Erntebilanz: Erträge Durchschnitt, Preise sehr gut

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Die Ernte ist gelaufen, die Landwirte grubbern ihre Stoppelfelder, um das weitere Austrocknen zu verhindern und den Boden für den nächsten Regen aufzulockern.
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Getreide und Ölsaaten sind eingefahren, der Mais leidet stark unter der Trockenheit. Eine nüchterne Erntebilanz im Ostalbkreis.

Unterschneidheim

Bei Schweinehalter Bernd Joas trafen sich Vertreter von Politik, Landwirtschaft und nachgelagertem Bereich zur Erntepressekonferenz. Landwirtschaft sei ein wichtiger Teil der Wirtschaft im Ostalbkreis und die Konferenz so wichtig wie die eines Automobilherstellers, versicherte Landrat Dr. Joachim Bläse.

Bürgermeister Johannes Joas blickte auf den hohen Anteil von Agrarfläche an der Unterschneidheimer Gemarkung: „Die Landwirtschaft ist hier allgegenwärtig, unsere Landschaft ist kultiviert und die Bauern betreiben ihre Betriebe zur Wertschöpfung“, sagte er. Um so wichtiger sei es, zu erkennen welchen Zwängen und welchem Druck sie ausgesetzt sind.

Tiemo Hofmann, Leiter des Geschäftsbereichs Landwirtschaft im Landratsamt, zeichnete das Wirtschaftsjahr nach, das mit sehr guten Aussaatbedingungen begonnen habe. Auch Winter und Frühjahr seien für den Landbau sehr gut verlaufen mit wenig Spätfrost und genügend Regen. Aufgrund von Hitze und Trockenheit habe die Getreideernte früher begonnen als sonst, sei aber problemlos bei im Großen und Ganzen durchschnittlichen Erträgen verlaufen. Jetzt allerdings leide der Mais stark und wenn nicht schnell Niederschläge fallen, drohten den Landwirten starke Einbußen bei der Futterversorgung, da auch das Grünland vertrocknet.

Hubert Kucher, Vorsitzender des Kreisbauernverbands Ostalb-Heidenheim, bestätigte diese Bilanz und kam auf die politischen Vorgaben zu sprechen. Die umstrittene Stilllegung von vier Prozent der Fläche werde er nicht vornehmen. „Ich baue im nächsten Jahr auf dieser Fläche Weizen an, weil ich Landwirt geworden bin, um Lebensmittel zu erzeugen, nicht um Äcker stillzulegen.“ Eine Stilllegung von Agrarland bringe weder besseres Klima noch mehr Diversität, sondern sei „ein großer Blödsinn und wir haben einen Landwirtschaftsminister, der das nicht versteht.“

Kucher wehrte sich auch vehement gegen alle Versuche, die Viehhaltung zu beschränken. Ohne Tiere könne man Grasland nicht nutzen und die Reste aus der Nahrungsmittelerzeugung seien nur mit Tierhaltung zu verwerten. Zudem werde der Dünger der Tiere gebraucht, um Getreide und Feldfrüchte anzubauen.

Dass in diesem Jahr trotz eher schwächerem Ertrag deutlich mehr Getreide angeliefert wurde als 2021, wertet Sven Schneider, Geschäftsführer der BAG Hohenlohe, als Alarmzeichen: „Die Schweinehalter bringen uns ihr hofeigenes Futter, weil sie den Tierbestand zurückfahren.“ Die Veredelung über die Viehmast sei nicht mehr rentabel, zudem bräuchten die Landwirte dringend Liquidität. „Das habe ich in 20 Jahren so noch nicht erlebt“, meinte Schneider. Die Ernte werde eingelagert und regional vermarktet.

Raps habe sehr gut gedroschen, 40 Doppelzentner und mehr pro Hektar. Die Preise seien sehr gut und lägen aktuell bei 60 Euro pro Doppelzentner.

Braugerste habe standortabhängig sehr gelitten, meinte Gerd Mezger von der Baywa. „Doch die Qualität passt, wir können uns auf gutes Bier freuen.“ Deutsches Getreide werde im Ausland stark nachgefragt, doch die Logistik sei schwierig. Die niedrigen Flusspegel machten den Transport per Schiff extrem teuer und die Speditionen suchten händeringend nach Lastwagenfahrern.

Friedrich Rehlen von der Heimatsmühle sah beim Weizen sehr gute Qualitäten. Der Klebergehalt, wichtig für Bäckereien, sei höher als in den Vorjahren. Zu beobachten sei allerdings der Trend zu billigem Mehl: „Die Verbraucher schauen wieder mehr auf den Geldbeutel.“

Kurt Färber, Prokurist bei der BAG Hohenlohe, machte darauf aufmerksam, dass aktuell Dinkel praktisch nicht zu verkaufen sei: „Der Markt ist tot“, meinte er und sah den Grund im großen Vorrat von 2021 und im Preisbewusstsein der Verbraucher. Die BAG nehme die Ernte trotzdem an und lagere das Getreide ein, um es nach und nach zu verkaufen.

Die große Sorge liegt beim Mais

Die große Sorge der Landwirte liegt nun beim Mais, der als Silomais und im Kraftfutter von den Viehhaltern benötigt wird.

Dass auch die Biogasbetriebe Schwierigkeiten bekommen, befürchtet Hubert Kucher nicht. „Die Silos sind noch gut gefüllt vom Vorjahr“, schätzte er und forderte, die Leistungsbegrenzung für Biogasanlagen aufzuheben. Die Energie werde dringend benötigt und die Landwirte könnten mehr davon produzieren, ohne dass es irgendwo zu Beeinträchtigungen komme.

Überhaupt nicht einverstanden ist Kucher mit dem Plan, im großen Stil Agrarfläche mit Freiflächen-PV zu belegen. Solange noch ein Parkplatz ohne Module ist, brauchen wir über Freiflächen-PV nicht reden.“ Die größte Konkurrenz zur Landwirtschaft sei der Flächenverbrauch und die dauerhafte Versiegelung durch Bebauung.

Ausgewählte Preise für ausgewähltes Getreide

Raps: Die Ölsaat hat sehr gute Erträge ausgegeben, der Ölgehalt war sehr hoch. Derzeit bekommt man rund 60 Euro pro Dezitonne (dt), das sind 100 Kilogramm. Für die Ernte 2023 kann man aktuell Vorverträge über 58 Euro pro dt abschließen.

Braugerste: Für Braugerste bekommt man 35 Euro pro dt, das ist doppelt so viel wie im vorigen Jahr. Für die Ernte 2023 lassen sich derzeit Vorverträge über 30 bis 31 Euro pro Dezitonne abschließen.

Weizen: Der aktuelle Preis liegt bei 30 Euro pro Dezitonne, Vorverträge für 2023 kann man bei 22 Euro pro dt abschließen. Der Weizen ist im Export gefragt, doch auch die Landwirtschaft ist Abnehmer.

Soja: Immer mehr Landwirte bauen auch auf der Ostalb die Hülsenfrucht Sojabohne an. Gute Zuchtfortschritte und wachsende Erfahrungen im Anbau bringen gute Erträge. Der Preis stimmt auch: 30 bis 32 Euro pro Dezitonne werden im Vertragsanbau für 2023 bezahlt.

Ein Mähdrescher bei Ellwangen: dieses Jahr ist aufgrund der Trockenheit die Getreideernte deutlich früher abgeschlossen.
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des diesjährigen Erntepressegesprächs beim Nebenerwerbslandwirt Bernd Joas in Unterschneidheim.

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