Ein Schmelzofen und seine Geschichte

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Der letzte Guss bei SHW-CT am 28. März 2019. Eine Jahrhunderte umfassende Wasseralfinger Industrietradition findet damit ihr Ende. Der Hochofen wurde bereits 1925 stillgelegt. Archivfoto: Oliver Giers
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Vor 350 Jahren wurde der erste Hochofen in Wasseralfingen in Betrieb genommen. Welche Bedeutung das hatte und wie sich die Eisenproduktion über die Jahrhunderte wandelte.

Aalen-Wasseralfingen

Es ist eine Geschichte, die stolz machen kann – und traurig zugleich. Vor 350 Jahren wurde in Wasseralfingen erstmals ein Schmelzofen in Betrieb genommen. Vor zwei Jahren, am 28. März 2019 dann der letzte Guss bei SHW-CT. Ein Motorblock findet in die Form. Danach erkaltet der Hochofen für immer.

Befeuert wird der erste seiner Art in Wasseralfingen am 17. Februar 1671. Frühmorgens, um 6 Uhr. Fürstprobst Johann Christoph III von Freyberg & Eisenberg hat das Hüttenwerk, den "Eisenschmelz" bauen lassen. Man weiß zu dieser Zeit bereits, dass es viel Erz im Braunenberg gibt. Schon 1608 hatte Hans Sigmund von Woellwarth das Ende eines Eisenflözes entdeckt. Und auch die Fürstpröbste von Ellwangen, damals die Herren in Wasseralfingen, hatten sich in den Jahrzehnten zuvor in den Berg gegraben und die Erze verhüttet.

Der Schmelzofen in Unterkochen, der bereits 1542 in Betrieb genommen wurde, und der 1611 erstellte Hochofen in Abtsgmünd werden nach der Gründung des Wasseralfinger Eisenerzschmelze stillgelegt. Ihre geringen Kapazitäten haben sie unrentabel gemacht.

Der Hochofen: Grundstein für die "Blütezeit" der Produktion

Mit dem Wasseralfinger Schmelzofen dagegen wird der Grundstein für die Entwicklung der Eisenproduktion in Wasseralfingen gelegt. Bruchsteine vom Fuße des Brauenberges werden zur Ausgestaltung des äußeren Mantels und des inneren Kerns eingesetzt. Das Stuferz kommt offenbar aus Unterkochen vom Erzgräber Hannes Malz. Holzkohle wurde aus den Wäldern ringsherum und mit Hilfe eines Wasserrades am Kocher produziert. Bereits ab 1676 wird im Braunenberg in mehreren Gruben Erz abgebaut.

350 Jahre Eisenguss. Das wäre schon ein Grund zum Feiern gewesen.

Andrea Hatam Ortsvorsteherin Wasseralfingen

1803 werden die Eisenwerke des Brenz - und Kochertals zu den Königlich Württembergischen Hüttenwerken. Im Jahre 1811 wird die Wasseralfinger Anlage zur königlichen "Hauptgießerey". Rund zwei Jahrzehnte später entwickelt Faber du Faur die Gichtgasnutzung. Auftakt für eine Ära der Wasseralfinger Gusseisenkunst, die weltweit wohl einmalig ist und ohne den Schmelzofen aus dem 1671 nicht denkbar ist. In der Blütezeit der industriellen Revolution stammen rund 80 Prozent der württembergischen Eisenproduktion aus Wasseralfingen, vor allem aus der Erzgrube "Wilhelm". Da das Erzgestein ins Tal transportiert wird, wird 1876 sogar die erste Zahnradbahn Deutschlands in Betrieb genommen.

Bereits seit Ende 1823 ist Conrad Weitbrecht als Modelleur in den Wasseralfinger Hüttenwerken angestellt. Vor allem Ofenplatten, aber auch Uhrgehäuse, Ziervasen, Kandelaber und andere kunstgewerbliche Gegenstände entstehen.

Heute umfasst die Sammlung im SHW-Modellhaus geschätzt 3600 Einzelteile. Momentan wird dieser Eisenschatz von einem Experten des Landesamtes für Denkmalpflege inventarisiert. Figuren, Teller, Büsten, Gürtelschnallen, Plaketten, jedes einzelne Stück muss dabei begutachtet werden. Die Barbara-Zunft der Hüttenleute Wasseralfingen, der Bund für Heimatpflege Wasseralfingen und der Kulturverein Königsbronn arbeiten im Moment mit vereinten Kräften daran, zumindest einen Teil der umfangreichen Sammlung der Öffentlichkeit in einem Museum zugänglich zu machen.

Doch zunächst gibt es neben dem 350 Jahren Hochofen in diesem Jahr noch ein weiteres Datum zu feiern. Vor genau einhundert Jahren wurden 1921 die Königlich Württembergischen Hüttenwerke in Schwäbische Hüttenwerke umbenannt. Es ist der 21. Mai 1921, an dem die Gutehoffnungshütte (heute: MAN) und das Land Baden-Württemberg die verschiedenen Produktionsstätten der Region in der Schwäbischen Hüttenwerke GmbH (SHW) zusammenfassen. In Wasseralfingen werden vor allem Guss- und Schmiedeformteile für den Maschinenbau hergestellt, Blankstahl, Weichen und Radsätze für die Eisenbahn sowie später Sinterformteile für die Automobilindustrie.

Bereits 1925 aber wird der letzte Hochofen in Wasseralfingen stillgelegt, das letzte Mal vor Ort Eisen produziert. "350 Jahre Eisenguss, das wäre schon ein Grund zum Feiern gewesen", sagt Ortsvorsteherin Andrea Hatam zu dieser Geschichte. Doch wegen der Pandemie sei das ja "schlicht nicht möglich", so Andrea Hatam. Vergessen werden soll das stolze Jubiläum dennoch nicht. Im Juni dieses Jahres soll es zu den Wasseralfinger Tagen eine Ausstellung dazu im Bürgerhaus geben. Wenn angesichts der Pandemie machbar, so Andrea Hatam.

Kleine Geschichte der Eisenverarbeitung in der Region

In der Verleihungsurkunde von Kaiser Karl IV. an den Grafen Ulrich von Helfenstein vom 14. April 1365 wurde die Eisengewinnung und dessen -verarbeitung auf der Schwäbischen Alb erstmals schriftlich erwähnt. Zisterziensermönche aus dem Kloster Königsbronn trieben in der Folge die Entwicklung voran und errichteten 1471 eine Eisenschmiede in Itzelberg, in Königsbronn selbst entstand 1529 ein Hochofen mit Hammerwerk. 1529 Eisenwerk für das Kloster Königsbronn.

1671 Erster Hochofen in Wasseralfingen in Betrieb; ab 1676 wird im Braunenberg in mehren Gruben Erz abgebaut.

1833 Gichtgasnutzung durch Faber du Faur in Wasseralfingen.

1921 Die Königlich Württembergischen Hüttenwerke werden in Schwäbische Hüttenwerke umbenannt. 1925 wird der letzte Hochofen stillgelegt.

Auf dem Bergbaupfad

Es ist etwa ein Jahr her, da landete auf meinem Schreibtisch ein Wanderbuch von Felicitas Wehnert. "Geheimnisvolle Wanderungen auf der Schwäbischen Alb - Was Landschaften erzählen", so der Titel. Die Alb ist groß, ja. Aber man darf schon hoffen, dass es hier in der Gegend auch Geheimnisse zu entdecken gibt, dachte ich mir. Und wurde nicht enttäuscht. Die Karte im Buchdeckel zeigte es auf einen Blick: Wanderung 19, Bergbaupfad Aalen. Ich gestehe, obwohl ich gerne wandernd unterwegs bin, hatte ich diesen Weg gar nicht auf dem Schirm. Was mal wieder bestätigt, dass man seine Heimat oft nicht so gut kennt, wie andere Gegenden.

Das konnte geändert werden. Mit dem Buch in der Hand machte ich mich an einem trüben Herbsttag auf den Weg Richtung Braunenberg. Und tauchte am Ausgangspunkt Tiefer Stollen ein in eine mir bislang doch eher unbekannte Welt. Das Bergwerk hatte wegen Corona zu, aber da war ich dann doch auch schon mal eingefahren. Also ging es gleich in Richtung "Erzhäusle", zur heutigen Erzgrube, der ersten Station des knapp 7 Kilometer langen Rundweges. Hier war einst der Aufenthaltsort mit dem Betsaaal für die Bergleute – wie ich auf einer der übersichtlichen Schautafeln lesen kann, die an jedem Haltepunkt angebracht sind. Weiter geht es durch den Wald über verwunschene Pfade Richtung Winkelstation, zum "Süßen Löchle", durch den Wald zum etwas versteckten Gedenkstein des Sigmund von Woellwarth. Immer weiter kann ich so in die Geschichte des Bergbaus in Wasseralfingen eintauchen, ohne dass mir zu viele Fußnoten Kopfzerbrechen bereiten. Ein paar hübsche Ausblicke über die Ostalb gibts obendrauf. Ein paar Wochen später bin ich den Weg dann gleich noch mal gelaufen. Mit Freunden aus dem Saarland. Um denen mal zu zeigen, was eine Ostalbgrube ist... Die Übersichtskarte zum Bergbaupfad kann man sich ebenso wie die Infotafeln übrigens unter www.bergwerk-aalen.de kosten los herunterladen. Viel Spaß beim Erkunden.

Den Arbeiterweg entlang wandern

Geschichte Der Bergbau ist eng verbunden mit den Jenischen, die einst in Himmlingsweiler lebten. Denn ab 1809 gingen Männer von dort, aber auch aus anderen Orten zur Arbeit zu den Bergwerken nach Attenhofen und Wasseralfingen. Ehrenamtliche aus Fachsenfeld haben 2018 auf 6,7 Kilometern den Arbeiterweg als Denkmal ausgebaut. Dort entlang zu wandern, lohnt sich. cow

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Ofenplatten, die einst im Wasseralfinger Werk entstanden sind.
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