Debatte um Bahnhof: Essingen kritisiert Rentschler

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Der Gemeinderat befasst sich mit der Reaktivierung des Essinger Bahnhofs.

Die Remsgemeinde fordert in einer Pressemitteilung „vernünftige Argumente statt Denk- und Sprechverbote“.

Essingen. Der Essinger Gemeinderat hat sich vor Kurzem in seiner öffentlichen Sitzung erstmals mit der Reaktivierung des Bahnhofs Essingen befasst. „Das geschah sehr sachlich und völlig unaufgeregt“, heißt es jetzt in einer Presseerklärung der Gemeinde. Hierbei seien zahlreiche gute und vernünftige Argumente ausgetauscht worden, weshalb nun die Reaktivierung des Bahnhalts Essingen weiter untersucht werden soll.

Die Behandlung des für Essingen wichtigen Themas hat den Aalener OB Thilo Rentschler zu einer Presseerklärung veranlasst. „Bei der er die Argumente der Essinger Räte als „unseriös“ diffamiert und quasi ein Denk- und Sprechverbot auferlegen möchte“, schreibt die Kommune weiter. Die „Messe sei gelesen“, wie Rentschler behaupte. Doch Essingen kontert in der Mitteilung: „Dabei hat sie noch gar nicht richtig angefangen.“

Die Kommune fragt, weshalb der scheidende Oberbürgermeister von Aalen „Angst vor vernünftigen Argumenten und einer sachlichen Meinungsbildung“ habe. In Zeiten, in der umweltfreundliche und nachhaltige Mobilität überall neu gedacht werde, komme man am Essinger Bahnhof nicht vorbei. Es sei der logische Weg, eine bestehende Infrastruktur zu aktivieren, bevor man auf der grünen Wiese, sehr nahe am Hauptbahnhof Aalen eine weitere Haltestation einrichte.

„Die Stadt Aalen ist mit ihrer Idee eines neuen Bahnhalts West offiziell bislang noch nicht auf die davon betroffene Gemeinde Essingen zugekommen, obwohl es eine Planungsgemeinschaft (VG Aalen-Essingen-Hüttlingen) genau für solche Themen gibt“, merkt die Gemeinde im Schreiben an und nennt „ein paar Fakten“, die man nicht wegdiskutieren könne“:

Es gibt seit 160 Jahren den immer noch aktiv betriebenen Bahnhof Essingen. Dort herrschten rege Umtriebe durch Go Ahead am Wartungsstützpunkt, beim Güterumschlag der Firma Scholz oder in der Bahnleitstelle der Deutschen Bahn. Mit drei bestehenden Gleisen am Bahnhof sei die Infrastruktur für einen Haltepunkt besser geeignet als mit sonst nur zwei Gleisen.

Die verkehrsgünstige Lage und die von allen Seiten sehr gute Erreichbarkeit des Essinger Bahnhofs werde sichtbar durch den aktuellen Ausbau der Bundesstraße 29. Die näherrückende bauliche Entwicklung am nördlichen Ortsrand Essingens und die angrenzenden Gewerbegebiete am Bahnhof sprächen in heutigen Zeiten ebenfalls für die Wiederbelebung des bestehenden Bahnhalts. „Die Essinger Gewerbebetriebe fordern die Reaktivierung des Bahnhofs für ihre Mitarbeiter ausdrücklich.“

Vor allem gebe es eine sehr hohe Akzeptanz in der Bevölkerung für den Essinger Bahnhalt. Das sei in Hofherrnweiler anders, wie dem Essinger Gemeinderat von einem Aalener Bürger in der Bürgerfragestunde mitgeteilt worden sei. Offenkundig gebe es dort starke Proteste gegen den Bahnhalt West.

„Dem Essinger Gemeinderat vorschreiben zu wollen, was dieser zu denken und zu tun hat, ist unseriös, aber niemals sind es vernünftige Argumente. Wir hoffen auf eine künftig bessere Kommunikation unter Nachbarn“, heißt es am Ende der Presseerklärung.

Was Dr. Bolten sagt

Neben der Gemeinde nimmt Gemeinderat Dr. Dieter Bolten in einer Extra-Erklärung Stellung und kritisiert Rentschler. „Die Messe ist erst dann aus, wenn der Pfarrer das Amen gesprochen hat. Dieses Amen ist bei Aalen-West aber noch lange nicht gesprochen“, schreibt Bolten. Der OB gehe selbst nur davon aus, dass die Planungen noch 2021 in das Planfeststellungsverfahren münden werden, in dem sich Bürger einbringen und noch Bedenken äußern könnten. „Die von Ihnen pro Aalen-West genannten Gründe sind auch offenbar so stark, dass jetzt schon eine Bürgerinitiative gegen das Vorhaben aktiv ist und sogar im Essinger Gemeinderat auf getreten ist“, so Bolten weiter.

Es gebe sicher Argumente pro AA-West, aber auch solche pro Essingen. „Wenn wir diese erst jetzt vor bringen, so mag dies den OB ärgern. Aber bellt da ein Getroffener?“ Der Zeitpunkt möge spät sein, aber begründbar. Das Potenzial von Essingen zu prüfen, einschließlich der Frage, ob nicht ein Bahnhalt Essingen zusätzlich zu AA-West sinnvoll wäre.aki

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