Mein Moment 2021

Ein heißes Eisen

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ulrike wilpert

Ein tiefer Blick in eine schwer verwundete Seele.

Innerhalb eines Journalistenjahres hat man unzählige Begegnungen mit Menschen. Dass aber so ein Zusammentreffen, das ja das alltägliche Brot eines Redakteurs ist, ans Herz geht und die Seele packt, ist eher selten. Messerschmied Andreas Ulbrich hat das geschafft. Ende März habe ich den 42-jährigen gebürtigen Aalener besucht. In einem Teil der früheren Tonfabrik an der Ulmer Straße, wo er gerade seine Messermanufaktur eröffnet hatte. Dort auf dem Hof, bei flammender Kohle, gleißenden Funken und glühendem Eisen hat er mir seine Lebensgeschichte anvertraut, die zugleich seine Leidensgeschichte ist: Mit 15 flieht er vor seiner alleinerziehenden Mutter. Wird Rettungsassistent. Muss einen Säugling reanimieren, was ihm nicht gelingt. Er flieht erneut. Zur Bundeswehr. Verpflichtet sich als Rettungsassistent in Afghanistan. Immer auf der Suche nach neuem, größerem Schmerz, der das Trauma tief in ihm drin übertönen soll.
Heute kommt Andreas Ulbrich nur in jenen Momenten zur inneren Ruhe, wenn der Hammer in seiner Hand krachend auf den glühenden Stahl schlägt. Ein schmaler Grat zwischen wahnwitziger Gewalt und faszinierender Kunst. Hier geht's zum Artikel "In der Tofa glüht der Stahl".

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