Fast nichts geht mehr im Kreisimpfzentrum in Aalen

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Wo es am Sonntag und am Montagmorgen noch Warteschlangen gab mit Menschen, die gegen Corona geimpft werden sollen, herrscht nun fast gähnende Lehre.
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Weil der Impfstoff von AstraZeneca derzeit nicht gespritzt werden darf, gibt es dort nur noch Impfungen mit Biontech. Und das sind keine 100 am Tag.

Aalen

Ganz nah dran war Regina Allert aus Heubach. Für diesen Mittwoch hatte sie einen Termin im Aalener Kreisimpfzentrum (KIZ) angeboten bekommen. Um 17.12 Uhr sollte sie gegen Corona geimpft werden – mit dem Impfstoff von AstraZeneca. Weil sie am Dienstag ohnehin in Aalen zu tun hatte, hat sie dort nachgefragt, wie es ausschaut mit ihrem Termin – nachdem die Bundesregierung am Montagnachmittag einen Impfstopp von AstraZeneca verfügt hatte. Mit dem Impfen am Mittwoch, das werde nichts. Sie müsse sich um einen neuen Termin bemühen, habe man ihr gesagt, berichtet sie enttäuscht, als sie wieder aus dem Zentrum kommt. Dass die Behörden auf Nummer sicher gehen mit dem Impfstoff, dafür hat Allert Verständnis. Dass sie aber jetzt von neuem beginnen muss und keinen Ersatztermin erhält, das findet sie nicht gut.

Noch krasser war es für die vielen Menschen, die am Montagnachmittag wegen eines Termins im gut gebuchten Impfzentrum waren, zunächst auf den Wartebahnen, aufgeteilt nach den Impfstoffen, rechts diejenigen, die den Impfstoff von Biontech erhalten sollen, links diejenigen, denen AstraZeneca verimpft werden soll. Um 15.35 kam die Eilverfügung von Stuttgart ans Landratsamt. Von dort ging die Ansage an den ärztlichen Leiter des Kreisimpfzentrums, Peter Schmidt. Um 15.48 Uhr wurden die Impfungen mit AstraZeneca eingestellt – auch wenn die Leute schon den Oberarm freigemacht hatten und nur noch einen Pieks entfernt waren von der Impfung. Enttäuschte Wartende mussten beruhigt, die Entscheidung musste erklärt und verteidigt werden: "Das war nicht einfach für die Kolleginnen und die Kollegen, wenn sie angefleht werden ‘Gebt mir die Spritze, ich habe so lange gewartet'." Aber es sei nicht anders gegangen. "Wir mussten den Stecker ziehen, das war wirklich schwer", berichtet Schmidt.

Von Seiten des Landratsamtes werde derzeit alles getan, um die Menschen, deren Termin abgesagt werden muss, zu informieren, damit sie nicht unnötig nach Aalen fahren, sagt Susanne Dietterle, Sprecherin des Landratsamtes. Aber alle könne man nicht erreichen.

Bis einschließlich Montag sind Impfungen mit AstraZeneca ausgesetzt. Für das Kreisimpfzentrum bedeutet dies, dass 1350 Impftermine entfallen. Derzeit werden dort nur noch rund 70 Impfungen verabreicht. Dafür reicht der Biontech-Impfstoff, den das Impfzentrum am Tag zur Verfügung hat. Die Schichten hat Peter Schmidt entsprechend neu eingeteilt, Leute nach Hause geschickt. Man braucht nicht mehr so viele.

Dabei sei das Kreisimpfzentrum hervorragend aufgestellt, das Team hoch motiviert. "Wir könnten mittlerweile 2000 Menschen impfen am Tag", davon ist Schmidt überzeugt. Es fehle dazu nur eins: der Impfstoff. "Gebt uns eine Euro-Palette Biontech und wir impfen den ganzen Landkreis", sagt er. Schmidt ist aber auch überzeugt davon, dass es richtig war, den Impfstopp zu verfügen. Die Zweifel müssten ausgeräumt werden. "Wir hoffen stark, dass es am Donnerstag ein Signal gibt", dass AstraZeneca wieder verimpft werden kann. Bislang jedenfalls gebe es keine Hinweise darauf, dass jemand, der im Kreisimpfzentrum mit AstraZeneca geimpft wurde, entsprechende Nebenwirkungen gehabt hat, sagt Schmidt. Er räumt aber ein, dass das Impfzentrum nicht die Anlaufstelle für Impfbeschwerden sei, sondern Hausärzte oder Kliniken. Aber, so sagt er, man hätte es erfahren, wenn es zu einem dramatischen Ereignis infolge einer Impfung gekommen wäre.

Skeptisch ist Schmidt in Bezug auf die Aussage aus dem Sozialministerium, dass Termine umgebucht werden sollen für die Abarbeitung der Warteliste von Menschen über 80 Jahre. "Das kann man am Schreibtisch leicht so beschließen, aber auf der Umsetzungsebene sieht es anders aus", sagt er. Auch Dietterle spricht von einer "Herausforderung", diese Termine umzubuchen. Was sonst wichtig ist:

Gebt uns eine Palette Biontech-Impfstoff.

Peter Schmidt Ärztlicher Leiter im Kreisimpfzentrum

Impfungen: Bislang wurden im Kreisimpfzentrum rund 20 000 Impfungen verabreicht, Erst- und Zweitimpfungen zusammengenommen.

Mobile Impfteams: Nicht betroffen vom Impfstopp ist der Einsatz mobiler Impfteams am Donnerstag in Schwäbisch Gmünd und Waldstetten. Den dort werde nur Biontech-Impfstoff gespritzt, sagt Dietterle.

Gerüchte: Im Übrigen widerspricht Susanne Dietterle Gerüchten, im KIZ sei, etwa, weil es zu wenig Termine gegeben habe, nicht aller Impfstoff verabreicht worden. Es müssten aber Puffer gebildet werden, weil Lieferungen unterschiedlich groß seien. Sonst könnten zugesagte Termine nicht eingehalten werden.

Da liegt er, der Stoff, aus dem die Träume sind eines Lebens ohne Angst vor Corona sind: drei Spitzen mit Impfstoff von Biontech.
Peter Schmidt, ärztlicher Leiter im Kreisimpfzentrum.

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