Evangelische Kirche: Mit weniger Struktur mehr Inhalt

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Sie beschäftigen sich mit der Fusion der beiden evangelischen Dekanate im Ostalbkreis: (v.l.) Ursula Richter, Wolfgang Schmidt, Heinz Schmidt und Ralf Drescher. Foto: Länge
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Ursula Richter und Ralf Drescher sowie Vorsitzende der Bezirkssynoden Gmünd und Aalen, Wolfgang und Heinz Schmidt, erläutern die geplante Fusion.

Schwäbisch Gmünd / Aalen

Diese Zeitung hat am Samstag bereits exklusiv darüber berichtet: Aus den evangelischen Dekanaten Schwäbisch Gmünd und Aalen soll zum 1. Januar 2026 ein Dekanat werden. Darüber informierten am Montag Gmünds Dekanin Ursula Richter, Aalens Dekan Ralf Drescher und die Vorsitzenden der Bezirkssynoden Gmünd und Aalen, Wolfgang Schmidt und Heinz Schmidt. Zeitpunkt für die Zäsur ist der Beginn des Ruhestands von Ursula Richter zum 1. November 2023. Nachdem Richter diesen dem Oberkirchenrat gemeldet hatte, läutete dieser die Fusion ein. Dies betrifft nicht nur die beiden Kirchenbezirke Gmünd und Aalen. Fusionen werden immer dann geprüft, wenn Dekane in den Ruhestand treten. 15 weitere stünden auf der Streichliste. Im Ostalbkreis begleitet eine Steuerungsgruppe aus Mitgliedern beider Bezirke die Fusion. Die Bezirkssynoden werden spätestens im Frühjahr 2025 darüber entscheiden. In der Übergangsphase von Richters Ruhestand an bis zum 31. Dezember 2025 wird Drescher voraussichtlich Dekan für beide Bezirke sein. Gleichzeitig wird es in Gmünd ein geschäftsführendes Pfarramt bis Ende 2025 geben. Gewiss ist Drescher vom 1. Januar 2026 an Dekan für das dann neue, fusionierte Dekanat.

Richter reihte die Fusion der beiden Bezirke in die Entwicklung der evangelischen Kirche der vergangenen Jahre ein. Die Zahl der Pfarrstellen verringerte sich, die Zahl der Gemeindemitglieder auch. Im Kern gehe es mit der Fusion auch darum, „den Auftrag weiterhin gut erfüllen zu können, das Evangelium in Wort und Tat zu verkünden“. „Die Fusion fällt wie eine reife Frucht“, sagte Richter. Es sei nicht so, dass dies von jetzt auf nachher komme, sagte Aalens Dekan Ralf Drescher. Der Wandel in der Kirche habe schon in den 90er-Jahren begonnen. Nach seiner Wahrnehmung sei die Nachricht, die am Sonntag in allen evangelischen Gemeinden bekannt gegeben wurde, „undramatisch aufgenommen worden“.

„Man darf schon ein wenig wehmütig sein“, sagte hingegen Wolfgang Schmidt als Vorsitzender der Gmünder Bezirkssynode. Auch angesichts des Ansehens, das die Dekanin im Gmünder Raum genieße. Dennoch sei die Fusion sinnvoll. Kirchliche Arbeit und Engagement blieben so gut wie bisher, die Wege würden etwas weiter.

„Wir sind nicht Nordpol und Südpol“, sagte Heinz Schmidt, Vorsitzender der Bezirkssynode Aalen. Er verwies darauf, dass es das Gmünder Dekanat sei den 50er-Jahren gebe. Und dies nun eine Rückkehr zur ursprünglichen Situation sei. Man könne dies „entdramatisieren“, denn die Gemeindemitglieder würden das nicht merken. Und: „Wir brauchen keine Doppelstruktur, wenn eine einfache auch reicht.“ Hier widersprach Wolfgang Schmidt: Die Gemeindemitglieder würden schon merken, dass „wir keine Dekanin mehr haben, die predigt“. Wenngleich noch genügend Pfarrer da seien.

Weniger Gemeindemitglieder, weniger Pfarrer, weniger Dekane, ob dies der Rückwärtsgang in der Kirche sei? Er sehe das anders, sagte dazu Drescher. Es ginge darum, mit möglichst wenig Struktur die besten Voraussetzungen zu schaffen für den eigentlichen Auftrag der Kirche, die Verkündigung. Dabei nehme er wahr, dass sich Kirche verändere, sich von ihrer Stellung her nicht mehr in der Mitte der Gesellschaft befinde. „Der Wind, der uns entgegenbläst, ist schärfer geworden, wir müssen die Segel etwas anders setzen“, sagte dazu Drescher. „Wir resignieren nicht, wir agieren“, ergänzte Heinz Schmidt. Und die Kirche ziehe sich nicht aus dem ländlichen Raum zurück. Sie sehe bei ihren Visitationen in den Gemeinden viel Kreativität, gute Predigten und viel Qualität, sagte Richter. „Dennoch treten Leute aus der Kirche aus.“ Dies sei eine gesamtgesellschaftliche Entwicklung, dem Zeitgeist geschuldet, sagte Richter. Und ergänzte: „Wir lassen den Kopf nicht hängen, wir haben eine Hoffnung.“ Weiterhin sei es wichtig, Werte weiterzugeben. Zudem gebe es Überlegungen, Mitglieder zu binden, zum Beispiel durch Briefe der Kirche.

Ausblick auf den Pfarrstellenplan 2030

Nach dem Pfarrstellenplan 2030 der Landeskirche Württemberg sollen 28 Prozent der Pfarrstellen wegfallen. Allein für ein Dekanat Schwäbisch Gmünd würde dies vier bis fünf Stellen bedeuten.

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