Energiekrise: Holzpellets werden zum knappen Gut

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Derzeit heiß begehrt, aber schwer zu bekommen: Der Holzpellet-Markt ist wie leer gefegt - die Gründe dafür sind vielfältig.
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Die Sorge vor einem russischen Gasstop sorgt offenbar für Hamsterkäufe bei Öl, Brennholz und Holzpellets – letztere sind aktuell nur noch schwer zu bekommen.

Ostalbkreis. Nicht nur die Preise für Öl und Gas sind in den vergangenen Wochen explodiert. Auch auf einem anderen Energieträger-Markt ist der Preis vollkommen aus dem Ruder gelaufen. Zahlte man im Sommer 2021 noch knappe 200 Euro pro Tonne Hollzpellets, liegt der durchschnittliche Preis aktuell bei 564 Euro pro Tonne – bei stark steigender Tendenz. Wobei die Preisentwicklung auf dem Holzpellet-Markt nicht das einzige Problem ist. 

„Die Versorgung mit Holzpellets ist gerade extrem schwierig“ sagt Roland Weissert, Geschäftsführer der EDi Energie-Direkt Hohenlohe GmbH. Die Gründe dafür seien vielfältig. Eine Ursache liege in der verfehlten Energiepolitik des Bundes. Der habe – um sich von fossilen Brennstoffen loszulösen – Holzpelletheizungen stark beworben und hoch gefördert. Das sei nicht ohne entsprechende Folgen geblieben. Viele Menschen seien umgestiegen. „Pro Jahr kommen in Deutschland rund 50 000 Holzpelletheizungen dazu. Jede dieser Heizungen verbraucht rund sechs Tonnen Pellets. Sie können sich jetzt selbst ausrechnen, wie sich der Bedarf entwickelt hat. Die Nachfrage ist exorbitant gestiegen, aber eben nicht die Produktion. Da wurde von der Politik wieder etwas nicht bis zum Ende gedacht“, erklärt Weissert die Lage auf dem Holzpellet-Markt.

Was zur Folge hat, dass sich Kunden, die Holzpellets ordern möchten, derzeit in Geduld üben müssen. Der Markt ist wie leer gefegt. Durch die nachlassende Bauwirtschaft mangelt es an Holzabfällen, die zwingend zur Pelletproduktion benötigt werden.  Darüber hinaus fehlen auf dem Weltmarkt auch noch die rund zwei Millionen Tonnen Holzpellets aus Russland. Und: Deutsche Kohlekraftwerke greifen derzeit verstärkt auf Holzpellets zurück, um ihren Betrieb aufrecht zu erhalten.   Das alles wirke sich selbstverständlich aus, betont Weissert: „Es hängt auf dem Energiemarkt wirklich alles mit allem zusammen.“  Sein Unternehmen kann deshalb seit Donnerstag dieser Woche auch nur noch Bestellwünsche annehmen, aber keine Bestellungen mehr. Kein Einzelfall unter den Energiehändlern.

Wobei der Edi-Geschäftsführer diesen drastischen Schritt vor allem mit der dynamischen Preisentwicklung begründet.  Man könne den Kunden, derzeit schlicht nicht zuverlässig sagen, was die Pellets im September oder Oktober kosten werden. Wobei Weissert in diesem Zuge zumindest noch eine gute Nachricht im Gepäck hat.   „Wir gehen derzeit fest davon aus, dass wir unsere Stammkundschaft auch weiterhin zuverlässig mit Holzpellets beliefern können.“  Ob man auch die Bestellwünsche von Neukunden bedienen könne, müssen man abwarten. „Eigentlich“, sagt Weissert, „müsste man den Heizungsbauern jetzt untersagen, noch weitere Holzpelletheizungen einzubauen.“ Damit lasse sich die Energiekrise ohnehin nicht lösen. Weissert rät seinen Holzpellet-Kunden das, was derzeit allen Verbrauchern geraten wird: „Wir müssen einfach Energie sparen – überall wo es geht.“  

 Von einer großen Verunsicherung der Verbraucher berichtet  Ralf Bodamer, Geschäftsführer des Vereins Energiekompetenz Ostalb. „Die Menschen haben richtige Angst und wissen nicht mehr, was sie eigentlich tun sollen.“  Die Politik zeige ihnen derzeit auch keine Perspektiven oder Lösungen auf. Und die gibt es, laut Bodamer, derzeit wohl auch nicht. „Ein schneller Wechsel zu günstigen Energien ist einfach nicht machbar. Und es gibt auch keinen Harry Potter, der das mit einem Zauberstab lösen könnte.“ Fakt sei, dass viele Hausbesitzer nicht so ohne Weiteres ihre Heizung umstellen könnten. Wärmepumpen machten in Altbauten in der Regel überhaupt keinen Sinn. Wer sich in Fotovoltaik flüchten möchte, um autark zu werden, müsse derzeit auch Durchhaltevermögen beweisen. „Bis Sie da ein Angebot bekommen, vergeht derzeit rund ein halbes Jahr “, sagt Bodamer.

Am Ende bliebe in der aktuellen Situation nur eine Lösung: Energie einzusparen. „Bis zu zehn Prozent könnte jeder der rund 40 Millionen deutschen Haushalt mit kleinen Maßnahmen problemlos schaffen“, sagt Bodamer. Wer Angst vor einer kalten Stube im Winter hat, könne auch auf einen elektischen Heizlüfter zurückgreifen – sofern man noch einen im Baumarkt bekommt. Wobei Bodamer auch deutlich macht, dass solche Geräte nicht viel mehr sind als eine Beruhigungspille: „Das ist kein nachhaltiges Heizsystem und das kann sicher auch keine Dauerlösung sein.“  

Beim Landratsamt winkt man beim Thema Holzpellets ab. Dazu lägen bei den Behörden derzeit keine "Marktinformationen" vor, teilt Pressesprecherin Susanne Dietterle mit.  In Sachen Brennholz habe das Forstdezernat des Landkreises aber tatsächlich eine erhöhte Nachfrage festgestellt. "Bereits im vergangenen Jahr lagen die Anforderungen mehrfach über der Verfügbarkeit, vor allem von kommerziellen Anbietern haben uns vermehrt Anfragen erreicht", erklärt Dietterle. Man versuche derzeit "über unsere Möglichkeiten, die bisherigen, teils langjährigen Kunden zu bedienen". Generell rät der Landkreis den Bürgern aber dringend dazu, sich "rechtzeitig nach Alternativen beziehungsweise ergänzende Heizsystemen umzusehen".

 

 

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