Naturfotograf Tobias Gärtner

Endlich, das erste Fuchswelpen, Teil 3

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Tobias Gärtner hat auf der Ostalb Jungfüchse fotografiert.

Ostalb. Tobias Gärtner ist Hobby-Naturfotograf. Sein Revier ist die Ostalb. In unserem neuen Blog „Tobias‘ Naturfotografie“ berichtet er von seinem Hobby und gibt nützliche Tipps, was bei der Wildtier- und Naturfotografie zu beachten ist.

Voller Vorfreude und natürlich mit der Hoffnung, einen jungen Fuchs sehen zu können, ging es am Samstagvormittag dann endlich los. Mit der permanenten Frage im Kopf "Werde ich heute tatsächlich die Möglichkeit haben, junge Füchse zu sehen?".

So recht konnte ich selbst gar noch nicht daran glauben und versuchte meine Euphorie im Zaum zu halten. Der Jäger hingegen sah das etwas optimistischer und war sich sicher, dass sich die Kleinen sehen lassen werden. Wir beschlossen beim ersten Ansitz gemeinsam zum Bau zu gehen, trafen uns um 10 Uhr und liefen zusammen hin. Jeden Meter, welchen wir dem Bau näherkamen, wurden wir langsamer und vorsichtiger. Die konzentrierten Blicke immer in Richtung Bau, um notfalls rechtzeitig erkennen zu können, ob sich nicht doch ein Fuchs davor aufhält.

Die Luft war rein, wir konnten ungehindert zu der am Vortag geplanten Stelle gehen. Um möglichst wenig Aufmerksamkeit zu erregen sollte es jetzt schnell gehen. Isomatte aufschlagen, Kamera und Bohnensack auf den Boden, Ersatzakkus in greifbare Nähe packen, mich hinlegen und das Tarnnetz über mich und die Kamera ziehen. Der Jäger verabschiedete sich darauf hin und für mich hieß es nun warten, wie so oft in der Natur- und Wildlife-Fotografie.

Auf dem Boden liegend horchte ich nach jedem Geräusch, welches sich irgendwie anders anhört als das Zwitschern der Vögel oder das Rascheln des Laubes im Wind. Aufgrund der bodentiefen Perspektive und den vor mir wachsenden Gräsern hatte ich keine frei Sicht auf den Eingang des Baus. Alle paar Minuten und bei jedem noch so verdächtigen Geräusch musste man also den Kopf heben und auf die erste Sichtung hoffen. Auf Dauer, wenn man ein paar Stunden liegt und das dutzende Mal macht, ein dann doch irgendwann eher schmerzhaftes Unterfangen im Lendenwirbelbereich. Aber was tut man nicht alles...

Nach knapp einer Stunde plötzlich ein Rascheln, ähnlich, wie wenn sich Mäuse unter Laub bewegen. Ich blickte hoch und da stand er. Mein tatsächlich erster Jungfuchs, wie er sich direkt am Eingang des Baus aufhielt und mit seiner Schnauze den Boden absuchte.

Das erste Bild vom Jungfuchs.

Immer mal wieder hebt er kurz den Kopf, mit einem prüfenden Blick auf seine Umgebung. Er nahm mich aber nicht wahr und fühlte sich unbeobachtet. Diese Momente, wenn er kurz den Kopf hochhält und seine Umgebung checkt, waren für mich die ersten Gelegenheiten auf den Auslöser der Kamera zu drücken. Knopfaugen und gefühlt mehr Flaum wie Fell, die wohl auffälligsten Merkmale des noch sehr jungen Nachwuchses.

Das Grinsen war in meinem Gesicht zu diesem Zeitpunkt kaum mehr wegzubekommen und die Freude nur schwer in Worte zu fassen.

Äste machen das Fotografieren etwas schwieriger.

Wie man auf diesem Bild sieht, machten hartes Licht und viele Äste die Situation fotografisch gesehen eher schwierig. Beim ersten Ansitz ging es jetzt aber auch nicht darum, möglichst gleich die Wunschbilder einfangen zu können. Mir war einfach nur wichtig, die Kleinen einmal sehen zu dürfen, mit der Möglichkeit ein paar (dokumentarische) Aufnahmen zu machen.

Und plötzlich ist das ein zweites Fuchsjunges.

Meine erste Aufregung legte sich langsam, bis plötzlich ein zweiter junger Fuchs durchs Bild huschte. Im Sucher der Kamera war ich mir erst gar nicht sicher, was da eben auf die Schnelle zu sehen war. Als ich dann die Kamera zur Seite legte, sah ich, dass sich die Geschwister ebenfalls aus dem Bau heraustrauten. Zuerst waren drei, zeitweise sogar bis zu fünf Welpen gleichzeitig zu sehen. Unfassbar, ein unbeschreiblicher Moment. Sie wirkten teilweise noch etwas wackelig und tapsig, zudem waren sie noch extrem vorsichtig und hielten sich nur maximal zwei bis drei Meter um den Bau herum auf.

Trotz der nicht idealen Bedingungen versuchte ich ein paar Bilder zu machen. Egal wie sehenswert diese nachher sind. Zum damaligen Zeitpunkt wusste ich ja auch noch nicht, welche Möglichkeiten mich in den Tagen und Wochen danach erwarten würden. Nach gut einer Stunde zogen sich die Kleinen zurück in Ihren Bau. Für mich die Gelegenheit, unbemerkt meine Sachen zu packen und mich wieder zurückzuziehen.

Tobias-Tipp : Tiere beobachten und fotografieren zu dürfen, ist jedes Mal eine tolle Sache. Vor allem, wenn sie einen gar nicht wahrnehmen und sich völlig unbeobachtet fühlen. Der permanente Blick durch den Sucher sorgt manchmal aber auch dafür, dass man die Einzigartigkeit eines Moments gar nicht richtig wahr nimmt. Aus eigener Erfahrung kann ich dir nur empfehlen, die Kamera auch einfach mal zur Seite zu legen, zu beobachten und das Erlebte im Kopf abzuspeichern. So zehrt man langfristig von den Bildern und den Erlebnissen. Im Regelfall kann ich dir zu jedem meiner Bilder, wenn sie auch bereits mehrere Jahre alt sind, die Entstehungsgeschichte dazu erzählen. Diese Erinnerungen nimmt einem niemand mehr.

Meine Erfahrungen aus dem ersten Ansitz

Die Perspektive: Bodennah zu fotografieren birgt immer etwas die Gefahr, dass jede noch so kleine Erhebung des Bodens wie ein kleiner Berg wirken kann, über welchen man erst einmal hinweg fotografieren muss. Genauso wie vermeintlich flaches Gras oder kleine Äste. Setzt man diese „Hindernisse“ aber geschickt ein, hat man einen tollen (aufgelösten) Vordergrund, welcher einem Foto Tiefe verleiht und es interessanter macht. Um nicht jedes Mal den gleichen Blickwinkel zu haben und im Idealfall auch weniger störende Elemente im Bild, wollte ich bei den nachfolgenden Ansitzen zudem immer wieder einmal eine leicht veränderte Position einnehmen.

Tobias-Tipp : Die bodentiefe Perspektive wählte ich auch deshalb, um mit den Tieren auf Augenhöhe zu sein. Dies schafft meist eine gewisse Verbindung zum Tier, mit welcher man eine viel spannendere und emotionalere Bildwirkung erzielt.

Eine bodentiefe Perspektive lässt den den Fotografen mit den Tieren auf Augenhöhe sein.
Eine bodentiefe Perspektive lässt den den Fotografen mit den Tieren auf Augenhöhe sein.

Die Technik: Die Wahl, auf meine Systemkamera „Nikon Z6 II“ zurückzugreifen, war ebenfalls die richtige Entscheidung. Die Möglichkeit absolut lautlos zu fotografieren, war hier Gold wert. Der Spiegelschlag einer Spiegelreflexkamera hätte die Füchse sicherlich gestört und wahrscheinlich vertrieben. Die 500mm des Teleobjektives waren in den meisten Fällen ebenfalls ausreichend. Vereinzelt kam noch der 1,4-fach Telekonverter zum Einsatz. Lediglich das Fotografieren aus der freien Hand und ohne Stativ war teilweise ein (Gewichts-)Problem, so dass ich mich dafür entschied, beim nächsten Mal mein Stativ mitzunehmen, um etwas ruhiger und kontrollierter arbeiten zu können.

Die Uhrzeit: Für den nächsten Tag beschloss ich etwa eine Stunde früher zum Ansitz zu gehen, um dem harten Sonnenlicht möglichst aus dem Weg zu gehen und Bilder bei weicherem Licht oder etwas Schatten machen zu können.

Das weitere Vorgehen: Wenn auch beim ersten Ansitz noch keine vorzeigbaren Fotos entstanden sind, so war mir klar, dass man in den nächsten Tagen und Wochen jede Möglichkeit nutzen muss. Die Welpen wachsen sehr schnell und bereits nach zwei, drei Wochen erweitern sie Ihren Aktionsradius deutlich, so dass sie nicht mehr so oft am Bau sind und es schwierig wird sie zu fotografieren.

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