Ein Stück Afrika in Fachsenfeld

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Mit Abstand haben etwa 20 Zuschauerinnen und Zuschauer am Theaterspaziergang durch den Schlosspark teilgenommen.
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Das Theater der Stadt Aalen spielt wieder und zeigt im Schlosspark Afrikas Facetten – und die sind nicht nur bunt. Ein sehenswerter Spaziergang.

Es tröpfelt. Der Wind weht afrikanische Trommelmusik ans Ohr. Darsteller des Theaters der Stadt Aalen lehnen an der Fachsenfelder Schlossmauer. Es wird wieder Theater gespielt! Auf Abstand. Dass das eine das andere nicht ausschließt, beweisen die Künstlerinnen und Künstler am Samstagabend. "Afrika im Park – ein mythischer Spaziergang" heißt das Stück, dass sich Dramaturgin Tina Brüggemann ausgesucht hat. Manuel Flach, Arwid Klaws, Margarete Lamprecht und Julia Sylvester heißen die Protagonisten.

Neben den Mammutbäumen beginnt die Reise durch den Schlosspark. Mit Regenjacken ausgestattet, begeben sich etwa 20 Menschen auf den Spaziergang, der viel über das afrikanische Leben preisgibt. Schönes, buntes und farbenfrohes. Dunkles, böses und sexistisches. In den kommenden eineinhalb Stunden zeigen die Schauspieler Auszüge aus "Liebeslied an den Wind" von Paulina Chiziane.

Sarnau (Julia Sylvester), eine junge Frau, ist Hals über Kopf in Mwando, gespielt von Manuel Flach, verliebt. In einem Waldstück im Schlosspark gestehen sich die beiden mit wortgewaltigen Beschreibungen ihre Liebe. Ungünstig, dass Mwando einer anderen Frau versprochen ist und die Polygamie ablehnt. Ein schmerzhafter Schrei von Sarnau durchfährt das Blätterdach. Wieder dringt Trommelmusik von den Mitgliedern des afrikanischen Kulturvereins ans Ohr.

Über geschotterte Wege geht es zum nächsten Schauplatz, immer geführt von Ordnern, die den Zuschauern die Markierungen im 1,5-Meter-Abstand zeigen. Es ist frisch. Die Temperatur: etwa 10 Grad, gefühlt: noch kälter. Die Schauspieler lassen sich in ihren luftigen, schlichten Gewändern von Stephanie Krey nichts von alledem anmerken. Sie bringen die Zuschauer von Fachsenfeld nach Afrika, zeigen, wie schwer das Leben für Frau und Mann dort sein kann. Sarnau hat inzwischen einen Mann (Arwid Klaws). Der lehnt wie ein Macho auf einem Baumstamm im Park und zeigt auch ohne Berührung, was er seiner Frau alles antut. Er schlägt sie, geht fremd – die Trommelmusik wird rasanter.

An einer anderen Stelle des Parks hat es auch Mwando nicht leicht. Auch er ist unglücklich verheiratet. Von seinen Eltern, gespielt von Arwid Klaws und Margarete Lamprecht, muss er sich anhören, dass ein "Mann, der nur eine Frau liebt, nichts taugt". Nicht nur der Wind sorgt für Frösteln.

Ob Mwando und Sarnau wieder zusammenfinden? Das lässt sich bei dem sehenswerten Spaziergang erfahren, der nicht nur etwas für Afrikaliebhaber ist.

Afrika 2060

Auszüge aus "Amara for President" von Chica Unigwe schließen sich dem Spaziergang an. Zuhörer erfahren, wie schwer es für Amara ist, als Frau das Amt zu erlangen. Ein nervenaufreibender Wahlkampf steht bevor.

Afrika im Park wird am 29. Mai, 6. Juni und 21. Juni jeweils um 18 Uhr im Fachsenfelder Schlosspark aufgeführt. Karten gibt's online, keine Abendkasse.

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