Ein Ausflug auf den Golfplatz

+
Ben schlägt den Ball souverän aus einem sogenannten Bunker. Dabei handelt es sich um eine Sandgrube, die als Hindernis auf dem Golfplatz angelegt wurde.
  • schließen

Beim Golfclub Hochstatt auf dem Härtsfeld lernt man nicht nur, worauf es beim Golfen ankommt, sondern auch, dass viele Vorurteile unbegründet sind.

Neresheim. Das Mikroabenteuer Golfen beginnt schon lange, bevor ich überhaupt auf dem Platz des Golfclubs Hochstatt bei Neresheim stehe. Ich versuche zwar, so wenig Vorurteile wie möglich zu haben. Sie sind aber trotzdem da. Was, wenn ich einen total versnobten, strengen Golflehrer habe? Was, wenn ich kein einziges Mal den Ball treffe?

Es kommt nicht darauf an, den Ball zu treffen.

Bill Pringle, Golflehrer

Angekommen auf dem Gelände lerne ich meinen Golflehrer Bill Pringle kennen. Und meine anfänglichen Bedenken sind wie weggepustet: Bill ist ein lockerer Typ, ein gebürtiger Schotte mit entsprechendem Humor, der kein Blatt vor den Mund nimmt.

Zu treffen ist nicht das Ziel

Zwar macht er oft seine Witze, dennoch ist es ihm wichtig, dass seine Schüler von Anfang an die richtigen Grundlagen lernen. Eine seiner Aussagen verwirrt mich zunächst, beruhigt mich jedoch abermals. „Es kommt nicht darauf an, den Ball zu treffen“, betont Bill, „schlag dir das aus dem Kopf.“ Viel wichtiger seien der richtige Griff, die richtige Körperhaltung und ein guter Schwung.

Deshalb starten wir mit Trockenübungen. Bill zeigt mir, wie ich den Schläger richtig greife, dann stelle ich mich in einen großen Metallring, der die Schwungbahn simuliert. An diesem richte ich den Golfschläger aus, schwinge ihn locker hin und her. Immer wieder, erst langsam, dann schnell, irgendwann simuliere ich schließlich einen Schlag.

Bedeutet: Ausholen, die Arme ausstrecken und den Schläger schwingen. Aber der Schlag endet nicht, wenn das Eisen – im besten Fall, irgendwann – den Ball berührt. Bei der Endposition liegt der Schläger auf der Schulter auf. Die Ellenbogen sollen nah beieinander liegen, die Hüfte dreht sich vor und der Kopf liegt schräg. Kurzum – man muss sich ganz schön verrenken.

Nachdem mein Lehrer mit meiner Performance einigermaßen zufrieden ist, geht es raus aus dem Ring, rein in die sogenannte Driving Range, in der Golfer ihre Schläge üben können. Nachdem ich den richtigen Schwung noch ein paar Mal geübt habe, kommt der große Moment. Bill legt den Ball auf einen kleinen Gummistift, den sogenannten Tee. Die ersten Male scheitere ich noch. Mit etwas mehr Konzentration klappt es aber und ich treffe den Ball. Bills Coaching scheint gefruchtet zu haben.

Und ich habe tatsächlich Spaß daran. Die Stunde vergeht wie im Flug – und war, zugegebenermaßen, auch etwas anstrengend. Ich spüre die ungewohnte Bewegung in Armen, Beinen und Händen. Aber vor allem die Konzentration und Körperbeherrschung, die man aufbringen muss, überrascht mich. Oder wie Bill sagt: „Es ist eben doch kein Sport für alte Säcke.“

Unterwegs mit den Profis

Zufällig treffe ich Lea und Ben Gerlach und entscheide mich, sie ein wenig zu begleiten. Ich will sehen, wie Golfen aussieht, wenn man es kann: Die beiden Geschwister sind jeweils Clubmeisterin und Jugendclubmeister. Für die Klischees sind sie der beste Gegenbeweis: Beide sind sehr offen, sich aber auch über die Vorurteile bewusst. „Meine Freunde machen sich oft darüber lustig und sagen, dass es kein richtiger Sport ist“, berichtet der 17-jährige Ben. Das macht ihm aber nichts aus – im Gegenteil: Er kontert. Bei den Projekttagen in der Schule habe er seine Freunde mit auf den Platz genommen, so dass sie sich selbst ein Bild machen konnten. „Danach waren sie ruhig“, sagt er lachend.

Zu dem Sport gekommen sind die beiden durch ihren Opa, der mit seiner Golfleidenschaft irgendwann die ganze Familie angesteckt hat. Und die Enkel sind, wie man sieht, sehr erfolgreich. Wenn die beiden auf den Golfball schlagen, fliegt er so weit, dass ich ihn mit bloßem Auge kaum noch erkennen kann. „Aber es kommt vor allem auf die Strategie an“, merkt Bill an.

Aber wie tief muss man in die Tasche greifen, wenn man tatsächlich mit dem Golfen anfangen möchte? „Eine Clubmitgliedschaft kostet 1200 Euro pro Jahr“, sagt Clubmanagerin Beate Eichmeier. Also doch ganz schön teuer. Aber Claudia Eichmeier hat einen berechtigten Einwand: „So viel zahlt man unter Umständen auch für ein Fitnessstudio, wenn man es auf ein Jahr hochrechnet.“

Wer Mitglied werden will, muss vorher allerdings einen sogenannten Platzreifekurs abschließen. Erst dann darf man auf den Platz. Die Kosten für den Kurs werden allerdings mit dem Mitgliedsbeitrag verrechnet. Und die gute Nachricht für junge Golfer: Kinder bis zehn Jahre zahlen keinen Beitrag, Jugendliche erhalten Ermäßigungen.

  • Der Golfclub und Angebote für Anfänger im Überblick
  • Der Golfclub wurde im Jahr 1981 auf dem abseits gelegenen Hochstatter Hof bei Neresheim gegründet. Das historische Clubhaus wurde 1684 erbaut und aus dem Besitz von Gloria Prinzessin von Thurn und Taxis übernommen.
  • Gespielt werden kann das ganze Jahr über. Sollte das Wetter nicht mitspielen, gibt es eine Indoor-Halle.
  • Wer es selbst ausprobieren möchte, kann mehrmals pro Monat an einem Schnupperkurs teilnehmen. Interessierte zahlen dabei 19 Euro pro Person und können dabei mit einem Golflehrer erste Abschläge und Annäherungen üben.
  • Mehr Informationen gibt es unter www.golfclub-hochstatt.de.
In dem Metallring lernen die Golfschüler, wie man den Schläger korrekt schwingt.

Zurück zur Übersicht: Ostalbkreis

Mehr zum Thema

WEITERE ARTIKEL

Kommentare