Dürre und Hitze bringen Stressphase für Wälder

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Am "Bohrmehl" erkennt der Förster den Käferbefall des Baumes.
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Erste Bäume zeigen bereits Anzeichen, verfrüht Blätter fallen zu lassen. Förster Armin Pfeuffer erklärt, wie sich die Trockenheit im Wald aktuell auswirkt.

Aalen-Röthardt. "Mit Sicherheit werden wir irgendwann ein Waldbrandland werden, wenn es so weitergeht", sagt Armin Pfeuffer, Leiter des Forstreviers Röthard. Die aktuellen Temperaturen und die Dürre sorgten dafür, dass unsere Wälder aktuell in einer "Stressphase" stecken. Welche Folgen hat das?

Im Wald gebe es immer Verluste. Doch der Großteil, der früher auf die Kappe der Borkenkäfer ging, seien heute Trockenschäden. "Tendenz steigend", erklärt Pfeuffer. Die aktuelle Trockenheit sorge dafür, dass Bäume wie Buchen in eine Stressphase fallen und jetzt schon lichter in der Krone werden. Der Grund: Sie kriegen nicht genügend Wasser und müssen von ihrem "Speichervolumen", den Blättern, leben. Eigentlich ließen Buchen ihre Blätter erst gegen Ende Oktober fallen. "Wenn der Trend so bleibt, könnte es sein, dass schon im September die ersten ohne Laub dastehen."

Natur "aus dem Rhythmus"

Doch Baum sei nicht gleich Baum. Ähnlich wie bei Menschen, komme die eine Buche vielleicht besser mit der Hitze klar, die andere weniger, erklärt Pfeuffer. Hier spielten neben dem Standort des Baumes mit Sonnenexposition, Nährstoffen und Bodenqualität auch die Gene eine Rolle. Auf Dauer würden die überleben, die sich anpassen. Doch auch junge Bäume hätten es nicht mehr einfach. "Die Natur ist aus dem Rhythmus." Warme Phasen im Februar oder März sorgten dafür, dass erste Keime sprießen, die im Früh- und Spätfrost wieder erfrieren. "Das Ziel muss sein, immer die nächste Generation heranzuziehen." Ist der Wald erst einmal weg, sei es eine "Herkulesaufgabe", einen neuen zu Wald zu kultivieren.

Regelmäßige Kontrollen auf Schädlinge sind wichtig, gerade bei der Trockenheit: "Das ist die Eintrittspforte für Käfer und Pilze." Ist ein Baum von Käfern befallen, könne es sich schnell auf weitere ausbreiten. Mindestens ein Mal im Monat kontrolliert Förster Pfeuffer sein Revier. Der aktive Waldbau mit Kontrollen und gegebenenfalls Eingriffen werde immer wichtiger. Gleichzeitig werde die Arbeit kleinteiliger und anspruchsvoller. Einerseits müsse die Vitalität im Wald unter schwierigeren Bedingungen gewahrt werden, andererseits müsse man die Schädlinge im Griff behalten. 

Sorgen ja, Panik nein

"Der Wald steht wirklich unter Stress, man muss sich sorgen machen", warnt Pfeuffer. Trotzdem: "Man sollte keine Panik kriegen. Die Systeme sind elastisch. Aber es wird Auswirkungen haben." Viel Wissen schnell einsetzen sei gefragt, in der Hoffnung, dass die Schutzmaßnahmen Wirkung zeigen. Kurzfristig lasse sich kaum sagen, was hilft und was nicht. "Wir operieren sozusagen am offenen Herzen", sagt der Förster, "der Wald hat schon immer mit Krisen zu kämpfen gehabt. Aber jede Krise ist auch eine Chance". Die aktuelle könnte etwa neue Arbeitsplätze schaffen oder, wie Pfeuffer hofft, für neue, nachhaltigere Prozesse im Umgang mit der Forstwirtschaft sorgen. 

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