Ein Sommer ohne Festival

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Akademiedirektor Erich W. Hacker hoch über dem leeren Schlosshof. Im Juli findet dort jedes Jahr das Festival Schloss Kapfenburg statt. 2020 muss es wegen der aktuellen Corona-Verordnung abgesagt werden. Pläne für den Sommer gibt es trotzdem.
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Das Festival 2020 ist abgesagt. Was das für die einzelnen Bereiche auf Schloss Kapfenburg bedeutet und was nun geplant ist.

Kkeine internationalen Musikstars wie Tom Jones, kein Feuerwerk, kein Stiftungsfest im Schlosshof der ehemaligen Deutschordenfeste. Vergangene Woche wurde das Festival Schloss Kapfenburg offiziell wegen der Corona-Verordnung abgesagt. "Wir hätten das gerne früher gemacht", sagt Akademiedirektor Erich W. Hacker. Aber man sei durch Verträge rechtlich gebunden und habe endgültige Entscheidungen auch des Landes abwarten müssen. Die unterschiedlichen Agenturen, mit denen die Festivalmacher zusammenarbeiten, hätten zudem Ersatztermine abstimmen wollen. "Da gab es Druck von gleich mehreren Seiten", sagt Hacker.

Die Ausgangslage: hohe Kosten und viel Idealismus

Auch wenn nur 2500 Menschen maximal pro Konzert in den Schlosshof passen – die Logistik hinter dem Festival ist riesig. "Wir tragen das komplette Risiko", sagt Hacker. Bühne, Ton, Sicherheitsdienste, da kommen schon allein hierfür pro Festival rund 80 000 Euro Kosten zusammen. Die Gagen seien zudem enorm gestiegen, weil die Künstler kaum noch CDs verkaufen, so Hacker. Die Gastroeinnahmen bei Konzerten sind längst GEMA-pflichtig. Übrig bleibt da am Ende so gut wie nichts, so Hacker. Ohne Sponsoren sei das Festival nicht möglich, ohne das Publikum, das gerne komme, und ohne den Einsatz der engagierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter weit über die normale Arbeitszeit hinaus, auch nicht. "Man ist ja auch Idealist, wenn man so was macht", sagt Hacker, Neben Idealismus und Freude sei aber auch der deutschlandweite Marketingeffekt für die Musikschulakademie durch das Festival nicht zu vergessen.

Was die Absage des Festivals für die Macher bedeutet

Sitzen bleibt man auf den Kosten für Werbung und andere Vorarbeit. Wenn eine Veranstaltung aber wegen der Corona-Verordnung abgesagt werden muss, müsse jeder der Geschäftspartner seine eigenen Kosten übernehmen. Vorauszahlungen, die an die Künstler bezahlt wurden, bekommen die Festivalmacher zurück, so Hacker. "Wir müssen das Geld aber erst einmal wieder eintreiben."

Was nun mit bereits gekauften Karten geschieht

Rund 6000 Festivalkarten sind bis März bereits verkauft worden. "Danach ging nichts mehr", so der Akademiedirektor. Ein guter Vorverkauf, 11000 bis 14000 Menschen besuchen pro Jahr das Festival. Wäre alles normal weitergelaufen, wäre man schon bei 10 000 Karten im Vorverkauf, ist sich Hacker sicher. Nun werden alle Karten, die bei der Kapfenburg gekauft wurden, rückabgewickelt. Nur das Konzert mit Tim Bendzko konnte verschoben werden. Jeder Käufer bekommt eine Mail, aber was man innerhalb vieler Monate verkauft habe, könne man nicht in 14 Tagen zurückgeben. "Die Menschen müssen sich aber wirklich keine Sorgen machen", so Erich W. Hacker. Auch wenn es ein wenig länger dauere. "Anrufen oder vorbeikommen, das funktioniert nicht. Aber alle bekommen Bescheid", versichert er. Wer allerdings Karten an Vorverkaufsstellen erworben habe, müsse diese auch dort zurückgeben. Wobei Hacker hofft, dass manche das einfach lassen und ihre Karten spenden.

Wir haben hier gerade gar keine Einnahmen.

Erich W. Hacker Akademiedirektor Kapfenburg

Was außer dem Festival auf Schloss Kapfenburg noch ruht

Musikschulakademie mit Probenaufenthalten von Musikschulen, Ensembles, Musikvereinen und Chören, Gastronomie im Restaurant Fermata, Konzerte in der Accelerando-Reihe, Tagungen und Kongresse, Hochzeiten, Familienfeste, all das ruht im Moment. Die Stiftung Internationale Musikschulakademie ist gemeinnützig und bekommt Förderung vom Land, alles andere nicht. "Wir haben hier gerade keine Einnahmen", sagt Hacker.

50 000 Besucher hat man auf Schloss Kapfenburg 2019 insgesamt gezählt, das Haus wird durch die vielen Angebote auch musikalisch mit allen Stilrichtungen belebt. "Ein Spagat", über den es kaum Beschwerden gibt, so Hacker. Wenn die nächsten Konzerte in der Accelerando-Reihe verschoben werden, sei zumindest das kein großes Problem. Weil es für diese Konzerte meist Paten gebe, die die Künstlergagen übernehmen, aber auch, weil man Konzerte mit maximal 300 Besuchern leichter verlegen könne.

Sommerurlaubsprogramm zur Wiederbelebung

Übernachten kann man auf der Kapfenburg schon lange, Festivalgäste aus ganz Deutschland machen das auch immer wieder. 40 Zimmer gibt es und der Betrieb soll zusammen mit dem Restaurant am Pfingstsamstag wieder aufgenommen werden. "Wir planen im Moment ein Sommerurlaubsprogramm", sagt Hacker. "Wir versuchen uns über den Urlaubansatz, über die Gastronomie und Hotellerie über die Runden zu bringen." Pakete mit Beiprogramm werden geschnürt, auch Musikfans könnten nicht zu kurz kommen. Hacker denkt an Konzerte junger Nachwuchsmusiker im Rittersaal, mit viel Abstand im Publikum ein fast individuelles Erlebnis. "Ich hoffe, dass wir bald wieder in Schwung kommen", sagt Erich W. Hacker.

Saxofourte und Ludwig Champer Players verlegt

Im Mai und Juni sind zwei Konzerte der Stiftung Schloss Kapfenburg von der aktuellen Corona-Verordnung betroffen. Sie konnten verschoben werden. Das Konzert von Saxofourte (28. Mai) findet am Donnerstag, 26. November, statt. Die Ludwig Chamber Players (18. Juni) konzertieren im Rahmen der Rosetti-Festspiele 2021, am Donnerstag, 10. Juni 2021 , auf dem Schloss. Eintrittskarten behalten ihre Gültigkeit. Karteninhaber, die den Ersatztermin nicht wahrnehmen können, können die Tickets spenden oder zurückzugeben.

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