Drei Bewerber im Rennen um den Chefsessel im Landratsamt

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Die Mitglieder des Kreistages sind aufgerufen, am 30. Juni einen Nachfolger von Landrat Klaus Pavel (im Archivbild links) zu wählen. Ins Rennen gehen Dr. Joachim Bläse, Volkmar Bauer und ein Bewerber, der seinen Namen nicht nennen will. SDZ-Grafik: Carmen Apprich
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Einer der drei Kandidaten für die Nachfolge von Landrat Klaus Pavel möchte nicht, dass sein Name bekannt wird. Die Wahl selbst ist am 30. Juni.

Aalen

Drei Kandidaten sind es, die sich um den Chefsessel im Landratsamt des Ostalbkreises bewerben – und um die Nachfolge von Landrat Klaus Pavel (66), der nach 24 Jahren im Amt nicht erneut antritt. Kurios: Der dritte im Bunde hat eine Veröffentlichung seines Namens abgelehnt. Dies erklärte Georg Ruf, der die Sitzung des "Besonderen beschließenden Ausschusses zur Vorbereitung der Wahl der Landrätin/des Landrats" am Dienstag geleitet hat – am Tag, nachdem die Bewerbungsfrist offiziell abgelaufen war. Dem Vernehmen nach soll es sich beim dritten Bewerber um Harald Reinhard handeln, der im Badischen vor Kurzem als Bürgermeister abgewählt worden ist. Das sind die Bewerber, die der Veröffentlichung ihres Namens zugestimmt haben:

Dr. Joachim Bläse (51) hat sich als Erster beworben. Der Jurist ist Erster Bürgermeister in Schwäbisch Gmünd und Sprecher der CDU-Fraktion im Kreistag. Bläse ist im Ostalbkreis gut vernetzt und geht als Favorit ins Rennen. Der Christdemokrat Bläse hat, wie er aus Anlass seiner Bewerbung gesagt hat, im Vorfeld "gute Gespräche" mit den großen Fraktionen CDU, Grüne, SPD und Freie Wähler Ostalb geführt. Und er habe von der Linken und der FDP "positive Signale erhalten". Zudem habe er über die Parteien und raumschaftliche Grenzen hinaus aus Gesellschaft und Wirtschaft viel Zustimmung erhalten.

Volkmar Bauer (62) (parteilos) hat als zweiter Bewerber den Hut in den Ring geworfen. Bauer ist 62 Jahre alt und parteilos. Aktuell ist er eigenen Angaben zufolge in Erfurt (Thüringen) verantwortlich für die Wirtschaftsstrategie der Landeshauptstadt. Jetzt, mit 62 Jahren, suche er eine neue Herausforderung, wolle seinen großen Erfahrungsschatz weitergeben in einer "sehr interessanten Region mit einem sehr großen Entwicklungspotenzial". Bauer hat bereits eine Landratsbewerbung hinter sich, war Kandidat im Kreis Segeberg, hat die Bewerbung aber vor der Wahl wieder zurückgezogen.

Zu Beginn der Sitzung hatte Georg Ruf den Mitgliedern des öffentlich tagenden Ausschusses erklärt, dass ein Bewerber der Veröffentlichung seiner persönlichen Daten zustimmen muss. Liege diese Zustimmung nicht vor, dann dürfe der Name nicht veröffentlicht werden. Der besagte Kandidat – Ruf nannte ihn N. N. – habe einer Veröffentlichung seiner Daten nicht zugestimmt. Daher dürfe er nicht veröffentlicht werden. Für alle drei Bewerber – Bläse, Bauer und N. N. – liege jedoch eine Wählbarkeitsbescheinigung vor, sagte Ruf. Das bedeutet, dass der Kandidat am Wahltag mindestens 30 Jahre alt ist, aber das 68. Lebensjahr noch nicht vollendet hat. Zudem müssen sie wählbar sein. Zwar hat der Gesetzgeber hinsichtlich der Frage der Eignung keine besondere fachliche Vorgabe gemacht. Der Verwaltungsgerichtshof erachte jedoch die Bewerberkriterien wie fachliche Erfahrung in der Innenverwaltung, Wahrnehmung von Führungsaufgaben im kommunalen Bereich, Ausbildung im gehobenen Verwaltungsdienst oder volljuristische Ausbildung, als zulässig. Wie auch immer: Alle drei Bewerber seien entsprechend dieser Vorgabe geeignet, erklärte Ruf.

Zunächst war geplant gewesen, dass jeder Bewerber 20 Minuten reden darf bei der Vorstellung zur Wahl am Dienstag, 30. Juni im Kreistag. Der Ausschuss reduzierte die Zeit auf 15 Minuten. Die Wahl werde aufgrund der Corona-Kontaktsperren nicht im Sitzungssaal stattfinden können, sagte Ruf. Man werde sich nach einem geeigneten Raum umsehen.

Was Sie über die Landratswahl wissen müssen

So läuft die Wahl ab: Geplant ist die Wahl des Nachfolgers von Landrat Klaus Pavel für Dienstag, 30. Juni. Jeder der Bewerber hat 15 Minuten Redezeit, um die Mitglieder des Kreistages zu überzeugen. Anschließend haben die Kreisparlamentarier Gelegenheit, Fragen an den Bewerber zu stellen. Die Vorstellung der Bewerber erfolgt nach dem Eingang der Bewerbungen: Bläse beginnt, dann kommt Bauer, dann N. N – mutmaßlich Harald Reinhard. Während sich ein Bewerber im Sitzungssaal vorstellt, müssen die anderen draußen warten. Die Wahl ist geheim. Gewählt ist, wer mehr als die Hälfte der Stimmen aller Kreisräte auf sich vereinigt. Wird dies nicht erreicht, findet ein zweiter Wahlgang statt. Erhält auch dabei kein Bewerber mehr als die Hälfte der Stimmen aller Kreisräte, ist in derselben Sitzung ein dritter Wahlgang durchzuführen, bei welchem der Bewerber gewählt ist, der die höchste Stimmenzahl erreicht; bei Stimmengleichheit entscheidet das Los – so kam übrigens Landrat Klaus Pavel im Jahr 1996 ins Amt. Damals entfielen bei der Wahl in allen drei Wahlgängen jeweils 40 Stimmen auf Pavel und auf seinen Gegenkandidaten Karl Bux, den parteilosen Bürgermeister Ellwangens. Aufgrund des dreimaligen Patts wurde ein Losentscheid fällig. Dabei fiel das Los auf Pavel. Der aktuelle Kreistag des Ostalbkreises besteht aus 73 Mitgliedern. Unabhängig von der Zahl der anwesenden Kreistagsmitglieder müssen also in den ersten beiden Wahlgängen mindestens 37 Stimmen erreicht werden, um zum Landrat gewählt zu sein.

Die Stabübergabe: Die Amtszeit von Klaus Pavel endet am 11. September 2020. Tag des Amtsantritts seines Nachfolgers ist voraussichtlich am 12. September. Die Vereidigung ist für den 15. September geplant. jhs

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