Eine Nacht inmitten von Baumwipfeln

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Der Skypark Epia in Wetzgau. Bis zu 22 Meter geht es hier in die Tiefe. Zwölf verschiedene Parcours in unterschiedlichen Schwierigkeiten warten hier auf Kletterabenteurer.
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In Rosenberg gibt es ein Baumhaushotel. Warum auch eine kurze Auszeit dort durchaus abenteuerlich sein kann.

Rosenberg

Ein paar Meter über dem Waldboden, da liegt der Ort meines Mikroabenteuers. Meines Abenteuers fast vor der Haustüre. Nur eine knappe halbe Stunde bin ich von Aalen aus nach Rosenberg gefahren. Dort lockt eine andere Welt. Eine Welt inmitten der Baumwipfel. Das Baumhaushotel ist mein Ziel, es geht über Land in eine idyllische Landschaft. Der Mais steht üppig, Wildblumen wiegen sich im sanften Wind an den Feldrändern, sanfte Hügel säumen dichte Wälder. Ostalb eben.

Im Baum schlafen: ein Abenteuer? Ich gebe zu, ich bin nicht schwindelfrei. Vor ein paar Jahren habe ich das mal unterschätzt. Mit der Folge, dass mich in einem Allgäuer Kletterwald ein sportlicher junger Mann wie einen Sack Kartoffeln von einer Plattform abseilen musste. Was peinlich war. Ich habe mir geschworen, das passiert mir nicht mehr. Wie also wird es für mich sein, oben in den Baumwipfeln zu schlafen? Welche Tiere werden mir begegnen? Was kann man denn da sonst so machen? Und: wie läuft das mit der Nahrungsversorgung, der Toilette? Ist ja auch wichtig.

Vorbereitung schadet nicht

Abenteuer hin oder her. Völlig ins Ungewisse stürze ich mich in diesem Fall nicht. Das Baumhaushotel hat einen Online-Auftritt, dort kann man auch buchen. Nach der Bestätigung bekomme ich per E-Mail die Infos zum Schlüssel, zu Anreise und Abreisezeiten, genaue Adresse und Ausstattung. Ich atme auf. Es gibt einen Waschraum mit Waschbecken und Biotoilette – was auch immer das ist. Duschgelegenheiten gibt es beim Campingplatz ein paar Hundert Meter entfernt und Duschgeld in einem Kästchen im Häuschen. Handtücher gibt es auch. Da ich nur eine Nacht bleibe, wird es wohl bei der Katzenwäsche bleiben. Es gibt einen Wasserkocher, Tee und Kaffee, also packe ich noch eine Flasche Wasser ein.

Mikroabenteuer in Minihütte

Es ist heiß, 30 Grad zeigt das Thermometer im Auto an. Bei Hütten angekommen, sieht man vom Parkplatz aus nach zwei Minuten Bergauflaufen schon die Grillstelle mit Blick in die Landschaft. Gleich dahinter im Wald spickeln die ersten zwei Baumhäuser hervor. Geschätzte fünf Meter hoch stehen sie auf Holzstelen, kaum sichtbar zwischen dem Grün der Baumwipfel. Unseres ist die Nummer 4, 7 sieben gibt es. Wir folgen dem Pfad, der mit Rindenmulch ausgelegt ist. Es riecht erdig, trotz der Hitze. Bremsen umschwirren uns. Kein Problem: ich habe vorausschauend Anti-Brumm eingepackt. Angekommen, geht es ein paar Stufen nach oben. Auf eine lauschige Terrasse mit drei Stühlen und einem Sonnenschirm. Rundrum dichtes Blattgrün, dicke Baumstämme, Wald. Wow. Eine andere Welt. Neugierig öffnen wir das Häuschen – und sind begeistert. Ein Doppelbett ist unter dem Dachfenster platziert, an einem Tisch finden vier Menschen Platz. Erst mal Kaffee kochen mit dem bereit gestellten Wasser und das neue Heim mit Blick ins Grüne von der Terrasse genießen, denke ich. Die Inspektion der Biotoilette kann noch warten.

Nach dem Kaffee erkunde ich die Gegend. Laufe nach Hütten, finde die "Linde", wo man etwas essen kann, wenn man nicht grillen will. Von dort aus ziehe ich weiter über den Campingplatz zu drei Badeweihern. Dort planschen in einem ein paar Kinder und in einem anderen zwei Nackedeis. Ich bin keiner und da ich die Badesachen vergessen habe, geht es zurück zum Hotel.

Wenn die Nacht anbricht

Noch einmal geht's von dort zur "Linde". Bratwurst mit Salat. Doch es wartet im Gemeinschaftskühlschrank ein kühles Radler auf mich, das ich auf der Terrasse genieße. Langsam geht die Sonne unter. Ich blicke durch die Bäume nach unten. Grün statt Abgrund. Höhenangst kommt da keine auf. Nur das Gefühl von Freiheit. Auch, weil das Lachen der Nachbarn fast vom Dickicht verschluckt wird. Als es dunkel wird und ich gefühlt alleine bin, beginnt das Nachtleben im Wald. Unter der Terrasse raschelt es. Laut. Lang. Trotz Taschenlampe kann ich nichts sehen. Und nichts vertreiben. Ein wenig unheimlich ist das schon. Ich rette mich ins Bett.

Der Morgen danach

Die erste Nacht im neuen Heim ist ja immer ein wenig unruhig. Eine Stunde lang habe ich die Sterne durch das Dachfenster direkt über mir beobachtet. Aber wann kann man das sonst schon? Obendrauf gibt es dann noch ein fertiges Frühstück aus dem Picknickkorb. Nicole Zorniger, wie auf einem kleinen Schildchen steht, hat Kaffee, Käse, Marmelade, Brötchen reingepackt. Leider hört die Frühstückfee nach vielen Jahren auf, das Baumhotel sucht nun eine Nachfolgerin, wie mir Geschäftsführer Oliver Rohm erzählt. Dann heißt es Abschied nehmen vom Abenteuer. Was vergessen? Ach ja. Die Biotoilette. Die funktioniert ohne Wasser. Einfach Rindenmulch drauf, Deckel zu, fertig. Kein Abenteuer. Alles andere schon.

Im Sommer muss man schon genau hinschauen, um die Häuschen mitten im Wald zu entdecken. Sie sind aus Holz, stehen auf stabilen Stehlen und die Blätter sind zum Greifen nahe.
Fenster ins Grüne gibt es an allen vier Wänden des Häuschens. Und eins an der Decke.
Im Sommer muss man schon genau hinschauen, um die Häuschen mitten im Wald zu entdecken. Sie sind aus Holz, stehen auf stabilen Stehlen und die Blätter sind zum Greifen nahe.
Frühstück auf der Terrasse. Nicht sehr abenteuerlich, aber lecker.
Insgesamt sieben solcher Häuschen sind mitten im Wald bei Rosenberg verteilt.

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