Einmal selbst über den Hornberg fliegen

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Fliegen über dem Hornberg
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Microabenteuer Bei der Segelfliegergruppe Schwäbisch Gmünd dürfen auch Laien zum Schnupperflug ins Cockpit. Wie sich der Flug ohne Motor anfühlt.

Gmünd-Degenfeld. Fast schwerelos durch die Lüfte gleiten. Schwäbisch Gmünd, Heubach und auch Aalen sind ohne Mühen zu erkennen - aus der Vogelperspektive. Adleraugen können sogar den Stuttgarter Flughafen am Horizont erspähen. Ich sitze im Cockpit eines Segelfliegers, hinter mir steuert Fluglehrer Tobias Stein von der Segelfliegergruppe Gmünd das motorlose Flugzeug. Doch bevor es für uns beide in die Lüfte ging, gab's noch einiges zu sehen.

Sonntagmorgen, kurz nach 10 Uhr. Die einzelnen Segelflugzeuge sind bereits aus der Halle draußen, werden auf Herz und Nieren, beziehungsweise auf Rumpf und Ruder untersucht. Reine Routinesache. Doch sollte mit dem Fluzeug nicht stimmen? Das findet man lieber am Boden statt in der Luft heraus. Aber zu finden gibt's nichts, die Flugzeuge sind startklar.

Zu dritt befördern wir einen der Segelflieger in Richtung startbahn. Für ein Flugzeug ist er tatsächlich überhaupt nicht schwer. Selbst allein lässt sich das Gefährt am Flügel anheben. Aber irgendwo auch logisch. So ohne verbauten Motor. Und es muss leicht sein, soll schließlich fliegen.

Zuerst die Theorie

Fluglehrer Tobi beginnt, mir die einzelnen Teile des Fliegers zu erklären. Seiten- und Querruder etwa, die es zum Kurvenfliegen braucht. Oder die Instrumente im Cockpit. Von Schleudersitz oder Maschinengewehr keine Spur, dafür aber von Variometer, Kompass, Höhenmeter und GPS.

Der erste Start: Mit einer Seilwinde wird das Flugzeug in die Lüfte gezogen. Und zwar Ruckzuck. Noch beobachte ich das Spektakel mit festem Boden unter den Füßen. Alles geht gut. Aber etwas Respekt vor dem Segelfliegen leert mich der Anblick trotzdem. Gefühlt aus dem nichts auf eine Geschwindigkeit von gut 100 Stundenkilometern geschossen zu werden und dabei abzuheben.

Weitere Starts mit Fluglehrer und Flugschüler vergehen. Zwischen Landung und Start versuche ich, mich nützlich zu machen, anzupacken, wo es geht. Und lerne dabei mehr über die Phänomene, die sich Segelfliegerinnen und Segelflieger zu nutze machen. Termik ist das Zauberwort. Stimmt die, bekommt das Flugzeug auftrieb. 1000 Kilometer Reichweite schaffen Pilotinnen und Piloten unter idealen Bedingungen gerne einmal.

Dann die Praxis

Dann ist es soweit: Ich darf ins Cockpit. Zuerst aber wird mir der Fallschirm angelegt. Mit dem auf dem Rücken ist das Gefühl, als ich als eine Mischung aus Passagier und Co-Pilot auf dem vorderen Sitz des Zweisitzers Platz nehme nur noch halb so schlimm. Vor jedem Flug werden die Steuerelemente und Bremsklappen des Fliegers getestet. Ist das erledigt, gibt es den finalen Funkspruch zwischen Pilot und Flugkontrolle.

Die Seilwinde zieht los. Eine unvorstellbare Beschleunigung drückt mich in den Sitz. Der Boden entfernt sich immer weiter und weiter. Überwältigt vom Gefühl, gerade abzuheben schaue ich staunend aus dem Fenster. Der leichte Druck auf den Ohren wird durch ein angedeutetes "Gähnen" beseitigt. Das Seil wird abgekoppelt - wir fliegen. Fluglehrer Tobi weiß natürlich was zu tun ist und wo Auftriebe zu finden sind, steuert das Flugzeug zur enrsprechenden Stelle und beginnt, Kurven zu fliegen. Wir gewinnen an Höhe.

Eine endlose Aussicht

Bis zum Horizont reicht die Aussicht - in alle Richtungen. Ich sehe Windräder, die eigentlich ein Koloss in der Landschaft sind, wie Spielzeugmodelle von oben. Der Rosenstein und seien Ruine, die normalerweise über Heubach thronen sind auf einmal ganz klein - dennoch markant zu sehen. Waldstetten, die Stadtteile Gmünds sowie die Kernstadt, Gemeinden auf dem Rosenstein und im Schwäbischen Wald - normalerweise mehrere Autominuten voneinander entfernt. Aus dem Cockpit hat man sie jedoch alle auf einmal im Blick.

Staunend schaue von links nach rechts, von oben nach unten. In der rechten Hand den Steuerknüppel, mit den Füßen in Pedalen fühle ich, wie sich die Steuerelemente bewegen. In etwa vergleichbar wie in einem Fahrzeugauto gibt es jeweils zweimal die Vorrichtungen, die man zum Fliegen braucht. Fluglehrer Tobi lenkt den Flieger gerade - und überlässt mir das Steuer. Wie jetzt, denke ich mir. Ich soll fliegen? Okay, dann mal los. Vorsichtig bewege ich den Steuerknüppel und merke, wie das Flugzeug darauf regiert.

"Sollen wir einen Looping machen?"

Abgestürzt sind wir nicht, als ich das Steuer in den Händen hatte. Dennoch gleitet der Flieger nicht halb so souverän durch die Lüfte, wie mit dem Profi als Piloten. Also gebe ich die Kontrolle wieder ab. "Was macht dein Magen?", höre ich von hinten. Dem geht's soweit gut. Wieso? "Sollen wir einen Looping machen?", fragt der Fluglehrer. Was für eine Frage! Ich bin dabei. Tobi checkt den Luftraum - und los geht's. "Ich muss erst einmal deutlich Fahrt aufbauen, unter 200 werden wir nicht anfangen", erklärt er, als sich die Nase des Fliegers zum Boden neigt.

Das Gefühl, wenn es in der Achterbahn bergab geht - multipliziert mit 1000 rauscht mir durch den Magen. Wir werden schneller und schneller, dann reicht das Tempo. Tobi zieht hoch - der Loopingflug beginnt. Langsam wird der Boden an der Oberseite des Cockpits sichtbar, dann sind wir "auf dem Rücken". Ein Gefühl der Schwerelosigkeit macht sich breit - dann werde ich in meinen Sitz gedrückt. Kräfte so stark wie die dreifache Erdanziehung wirken - dann ist das Spektakel vorbei.

Absolut überwältigt fliegen wir noch etwas weiter, bevor es in Richtung Hornberg zum Landeanflug geht. Die Landung meistert der Profi reibungslos, eingige Vereinsmitglieder warten bereits in der Nähe. Denn nach der Landung muss der Flieger zurück zur Startbahn gezogen werden - und zu Fuß begleitet und gegebenenfalls abgebremst werden. Mit Beinen wie Wackelpudding versuche ich, mich wieder so nützlich wie möglich zu machen und anzupacken, wo es geht. Ich beobachte noch etwas das Treiben auf dem Hornberg und mache mich wieder mit dem festen Boden vertraut. Überwältigt und etwas erschöpft beende ich das wohl luftigste Abenteuer, dass ich je erlebt habe.

"Unter 200 werden wir nicht anfangen."

Tobias Stein, Fluglehrer
  • Segelfliegen kennenlernen
  • Die Fliegergruppe Gmünd, heimisch auf dem Hornberg, bietet Schnupperflüge für Jederfrau und Jedermann. Auch können Laien zum "Pilot für einen Tag werden". Beide Angebote sind kostenlos. Wen das Segelfliegen packt, den bilden die Mitgliederinnen und Mitgleider für einen Fixpreis von 249 Euro soweit aus, dass der Segelflug alleine kein Problem mehr ist.

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