Eine Innenstadt voller Kunstwerke

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Das "Aalener Künstlerkollektiv" stellt seine Spiegel aus dem 2019er Projekt "Kiebitz" jetzt im ehemaligen "Binder Optik" in Aalen in einem neuen Kontext aus. "Die Worte ‘bin bei' sollen dazu anregen, sich in diesen Zeiten aus vielen Perspektiven selber zu betrachten und sich in der Stadt zu sehen", erklärt Kollektiv-Mitglied Andreas Welzenbach dieses "Fenster zur Kunst".
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"Fenster zur Kunst" bis 31. Juli in der Aalener Fußgängerzone. Eine besondere Kooperation von Stadt, Kunstschaffenden und Einzelhändlern. Was bei einem Stadtbummel zu sehen ist.

Kunst darf nie modisch sein, aber Mode immer kunstvoll, sagt Paul Groll. Der Künstler aus Lauchheim präsentiert derzeit seine farbenfrohen Gemälde und pfiffigen Zeichnungen in den Schaufenstern von "Mode Funk" am Aalener Spritzenhausplatz. Dieser außergewöhnliche Ausstellungsraum ist eine Station des Projekts "Fenster zur Kunst", einer gemeinschaftlichen Aktion der Stadt Aalen mit dem ACA (Aalen City Aktiv). In insgesamt mehr als 20 Schaufenstern des Aalener Einzelhandels stellen viele Kunstschaffende aus der Region ihre Werke aus.

Durch die Fußgängerzone bummeln und dabei Fotografie, Malerei, Bildhauerei und Installationen wie während eines Galeriebesuchs erleben – das ist bis 31. Juli möglich. "Wir wollen mit dieser Aktion sowohl die Künstler als auch den Einzelhandel unterstützen", erklärt Aalens OB Thilo Rentschler. Die Krise habe zu einem Kaufkraftverlust geführt. "Wir mussten Museen und andere Kulturräume schließen." Jetzt dürften Kunst und Geschäftswelt wieder das städtische Leben bereichern und sollten von dem gemeinschaftlichen Projekt profitieren.

"Ein Rundgang lohnt sich", verspricht ACA-Vorsitzender Josef Funk, als sich eine Abordnung der Projektgruppe vor seinem Bekleidungshaus trifft. Natürlich kooperiere er bei der Aktion "Fenster zur Kunst" mit seinem Freund Paul Groll, erklärt Funk. Groll erläutert: "Ich habe für die Schaufenster bewusst Bilder ausgewählt, die farblich gut zu den ausgestellten Kleidern passen." Und anders als sonst üblich, würden die Schaufensterpuppen nicht die Passanten "anschauen", sondern die Gemälde und Zeichnungen. Zitate von Künstlern und Modeschöpfern, die in großen Buchstaben an den Fenstern kleben, sollten das Zusammenspiel abrunden.

Ein Generationensprung

Natascha Euteneier vom Amt für Kultur und Tourismus hat das Kunstprojekt im öffentlichen Raum maßgeblich inszeniert. Sie führt die Gruppe an weitere ausgewählte Orte. Nach einem Blick auf das Gemälde "Händler" von Sam Kohn bei "Saturn" geht's in die Reichsstädter Straße. Im Schaufenster der ehemaligen "Binder Optik" präsentiert das "Aalener Künstlerkollektiv" ein Gemeinschaftswerk aus vielen Spiegeln. Die Kollektivmitglieder Andreas Böhm, Martina Ebel, Ines Tartler, Silke Schwab und Andreas Welzenbach hatten diese Spiegel vergangenes Jahr für ihr Kiebitz-Projekt auf dem Aalener Marktplatz installiert, um damit Seitengassen zu erkunden. "Im ehemaligen Binder haben wir jetzt die Spiegel auf Augenhöhe angebracht", erläutert Welzenbach. Corona habe jeden auf sich selbst zurückgeworfen. Mithilfe der Spiegel und den Stichworten "bin bei" solle sich in erster Linie jeder selber sehen, aber auch wieder die Stadt.

Ein Generationensprung folgt: Der Rundgang führt zur Aalener Stadtbibliothek und damit zu den Fenstern, in denen Jakob Arold, Mark Keller, Tobias Kerger und Marie Kubitza ihre Werke ausstellen. "Wir gehören zum ‘Kollektiv K'", erzählt Kerger. "Wir sind das jüngste Künstlerkollektiv der Stadt, uns gibt es seit 2019 mit inzwischen 20 Mitgliedern." Als nächstes Projekt plane "Kollektiv K" eine Hausbemalung in der Rittergasse, gegenüber des "Café Wunderlich", berichtet der junge Künstler. OB Rentschler reagiert begeistert. "Aus unserem Fassadenerneuerungsprogramm können wir dafür ein paar Euro beisteuern", sagt er spontan zu.

Einige meiner Werke sind extra für dieses Projekt entstanden.

Paul Groll Künstler

Überhaupt zeigt sich der OB bemüht, Kunstschaffende zu unterstützen. Ingrid Hertfelder präsentiert in einem der "Binder Schaufenster" Fotos aus ihrem Projekt "Brahma", in dem sie das Menschliche in der Natur sucht. Hertfelder ist aber auch am Fotoprojekt "kreative Köpfe" beteiligt. Die Ausstellung dazu musste der Gmünder Kunstverein wegen der Coronasperren absagen. "Demnächst werden wir die Fotos auf Schloss Fachsenfeld zeigen", verspricht Rentschler.

Eckhart Dietz bei Feinschmeckern

Ebenfalls ein Gmünd-Aalen-Austausch sei derzeit bei "Fröhlich fein genießen" im Westlichen Stadtgraben zu sehen, erzählt Natascha Euteneier während des weiteren Stadtbummels. "Ein Porträt von Eckhart Dietz." Und ein Werk passend zu ihrer Kollektion habe sich beispielsweise "Modeeck Kempf" ausgewählt: die "Joggerin" in Jeans von Cornelia Singer.

Mitglieder des "Kollektiv K" stellen in Fenstern der Stadtbibliothek Aalen (im Hintergrund) ihre Werke aus, von links: Jakob Arold, Mark Keller, Tobias Kerger und Marie Kubitza.
Das Werk "Händler" von Grafiker und Maler Sam Kohn ist im "Fenster zur Kunst" des Herrenausstatters "Saturn" am Spritzenhausplatz in Aalen ausgestellt.
Die Zeichnungen zu "kleines Schwarzes" von Paul Groll. Charakteristisch: die dreifingrigen Hände der Figuren.

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