Ein Messias zum Liebhaben

Walter Johannes Beck führte mit dem Waldorfchor, dem Heubacher Rosenstein-Kammerorchester und Solisten am Freitagabend den Messias von Georg Friedrich Händel auf.

Barocker Glanz in der Gmünder Augstinuskirche kommt oft zu Gehör. Aber selten in so familiärer Atmosphäre wie am Freitagabend. Walter Johannes Beck leitete eine Aufführung des großartigen Händel-Oratoriums, die geprägt war von Musikalität, stimmlicher und gestalterischer Kraft und der Herzlichkeit der Gemeinschaft. Schüler, Lehrer, Eltern der Waldorfschule stellten den gut achtzigköpfigen Chor. Neu formiert strahlte der eher junge Klangkörper mit großem Ton und Engagement. Besonders der Sopran und der Tenor ließen ganz große Qualität hören. Nach anfänglichen Unsicherheiten gelangen dem Chor starke Passagen und magische Momente, etwa im Finale von "Der Herde gleich. . .". Und im glanzvollen "Halleluja" und in der grandiosen Amen-Fuge mit dem vorausgehenden Chor "Würdig ist das Lamm". Händel komponierte viele Farben in das von Beginn an bejubelte Oratorium. Jedes Stück klingt eigen. Walter Johannes Beck ließ diese vielfältige Komposition gelten und wirken und unternahm keine Versuche, die Komposition durch manirierte Intensivierungen zu übertreiben. So klang manches fast pragmatisch, einfach und doch dank der Präzision und der stimmlichen Möglichkeiten des Chores wunderbar und schön. Bei den Solisten hat Beck ein Experiment gewagt: Die Alt- und Sopranpartien verteilte er auf vier Damen aus dem Gmünder Collegium vocale und dem Waldorf-Chor. Kathrin Möhlendick, Sabine Nickold, Birgit Steding und Susanne Lahres haben durchweg schöne Stimmen, singen genau und klar, aber es mangelt an manchen Ecken und Enden am technischen Können. Der Dirigent schlug zunehmend ruhigere Sicherheitstempi. Betrachtet man die Aufführung als ein hochstehendes Schulkonzert, dargeboten mit den Mitteln, die halt zur Verfügung stehen und mehr der Musik dienend als der Virtuosität, geht das Experiment auf. Die Männersoli wurden von Profis gesungen: Joscha Zmarzlik liefert mit seinem Bariton den nicht eben einfachen Basspart ordentlich, vielleicht ein wenig zu distanziert ab. Alexander Judenkov erfrischte das Ohr mit opernhaftem, großem Sound. Die Grundlage für dieses schöne Konzert legte das Rosenstein-Kammerorchester mit seinem Konzertmeister Jonathan Thomas und den Schwestern Böhm an ersten Pulten. Solide, in den Violinen seidig, in den Tiefen mit zwei Celli und einem Kontrabass zurückhaltend besetzt, mit guten Bläsern musizierten die Damen und Herren professionell und lebendig. Das Publikum in der vollen Augustinuskirche bedankte sich mit sehr herzlichem, langen Applaus für eine Liebhaberaufführung zum Liebhaben.

Rainer Wiese

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