Ein Abend für Beethoven

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Widmet sich mit seinem Liederabend intensiv dem Genie Beethoven: der Aalener Pianist und Mediziner Hans-Roman Kitterer.
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Der Aalener Pianist Hans-Roman Kitterer lädt zu einem musikalisch-szenischen Abend in den KubAA ein. Was die Gäste erwartet.

Vermutlich hätte er die größte Geburtstagsparty des Jahres bekommen. Vor 250 Jahren wurde Ludwig van Beethoven geboren. Doch die meisten Konzerte zu seinen Ehren fielen aus. Nun stellt ihn der Pianist Hans-Roman Kitterer bei einem musikalisch-szenischen Abend in den Mittelpunkt. Zusammen mit der Schauspielerin Margarete Lamprecht und dem Schauspieler Arwid Klaws geht es am Sonntag, 1. November, im Kulturbahnhof Aalen im Theatersaal um Beethovens Musik, sein persönliches Umfeld, seine Liebschaften – kurzum, um Beethovens Leben. Über den Abend sprach vorab Dagmar Oltersdorf mit Hans-Roman Kitterer.

Herr Kitterer, ist für Sie Beethoven der größte Komponist aller Zeiten?

Hans-Roman Kitterer: So möchte ich das nicht sagen. Das wechselt eigentlich ständig, je nach Gusto und Arbeitsphase. Einen Größten kann ich nicht benennen. Zur Zeit ist er aber für mich der Größte, weil ich mich ihm absolut intensiv widme. Und er darf es ja auch sein in diesem Jahr.

Was zeichnet ihn Ihrer Meinung nach besonders aus?

Beethoven ist sehr universal. Er hat zeit seines Lebens, also in jeder seiner Schaffensphasen, überragende Werke für Klavier komponiert. Und nicht nur für Klavier. Er hat den klassischen Aufbau der Werke, die es bisher gab, weiterentwickelt, hat experimentiert, komponierte teilweise fast atonal und sehr progressiv. Eine Entwicklung, die nur durch seinen Tod gestoppt wurde.

Gibt es Werke von Beethoven, die Ihnen nicht gefallen?

Es ist alles aufführenswert und es gibt nichts von ihm, das ich nicht spielen möchte, aber ich spiele nicht alles in den Konzerten. Die Hammerklaviersonate ist beispielsweise sehr schwer zu spielen, weil Beethoven hier das Instrument extrem ausgelotet hat und an die Grenze des Spielbaren damit ging, gültige Regeln sehr weit auslegte und kompromisslos seinen Weg ging. Je tauber er wurde, umso komplizierter, aber auch genialer die Werke. Er selbst konnte das ja nicht mehr hören und überprüfen, aber er hatte so etwas wie ein inneres Ohr, war genial. Man kann sagen: Je kränker er wurde, umso schöpfungsfreudiger wurde er.

Sie widmen sich aber mit ihrem Abend nicht nur der Musik Beethovens. Warum das Konzept, das auch szenisch Monologe und Dialoge mit einbindet?

Ganz allein einen Klavierabend zu stemmen, das kann ich nicht, da ich auch beruflich eingespannt bin. Aber man kann mit diesem Konzept auch spielerisch und kurzweilig zeigen, dass es sehr beispielhafte Werke gibt, die mitreißend sind und inspirierend – auch wenn es nicht um die großen Sinfonien geht. Daneben hat Beethoven auch ein Krankheitsschicksal, und das bewegt mich sehr, auch als Mediziner. Wie viel besser hätte man ihm heutzutage helfen können. Zudem war er immer auch ein ganz normaler Mensch mit einem Privatleben, hatte beispielsweise ein großes Interesse an Frauen, wurde aber nie richtig glücklich. Er blieb alleinstehender Single, er galt als sehr unordentlich. Das ging bis ins Abstruse, darüber wird aber seine Haushälterin an diesem Abend, in deren Rolle die Schauspielerin Margarete Lamprecht unter anderem auch schlüpft, auch klagen.

Sie haben diesen Abend extra zu Beethovens Geburtstag zusammengestellt?

Solche Konzepte gibt es ja schon, das ist nicht meine Idee. Und dieser Abend wurde vor ein paar Jahren auch schon in der Villa Stützel aufgeführt. Ich habe dafür eigene Texte geschrieben, manches entnommen aus der Literatur, anderes ist fiktiv, das gibt sich die Hand, jeweils zu den Stücken passend. Erst habe ich die Musik ausgesucht, dann kamen die biografischen Elemente hinzu. Dadurch bin ich frei, kann Tragik, wie seinen Tod, aber auch Humorvolles einfließen lassen.

Sie sind also sehr tief in das Leben des Komponisten eingetaucht?

Damals ja, diesmal habe ich nicht mehr dazu gelesen. Es in diesem Jahr viel erschienen, das hätte mich nur verwirrt. Das Manuskript war in der Schublade, aber für dieses habe ich schon intensiv gearbeitet. Ich kann ja nicht irgendwas erzählen. Der Abend soll unterhaltend-informativ werden, also erbaulich, wie man althergebracht sagt. Dafür sorgen natürlich auch die Schauspieler, die sich frei im Raum bewegen und auch einzelne Requisiten und Kostüme verwenden, da entstanden ganz nette Ideen. Arwid Klaws verkörpert Beethoven, Margarete Lamprecht verschiedene Frauenfiguren aus seinem Umfeld.

Warum müssen wir Beethoven heutzutage überhaupt noch würdigen?

Unabhängig vom Jubiläum: Er war als Künstler ein Vorbild, weil er kompromisslos seinen Weg ging, sich wenig angepasst hat. Dadurch hat er die Menschen, zumindest zu seinen besten Zeiten, begeistert. Er hatte sein Thema gefunden, lebte für die Kunst und hat sich auch über die zu seiner Zeit geltenden sowohl Standes- als auch Kompositionsregeln hinweggesetzt. Und was noch bewundernswürdiger ist: Das setzte sich auch fort, als es ihm immer schlechter ging. Man könnte fast sagen, dass er ein Revolutionär war.

Karten für den Beethoven 250 Jahre – ein musikalisch-szenischer Abend am Sonntag, 1. November, 20 Uhr, Kulturbahnhof Aalen (Theatersaal), gibt es für 20/erm. 15 Euro über www.theateraalen.de und www.reservix.de

Margarete Lamprecht spielt die Haushälterin Beethovens.
Arwid Klaws schlüpft in die Rolle des Komponisten.

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