Ellwangerin hat das höchste katholische Laienamt

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Dr. Irme Stetter-Karp stammt von der Ostalb. Jetzt ist sie zur neuen Präsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken gewählt.
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Dr. Irme Stetter-Karp stammt aus Rainau-Buch und ist jetzt Präsidentin des deutschen Laiengremiums. Wer sie ist und was sie bewegt.

Aalen/Berlin

Sie stammt von der Ostalb, aus Rainau-Buch, wo ihre Eltern eine Gastwirtschaft hatten, machte an St. Gertrudis ihren Realschulabschluss, am Aufbaugymnasium in Schwäbisch Gmünd ihr Abitur und promovierte in Sozialwissenschaften in Tübingen. Knapp vier Jahrzehnte arbeitete sie für das Bistum Rottenburg Stuttgart. Mindestens ebenso lang ist sie ehrenamtlich engagiert – heute unter anderem als Vizepräsidentin des Deutschen Caritasverbands.

Jetzt steht sie an der Spitze des höchsten katholischen Laiengremiums: Dr. Irme Stetter-Karp ist zur Präsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, kurz ZdK, gewählt. Damit ist sie nach Rita Waschbüsch (1988 bis 1997) die zweite Frau an der Spitze des höchsten repräsentativen Gremiums der Laien. In das Amt wurde die 65-Jährige, die ihren Lebensmittelpunkt mit ihrem Mann in Göppingen hat, mit 149 von 190 Stimmen gewählt.

Keine Karrierefrau?

Wer ihre Vita liest, denkt: eine Karrierefrau. Doch so sieht sich Irme Stetter-Karp selbst nicht. Sie hält das für „Kokolores“. „Mein Fokus hat immer dem Caritas-Gedanken und dem Sozialen gegolten“, betont sie und spricht von guter Arbeit und Leidenschaft. Dann werde man gefragt. Bei ihr habe sich ein Mosaiksteinchen an das andere gefügt. Es brauche eine Familie, die das mitgeht, mitträgt und die mit an einem Strang zieht; das sind ihr Ehemann, ihr Sohn, der mittlerweile in Hamburg wohnt und ihre verheiratete Tochter in Stuttgart.

Die Lust auf Fremdes

Irme Stetter-Karp, die schon immer Lust auf Fremdes hatte, kennzeichnet eine stringente berufliche Laufbahn; ab 1981 ist sie in der Jugendverbandsarbeit als Leiterin des Bischöflichen Jugendamtes, ab 1996 als Leiterin des Bildungswerkes (heute keb), ab 2000 als Direktorin des Caritasverbands und schließlich von 2006 als Ordinariatsrätin für die soziale Arbeit in der Diözese Rottenburg-Stuttgart.

Ein Hang zum Fernweh

Parallel dazu engagiert sich die Powerfrau, mit einem Hang zum Fernweh - „deshalb habe ich auch die Ostalb verlassen“ – für ihre Kirche deutschlandweit. Etwa als Vizepräsidentin des Deutschen Caritasverbands, als Mitglied in ZdK-Leitungsgremien und als eine der Moderatorinnen des katholischen Reformprojekts Synodaler Weg – ein Reformweg für Irme Stetter-Karp. Auch wenn er und seine Strukturen nicht unumstritten sind, erkennt die neue ZdK-Präsidentin in ihm eine Chance für die katholische Kirche in Deutschland. „Es geht um Schritte der Öffnung und darum, dass es für die Ortskirche Spielräume gibt“, sagt sie, die eine Reform für unverzichtbar hält. Die richte sich nicht gegen Rom. „Es geht darum, dass nicht noch mehr Menschen aus der Kirche austreten“, sagt sie.

Öffnung der Weiheämter

Dazu gehöre auch die konkrete Teilhabe von Frauen an Ämtern. „Für mich stellt sich grundsätzlich die Frage, wie lange kann man Frauen per Geschlecht exkludieren“, sagt die neue ZdK-Präsidentin, angesprochen auf das Diakonat der Frau und urteilt: „Meine Kirche liest die Zeichen der Zeit nicht richtig.“ Es gebe viele Menschen, die das nicht mehr verstehen. Die pastorale Not sei groß, da brauche es einen Ausweg.

„Es gibt Frauen, die das können“, sagt Irme Stetter-Karp, deren Eltern gläubige Katholiken waren, die aber bisweilen durchaus offen kritische Töne gen Kirche fanden. Die Öffnung der Weiheämter hält sie für einen ersten Schritt. Als „unerhört“ bezeichnet sie in diesem Zusammenhang, dass die Frage bei der Würzburger Synode nach dem Diakonat der Frau seit 50 Jahren verweigert werde.

Impfpflicht und Suizid

Der gebürtigen Ellwangerin mit elf Geschwistern, die ihr neues Amt sowohl als politische wie auch gesellschaftliche Aufgabe sieht, sind diverse weitere Themen ein Anliegen; etwa die neue gesetzliche Regelung zum assistierten Suizid. Aber auch die Impfpflicht beschäftigt sie. „Es geht darum, wie viel Freiheit Nicht-Geimpfte in Anspruch nehmen können, während das Gemeinwohl leidet und es immer wieder die Gleichen sind, die den Preis dafür zahlen“, sagt sie und nennt dabei als Beispiel die Schulkinder, Senioren und Pflegekräfte.

Grundsätzlich will sie auf diejenigen schauen, die keine Lobby haben. „Wir brauchen als Kirche einen klaren Blick“, sagt sie.

Ganz privat

Apropos Blick. Irme Stetter-Karp hat trotz straffem Zeitbudgets die Ostalb nicht nur im Blick. „Wenn ich in die Region komme, freue ich mich über die Landschaft, die weniger dicht besiedelt ist als der Stuttgarter Raum“, urteilt sie. Sie, die viel Sport treibt, gerne in den Wald geht und die Berge liebt, bezeichnet den Landstrich als „still“ und als einen „Ort, an dem man sich gut erholen kann“.

  • Dr. Irme Stetter-Karp und das ZdK
  • Dr. Irme Stetter-Karp ist für eine Amtszeit von sechs Jahren zur Präsidentin des ZdK gewählt. Sie folgt auf Thomas Sternberg, der nach sechs Jahren nicht mehr für den Posten kandidiert hat. Sie ist 1956 in Rainau-Buch als zwölftes Kind einer Bauern- und Gastwirtsfamilie geboren; einer ihrer älteren Brüder ist Karl „Carlos“ Stetter, der seit 2016 emeritierte Bischof von San Ignacio de Velasco im Osten von Bolivien.
  • Als Ordinariatsrätin und Leiterin der Hauptabteilung Caritas im Bischöflichen Ordinariat ist Irme Stetter-Karp seit September 2020 im Ruhestand.
  • Das ZdK ist der Zusammenschluss von Vertretern der Diözesanräte und der katholischen Verbände sowie von Institutionen der Laienvertretung und weiteren Persönlichkeiten aus Kirche und Gesellschaft in Deutschland. Die Rechtsform ist ein eingetragener Verein, der Sitz des Zentralkomitees ist aktuell noch in Bonn. Zum Jahresende wird der Sitz nach Berlin verlegt. aki

Meine Kirche liest die Zeichen der Zeit nicht richtig.“

Dr. Irme Stetter-Karp, neue Präsidentin der ZdK

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