Ein besonders närrischer Landkreis

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Gisela und Eberhard Kucher
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Gmünds Fasnetspräsident Eberhard Kucher schwärmt von tollen Umzügen, regionalen Büttenrednern und fleißigen Tanzmädchen im gesamten Ostalbkreis.

Schwäbisch Gmünd

Gmünder Tagespost und Schwäbische Post checken in Kooperation mit dem Ostalbkreis, was der Landkreis zu bieten hat und wo was fehlt. Alle Bürger können mitmachen und einen digitalen Fragebogen ausfüllen. Was der Ostalbkreis in Sachen Fasnet kann, weiß Eberhard Kucher. Es ist ein närrisches Pflaster, findet er, und der Mann muss es wissen, denn Kucher ist seit vielen Jahren Präsident des Vereins Gmender Fasnet und kennt sich aus mit den närrischen Zünften im Kreis. Kucher schätzt das närrische Miteinander, Fasnachter aus vielen Vereinen kennen sich und schaffen zusammen. Deshalb könne der Ostalbkreis gut und gerne als eine Faschingshochburg in Süddeutschland bezeichnet werden. 

Die Umzüge: „Einen ganz tollen Umzug gibt es in Neuler“, schwärmt der Gmünder Obernarr. Schon mehrmals habe er diesen Umzug privat besucht, wenn es der Terminkalender zugelassen habe. „Die Faschingstermine kommen halt immer geballt“, sagt Kucher. Das Besondere am Neulermer Umzug? Die Motivwagen fahren bei keinem anderen Umzug in der Region mit. Manche sind bis zu 18 Meter lang.  1995 ließen die Neulermer Narren ihr 3,97 Meter hohes und voll funktionsfähiges Spinnrad auf dem Umzugswagen sogar ins Guinessbuch der Rekorde eintragen. 

Klassiker seien auch die Umzüge in Ellwangen und in Weiler in den Bergen oder die Dorffasnet in Tannhausen. Der längste Umzug mit 60 bis 90 Gruppen und einem 2,2 Kilometer langen Streckenverlauf sei aber der in Gmünd, sagt Eberhard Kucher stolz. Wenn das Wetter mitmacht, seien es 60 000 bis 70 000 Zuschauer am Straßenrand, erklärt der Vorsitzende. Gmünd sei in Sachen Umzug ein Highlight im Ostalbkreis. 

Die Guggengruppen: Da gebe es viele gute Schrägtongruppen quer durch den ganzen Ostalbkreis. Besonders gut gefallen dem Gmünder Narrenchef die Oschtalb Ruassgugga aus Aalen und die Gmendr Gassafetza. „Die Gassafetza haben ihren ganz eigenen Sound“, schwärmt Kucher. Zudem gestalteten die Musiker ihre Kostüme immer sehr eindrucksvoll. An den Aalener Guggenmusikern lobt Kucher den „speziellen Stil“. 

Die Oschtalb Ruassgugga waren zudem die erste Guggen im ganzen Ostalbkreis. Gegründet wurde die Formation im Jahr 1978. Am Faschingsdienstag zogen sie musizierend von Kneipe zu Kneipe, gekleidet in schwarzem Frack und mit Zylinder, die Gesichter mit Ruß geschwärzt. Die Ruassgugga waren es, die die schräge Musik nach Gmünd brachten. 1984 kamen mit ihnen zwölf Guggengruppen in der Stauferstadt zusammen – das erste Guggenmusiktreffen war geboren. Mittlerweile sei das internationale Guggenmusiktreffen weit über die Ostalb bekannt, weiß Kucher. Rund 800 Musiker aus Deutschland, der Schweiz und Liechtenstein sorgen an zwei Tagen für schräge Töne in der Stauferstadt. 

Die Prunksitzungen: Eberhard Kucher lobt die Büttenredner von Ellwangen bis Unterkochen, von Essingen bis Weiler, von Waldstetten bis  Mögglingen. Es koste viel Zeit, eine Büttenrede mit lokalen Bezügen und gelungenen Spitzen gegen die Kommunalpolitik zu verfassen. In sämtlichen Narrenvereinen des Kreises gebe es kreative Köpfe mit tollen Ideen für Programmpunkte. Seien es die Waldstetter Wäschgölten mit ihrer Schurzenwäsche, die Remsgöckel aus Mögglingen mit ihren schillernd-bunten Kostümen, die Grabben aus Herlikofen oder die Essinger Schönbrunn-Narren. 

Deshalb sei es sehr schade, dass die Faschingsveranstaltungen in Jahr zwei wegen der Corona-Pandemie nicht regulär ablaufen können. Eberhard Kucher ist dankbar, dass es bei der Gmender Fasnet deswegen keinen Mitgliederschwund gibt. Das gelte für viele Fasnetsvereine im Kreis, wie er im Austausch mit anderen Präsidenten immer wieder zu hören bekomme. „Aber es ist bitter, vor allem für die Jüngeren“, sagt Kucher. Denn für viele sei Fasching ein Ausgleich zum Schulalltag. 

Die Gardegruppen: „Hier im Ostalbkreis gibt's keine schlechte Garde“, berichtet der Gmünder Präsident und weigert sich strikt, eine Tanzgarden-Hitliste zu nennen. Warum? Weil alle Tanzgarden bei den Auftritten ihr Bestes gäben, weil alle Gardetänzerinnen fleißig übten – in Präsenz, unter freiem Himmel, oft auch online. „Wie es die Hygieneregeln zulassen“, sagt Kucher und lobt auch die vielen Trainerinnen im Kreis, die mit den Kindern und Jugendlichen die Tänze einstudierten. Manchmal drehten sie – wegen der Pandemie – kleine Übungsfilme mit den Tanzschritten, um die Choreografien weiterzugeben. „Das ist ein unheimlicher zeitlicher Aufwand, den die Leute auf sich nehmen“, sagt er. 

Fasnet 2022: „Der Narr schläft nicht, sondern er ist nur etwas leiser“, sagt Eberhard Kucher. Der Fasnetspräsident, den viele in der fünften Jahreszeit nur in Uniform und mit Narrenkappe kennen, verspricht aber: „Mindestens ein Mal werden wir dieses Jahr die Kostüme anziehen.“ Tatsächlich aber sei noch völlig offen, in welcher Form dieses Jahr die Fasnet steigt. Ein Rathaussturm im Stillen, ein virtueller Umzug, Büttenreden online, kleine Musikkonzerte unter freiem Himmel, Fasching im Sommer? „Ideen gibt es, aber wir müssen, wie alle, ganz spontan sein und auf Sicht fahren“, sagt Kucher. 

Mindestens ein Mal werden wir dieses Jahr die Kostüme anziehen.“

Eberhard Kucher, Fasnetspräsident
  • Mitmachen beim Ostalb-Check
  • Am 12. Februar startet der große Ostalb-Check in allen Gemeinden des Ostalbkreises und in Alfdorf. Gemeinsam mit den Experten von Umfrageheld wollen wir von den Bürgerinnen und Bürgern wissen, wie wohl sie sich in ihrer Gemeinde fühlen. Wie gut ist der öffentliche Personennahverkehr? Wie sicher ist Ihre Gemeinde und wie kinder- und seniorenfreundlich? Je mehr Menschen bei dem digitalen Fragebogen der Gmünder Tagespost und der Schwäbischen Post mitmachen, desto aussagekräftiger werden die Ergebnisse

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