown. „Damals auf einem Sportplatz, für einen Chor nicht gerade ideal“, wie er meint.

Hürden für die Proben

Für Proben in Innenräumen gelten nach wie vor hohe Sicherheitsanforderungen. Da wäre der Festsaal des katholischen Gemeindezentrums Franziskaner für die knapp 40 jungen Sänger zu klein. „Wir werden versuchen, in der Kirche Sankt Franziskus zu proben, dort lässt sich der Abstand herstellen“, so Sven Preissler. Ganz andere Sorgen hat man in Corona-Zeiten beim Aalener Hirschbachclub, einer Freundschaftsvereinigung mit sozialem Schwerpunkt. „Das Vereinsleben hat geruht“, sagt Vorsitzender Christoph Rohlik. Um den Kontakt nicht ganz zu verlieren – gewöhnlich trifft man sich jeden ersten Mittwoch im Monat zum Stammtisch – gab es alle acht Wochen eine schriftliche Information an die Mitglieder. Und beim Stiftsbund Ellwangen, einem Kulturverein, hofft man auf zurückkommende Freiheiten, die wieder Veranstaltungen möglich machen. „2020 mussten wir auf vieles verzichten, große Begegnungen waren nicht möglich“, sagt Beiratsmitglied Dr. Anselm Grupp, der auch Leiter des Kultur-, Presse- und Touristikamts der Stadt Ellwangen ist.

Die Auswirkungen auf die Organisationen sind durchaus unterschiedlich. Bei der SHW-Bergkapelle in Wasseralfingen gibt es seit der Pandemie keinen weiteren Zulauf, weder bei der Jugendkapelle noch bei den Steiger-Minis, die zwischen acht und 13 Jahre alt sind. Ohne Proben lässt sich kein Nachwuchs ansprechen. Und ohne Auftritte leidet auch die Vereinskasse. „Unser großes Dreikönigskonzert, das 1000 Besucherinnen und Besucher anlockt, konnte nicht stattfinden“, so der Dirigent. Die dafür sonst entrichteten Spenden fehlen nun. Zum Glück habe man im Verein selbst engagierte Mitglieder, die spenden.

Jahr des Verzichts

Andere, wie die Sankt-Michael-Chorknaben, spenden auch selbst. Beim „Singen unterm Weihnachtsbaum“ am ersten Weihnachtsfeiertag in Schwäbisch Gmünd kommt gewöhnlich eine schöne Summe zusammen, das Geld wird für soziale Zwecke weitergegeben. Auftritte wie diesen gibt es seit eineinviertel Jahren nicht mehr.

Genauso lang darben die Freunde historischer Fahrkultur Staufen Ostalb (FHF). Deren Präsident Thomas Kleesattel erinnert sich an viele schöne Ausfahrten in den Jahren davor. „Aber vergangenes Jahr sind alle Oldtimer-Treffen abgesagt worden, gemeinsame Aktivitäten gab es nicht mehr.“ Bis jetzt auch Verzicht auf den jährlichen Höhepunkt des Vereins, das Oldtimer-Fest auf dem Gelände des TÜV Schwäbisch Gmünd.

Die Hoffnung auf grundlegende Verbesserungen kehrt jetzt zurück. „Wenn wir dürfen, sind wir sofort dabei“, sagt Sven Preissler mit Blick auf das Weihnachtsbaum-Singen 2021. Bei den Sankt-Michael-Chorknaben laufen die Planungen, immer mit Blick auf aktuell geltende Corona-Regeln. Ob es jetzt im Sommer schon zu einer Begegnung mit den Sankt-Martin-Chorknaben aus Biberach kommen kann – sie würden aus Anlass ihres 60-jährigen Bestehens Schwäbisch Gmünd besuchen – ist noch offen. Das Dreikönigskonzert, Aushängeschild der SHW-Bergkapelle, wirft seinen Schatten voraus. Auch wenn unklar ist, wie die Pandemielage zum Jahreswechsel aussehen wird, laufen die Vorbereitungen. Statt Auftritten der kompletten Kapellen sollen sich Ensembles bilden, mit höchstens 20 Spielerinnen und Spielern. Die könnten nacheinander auftreten und unterschiedliche Genres vertreten, von der klassischen Blasmusik über Big-Band bis zur Begleitung einer Sopranistin, die Arien von Mozart oder Beiträge von George Gershwin vortragen soll.

Wieder konkrete Ziele

Wirklich gestartet ist der Hirschbachclub schon mit seiner Initiative „Gemeinsam tafeln“. Seit 1. Juni läuft dieses Quartiersprojekt wieder. Christoph Rohlik: „Es gibt Menschen, die gerne kochen und es gibt Menschen, die nicht mehr so aktiv sein können.“ Die warmen Mahlzeiten werden an sie ausgeliefert. Der Club geht davon aus, dass weitere Aktivitäten bald wieder möglich sein werden. „Wir planen aktuell eine öffentliche Kandidatenpräsentation zur Oberbürgermeisterwahl in Aalen“, sagt der Vorsitzende. Und am 15. Juli wird die Stadt den Mitgliedern des Hirschbachclubs die Ideen zum neuen Kombibad vortragen.

Lust auf den Sommer

Vorsichtig startet auch der Stiftsbund Ellwangen in die Zeit mit vielleicht dauerhaft niedrigerem Inzidenzwert. „Wir hoffen, den Klavierabend mit Nini Funke am Samstag, 3. Juli im Schloss veranstalten zu können“, sagt Dr. Anselm Grupp. Der Juni ist für Veranstalter noch zu unsicher: Das Ellwanger Schlosskonzert mit dem Bennewitz-Quartett wurde deshalb auf 28. August verschoben. „Etwas 'Sommer in der Stadt' soll auf jeden Fall zurückkehren.“

Und für den Herbst sieht es aus heutiger Sicht ganz gut aus: „Wir prüfen, ob wir das Oldtimertreffen in Schwäbisch Gmünd im nach dem Sommer noch realisieren können“, sagt Thomas Kleesattel.

2020 mussten wir auf Vieles verzichten.“

Dr. Anselm Grupp, Stiftsbund Ellwangen

Das ist wieder erlaubt

Private Feiern im Gastgewerbe bis 50 Personen (innen und außen) sind zulässig. Ausgenommen sind Tanzveranstaltungen. Test, Genesenen- oder Impfnachweis sind erforderlich.

Testpflicht entfällt für alle Einrichtungen und Aktivitäten der Öffnungsstufen 1 bis 3, wenn diese ausschließlich im Freien stattfinden. Heißt: Außenbewirtung, Open-Air-Kulturveranstaltungen und Sport im Freien dürfen ohne Test stattfinden.

Veranstaltungen: Kultur- und Infoveranstaltungen, Gremiensitzungen oder Betriebsversammlungen dürfen im Außenbereich mit bis zu 750 Personen stattfinden. Messen, Ausstellungen und Kongresse sind erlaubt, wenn pro Person sieben Quadratmeter zur Verfügung stehen.

Sportunterricht: Ab Dienstag, 15. Juni, ist an allen Schulen fachpraktischer Sportunterricht unter den Bedingungen der Corona-VO-Schule möglich.

Überschreitet der Ostalbkreis an drei aufeinanderfolgenden Tagen den Sieben-Tage-Inzidenzwert von 35, müssen diese Lockerungen zurückgenommen werden.

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