Ein neues Schwäbisch-Buch soll Lust auf Heimat wecken

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Siegfried Wiedemann stellt sein neues Buch "Schwäbisch" vor. Das Buch gibt es ab Montag zu kaufen. Leserinnen und Leser dieser Zeitung können ein Exemplar gewinnen.
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Siegfried Wiedemannn aus Onatsfeld veröffentlicht "Schwäbisch – von Anedosa bis Zweeder" auf 200 Buchseiten. Darauf können Leser gespannt sein.

Aalen-Onatsfeld

Das gefällt Siegfried Wiedemann aus Onatsfeld überhaupt nicht: Immer mehr schwäbische Wörter gehen verloren, bemerkt der 71-Jährige. "Beispielsweise gibt es keinen Grombierasalat mehr, sondern Kartoffelsalat", sagt er. Und die Unesco habe den schwäbischen Dialekt sogar unter die vom Aussterben bedrohten Sprachen eingereiht.

Siegfried Wiedemann ist Schwäbisch-Liebhaber. Das ist sein Hobby. Und deshalb steuert er jetzt gegen. Er wird am kommenden Montag ein besonderes Buch veröffentlichen. "Schwäbisch – von Anedosa bis Zweeder" lautet der Titel. Der Untertitel: "Wörterbuch, Sprüche, Flüche, Gedichte".

Für Leserinnen und Leser dieser Zeitung ist Siegfried Wiedemann kein Unbekannter. Vor zwei Jahren war er bereits Thema der "Oschtalbkoscht & Heimatluscht". Damals mit seiner Gedichtsammlung "Ebbas isch emmer" und seiner "Schwobafibel". Beide Bücher – mit eigenen Beiträgen und mit Werken alt bekannter schwäbischer Autoren – hatte der Onatsfelder bis dato allerdings nur für die Schwäbischliebhaber aus seinem engsten Familienkreis zusammengestellt. Um sie dort zu verschenken. Oder um sie in seinen Lesungen zur Hand zu nehmen – etwa beim Literaturkreis Unterkochen.

"Solche Lesungen sind jetzt coronabedingt ausgefallen", erzählt Siegfried Wiedemann. Die freie Zeit habe er genutzt, um sich in seinen wunderschönen Garten in Onatsfeld zu setzen und dort an seinem schwäbisches Wörterbuch zu feilen.

Wörter aus 250 Büchern

Den Grundstock dafür besaß er längst. Bereits vor zwei Jahren hatte Siegfried Wiedemann aus etwa 100 Büchern mit 2000 Gedichten die 800 besten herausgesucht und in ein Ostalb-Schwäbisch übersetzt. Die wichtigsten Wörter hatte er gleich in das "schwäbisch-deitscha Lexiko" seiner "Schwobafibel" einsortiert; zudem etliche Begriffe, die aus dem Französischen stammen, in ein Kapitel, das Wiedemann "eischwäbisierte Wörtla" nennt.

"Seither habe ich rund 150 weitere schwäbische Bücher aufgekauft", erzählt er. Aus den Büchern habe er die Begriffe, die ihm in seiner "Schwobafibel" noch gefehlt hatten, herausgefischt und damit sein "schwäbisch-deitschas Lexiko" ergänzt. Auch in Gesprächen seien ihm neue Wörter begegnet. Oder im wöchentlichen Ratespiel immer unten rechts auf dieser Zeitungsseite "Oschtalbkoscht & Heimatluscht". Unterm Strich umfasse sein "Lexiko" jetzt 1200 schwäbische Begriffe.

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Siegfried Wiedemann Schwäbisch-Liebhaber aus Onatsfeld

Siegfried Wiedemann war bis zum Eintritt in seinen Ruhestand vor 14 Jahren als Marketingfachmann bei der Kreissparkasse Ostalb tätig. Und deshalb weiß er, dass ein schwäbisch-deutsches Lexikon bei Lesern noch gefragter sein wird, wenn er es um unterhaltsame kleine Lektüren ergänzt. Gesagt – getan. Vor allem nette schwäbische Gedichte sind jetzt in dem 200 Seiten starken Buch zu finden, aber auch mitunter derbe Sprüche und Flüche.

"Soweit kein Verfasser angegeben ist, handelt es sich um eigene Gedichte oder um Gedichte, die mir zugetragen wurden und bei denen kein Verfasser festgestellt werden konnte", erklärt Wiedemann. Der 71-Jährige betont: "In den letzten Jahren haben Menschen bei mir Sturm geklingelt, weil sie meine Gedichtsammlung ‘Ebbas isch emmer' und meine ‘Schwobafibel' kaufen wollten." Das habe er mit Blick auf das Urheberrecht aber abgelehnt. Für sein neues Buch "Schwäbisch – von Anedosa bis Zweeder" habe er eine Lösung gefunden. Die laute: Will jemand im Nachhinein noch Urheberrechtsfragen klären, sei er gerne dazu bereit.

400 Exemplare sind für die erste Auflage aktuell im Druck. "Den kompletten Ertrag möchte ich sozialen Einrichtungen spenden", erzählt der 71-Jährige. Einen Kindergarten im Ostalbkreis und den Bau einer Grundschule im Kongo habe er dafür schon im Blick. "Mehr kann ich dazu jetzt noch nicht sagen. Denn ich kann ja gar nicht abschätzen, wie sich mein Buch verkaufen wird."

Dialekt bedeutet Heimat

Eines erläutert der Onatsfelder gerne vorab: Nach wie vor verwende er bewusst keine Lautschrift. "Sondern ich schreibe das Schwäbische so, wie ich es selber am besten lesen kann." Und er schreibe auf Ostalb-Schwäbisch. "Wobei ich natürlich weiß, dass bei uns im Landkreis nicht überall gleich geschwätzt wird."

Allen, die jetzt noch Bedenken haben, Schwäbisch zu schwätzen, erklärt Siegfried Wiedemann: "Wissenschaftliche Untersuchungen haben ergeben: Wenn ein Kind gleichzeitig mit Dialekt und Standardsprache aufwächst, gilt das für die Hirnforschung als eine Variante von Mehrsprachigkeit. Wenn Kinder einen Dialekt sprechen, gelten sie sozusagen als zweisprachig und lernen leichter andere Fremdsprachen. Mundartsprechende Kinder machen danach auch weniger Rechtschreibfehler." Ein Dialekt stehe außerdem für Feierabend, Familie, Freunde, Vertrautheit und Verwurzelung. "Dialekt bedeutet Heimat."

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