Ein Tag Schlossurlaub vor der Haustür

  • Weitere
    schließen
+
Hoch über Lauchheim thront Schloss Kapfenburg. Hier kann man nun auch Urlaub machen, die Musikschulakademie hat ihre Zimmer auch für Touristen geöffnet. Links im Bild sieht man einen der vier Instrumentenwanderwege: den Trompetenweg.
  • schließen

Auf der Kapfenburg kann man auch übernachten, wenn man dort nicht musiziert. Wie es sich anfühlt, dort eine kurze Auszeit zu nehmen und was es zu erleben gibt.

Lauchheim-Hülen

Hinter dicken Mauern selig schlummern und sich ein wenig wie ein Burgfräulein oder ein Ritter aus längst vergangenen Zeiten fühlen. Wer winkt schon ab, wenn er die Möglichkeit hat, mal für eine kurze Zeit auf einer Burg zu wohnen? Für so ein kleines Abenteuer muss man nun gar nicht mehr weit reisen. Quasi vor der Haustüre kann man es erleben: Schloss Kapfenburg in Lauchheim-Hülen hat seine Tore nun auch für den Tourismus geöffnet. Und bietet die Möglichkeit, die Ostalb einmal mehr von einer neuen Seite zu erleben.

Spannende Aussichten, schmale Pfade in kühlen Wäldern

Der Urlaub auf Schloss Kapfenburg beginnt davor. Noch vor dem Einchecken geht es erst mal an die Wandertafel rechts vor der Toreinfahrt. Das Abendessen später im hauseigenen Restaurant Fermata will verdient sein. Die Kapfenburg ist Musikschulakademie – deshalb hat jeder der vier Wanderwege einen Instrumentennamen. Der Trompetenweg ist dabei die goldene Mitte. 6,7 Kilometer sollen in eindreiviertel Stunden zu schaffen sein. Klingt nach längerem Spaziergang.

Los geht's. Das blaue Schild mit der Trompete führt direkt bergab. Zwischen Bäumen geht es vorbei an einer eher desinteressierten Kuhherde immer Richtung Lauchheim – im Rücken stets die imposante Kapfenburg. Nur einen kurzen Wegabschnitt an der Straße vorbei, zeigt die Trompete dann hinauf in einen lichten Wald. An heißen Tagen eine ideale Route, die auf lauschigen Pfaden wieder bergauf führt. Keine Menschenseele ist an diesem Freitagnachmittag unterwegs. Geschweige denn ein Trompeter. Es ist still, auch der Verkehrslärm ist verstummt. Der Boden ist noch vom letzten Regen aufgeweicht, hin und her geht es zwischen den Pfützen. So viel zum Thema Spaziergang. Gut, wenn man hier festes Schuhwerk anhat. Am Ende des Waldes gerät dann Schloss Kapfenburg, diesmal auf Augenhöhe, wieder in den Blick. Vorbei an mohngesäumten Feldern geht's Richtung Urlaubsdomizil.

Einblicke in die Geschichte des Schlosses und in Musikerleben

Nach dem Einchecken mit Luca-App und Testnachweis im oberen Schloss wartet auch schon das Zimmer. Minibad mit Dusche, Schränke, einfache, aber formschöne Holzmöbel, frisch bezogenes Bett. Einen Fernseher sucht man freilich vergeblich. Wer Bilder sucht, findet sie beim Blick durch Fenster. Wer Information sucht, findet sie auf einer „Graphischen Partitur“ neben der Türe. Hier zum Komponisten György Ligeti, einem Pionier der elektronischen Musik, nach dem das Zimmer benannt ist. 23 Übernachtungsräume im Brauereigebäude wurden Komponisten des 20. und 21. Jahrhunderts gewidmet. Wer will, kann sich am Empfang dazu sogar einen Koffer mit Infos und Aufnahmen zu deren Werken ausleihen. Kunst und Kultur kann man hier ganz ungezwungen genießen - oder auch nicht.

Wäre aber schade, wenn nicht. Auf der Burg gibts viel zu entdecken. Die mobile Gästemappe, die man sich aufs Handy herunterladen kann, umreißt auch die wechselvolle Geschichte der ehemaligen Deutschordenfeste, die „auf einer Bergnase des Albtraufs 130 Meter über der Stadt Lauchheim“ thront. Deren Name Kapfenburg sich herleitet vom mittelalterlichen Begriff „kapfen“, was so viel bedeutet wie gaffen oder eben einfach vornehmer „ins Land schauen“. Noch mehr erfährt man freilich bei einer Führung. Die klärt Fragen wie: Wie war das damals, als Eustach von Westernach Herr des Schlosses war? Weshalb wurde Christoph von Lehrbach verbannt? Was hat der Heilige St. Nepomuk mit der ehemaligen Deutschordensfeste zu tun, und warum steht in jedem Raum ein Klavier? Möglich sind private Führungen und ab Sonntag, 4. Juli, gibt es auch wieder öffentliche Führungen.

Die jüngste Geschichte aber ist die von Schloss Kapfenburg als Musikschulakademie. Diese hat 1999 ihre Arbeit aufgenommen und wurde bis April von Erich W. Hacker als Direktor geleitet. Nun ist Moritz von Woellwarth neuer „Schlossherr“ der ganzen Einrichtung. Er erzählt, dass es nun auch möglich ist, sich als einzelner Musiker oder einzelne Musikerin dorthin zurückzuziehen, um, gekoppelt mit Aufenthalt, dort in einem gemieteten Probenraum ungestört zu musizieren.

Die Seele baumeln lassen – im Wasser oder im Gras

Aber auch, wer einfach mal nur eine kurze Auszeit braucht, die Seele baumeln lassen will, kann das auf Schloss Kapfenburg und in der Umgebung prima machen. Nur ein paar Kilometer entfernt lockt das Freibad Westhausen, das Freibad auf der Marienhöhe in Nördlingen gar mit einer 60 Meter langen Riesenrutsche. Auch dort gibt es in Corona-Zeiten freilich besondere Hygienekonzepte. Unkomplizierter ist der Zugang zu den zahlreichen Badeseen im Ellwanger Raum. Glücklich erschöpft fällt man in seinem Gemach ins Bett. Und fühlt sich geborgen und sicher hinter den dicken Mauern. Fast wie ein Burgfräulein aus vergangenen Tagen.

Urlauben, Märchen hören, kreativ sein

Informationen und Urlaubsbuchungen auf www.schloss-kapfenburg.de sowie unter Tel. (07363) 96 18 17. Für Familien gibt es auch Apartments für mehr als zwei Personen. Bei allen Angeboten erfolgt die Kontaktnachverfolgung mit der luca App, zudem ist teilweise ein tagesaktuelles negatives Testergebnis, Impf- oder Genesenen-Nachweis notwendig.

Mit dem Kurzurlaub können kombiniert werden:
„Es war einmal… - Märchenstunde für Kinder und Erwachsene mit Horst Obleser.Die Märchen eignen sich für Kinder ab fünf Jahren. Termine: 16.Juli, Freitag, 13. August, Freitag, 24. September, jeweils 17 Uhr. Eintritt frei, Anmeldung erforderlich.
Schreibkunst für jedermann – Die Kunst der Kalligraphie.In den jeweils eintägigen Kursen erlernen die Teilnehmenden einfache Schriften, mit denen sich Zitate, Sprichwörter, Einladungen und vieles mehr gestalten lassen. Die Kunst des Schreibens wird dabei zu Mediation und wohltuendem Ausgleich. Anfänger und Fortgeschrittene können in der schönen Gewölbeatmosphäre des Schlosses mit Dozent Horst Obleser arbeiten. Termine: Samstag, 17. Juli, Samstag, 14. August, und Samstag, 25. September. Beginn 10 Uhr, Ende 18 Uhr.

Führungen:wieder ab 4. Juli, jeweils sonntags und feiertags ab 14.30 Uhr. Bis auf Weiteres handelt es sich um Freiluftführungen, Teilnehmende benötigen somit keinen 3G-Nachweis; es genügt die Angabe der Kontaktdaten mittels luca App oder Kontaktformular. Pro Führung sind 20 Personen zugelassen. Anmeldung notwendig.

Kulinarischer Schlossgarten: In den Sommermonaten hat der Schlossgarten bei schönem Wetter geöffnet. Jeden Donnerstag gibts Tapas und Drinks beim Afterwork, sonntags Leckeres vom Grill. Öffnungszeiten: Donnerstag ab 17.30 Uhr; Sonntag 11 - 16 Uhr.

Schlosskapelle. Hier ruht auch Wilhelm von Bubenhofen.
Zimmer mit Aussicht aus dem Brauereigebäude.
Wanderweg Kapfenburg
Moritz von Woellwarth in einem der Probenräume, die man mieten kann.

Zurück zur Übersicht: Ostalbkreis

Mehr zum Thema

WEITERE ARTIKEL