Flüchtlinge aus der Ukraine Seit' an Seit' mit Neresheimer Mönchen

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Nina (l.) und Svitlana in der Hospiz-Küche, die extra umgebaut wurde, damit die Flüchtlinge auch selbst kochen können.
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Wie die sechs Benediktiner Mönche im Kloster Neresheim Flüchtlinge aus der Ukraine aufnehmen, wo und wie sie untergebracht sind. Das sagen die Initiatoren der Gemeinschaftsunterkunft.

Neresheim

Svitlana und Nina stehen in der Küche und kochen Mittagessen. Es ist keine gewöhnliche Küche, sondern die Küche des Klosterhospizes. Die beiden Frauen sind aus der Ukraine geflüchtet. Svitlana allein, Nina mit ihren beiden Kindern, die 16 und 20 Jahre alt sind. Nina und Svitlana sind unter den ersten 14 Flüchtlingen, die jetzt auf dem Areal des Benediktinerklosters eine Unterkunft gefunden haben. Wie es dazu gekommenen ist, erzählen die Initiatoren Landrat Dr. Joachim Bläse, Konventualprior Pater Albert Knebel und Neresheims Bürgermeister Thomas Häfele bei einem Gespräch im Gästehaus – dem Hospiz – des Klosters.

„Der Ostalbkreis hat seit beginn des Ukraine-Kriegs 2432 Flüchtlinge aufgenommen“, sagt Landrat Joachim Bläse und dankt dabei all jenen, die dazu beigetragen haben, diese Herausforderung zu meistern. An diesem Tag sind das vor allem der Klosterobere Pater Albert, stellvertretend für die Klostergemeinschaft, und Thomas Häfele, für die Kommune und ihrem Netzwerk, dessen Teil zahlreiche ehrenamtlich Engagierte sind.

„Für uns war es keine Frage, ob wir das machen“, betont Pater Albert und zitiert den Gründungstext der Benediktiner, in dem die Gastfreundschaft eine große Rolle spielt. So heißt es dort unter anderem: „Alle Gäste sollen wie Christus angenommen werden.“ Der Konventualprior spricht in diesem Zusammenhang vom Gästehaus und nicht vom Hospiz, wie viele diesen Teil des Klosters nennen. „Es ist ein Haus, in dem Gäste beherbergt werden. Und mit den Flüchtlingen sind wir mitten in unserem Auftrag und unserer Motivation“. So habe er, als Bürgermeister Häfele und Landrat Bläse um Hilfe gebeten hätten, ohne zu zögern bei Pater Gregor Hammes als zuständigen „Gastpater“ nachgefragt, ob die Zimmer bezugsfertig seien. „Wir haben seit Ende November das Gästehaus geschlossen“, erläutert der Konventualprior. Glücklicherweise habe es zu diesem Zeitpunkt keine anderen vertraglichen Verpflichtungen gegeben.

Sechs Mönche und eine Aufgabe

An dieser Stelle stellt sich die Frage: Können sechs Mönche eine solche Aufgabe meistern? „Es wird uns alles abgenommen“, erklärt der Klosterobere mit Blick auf die Vorbereitungen durch den Landkreis und die Kommune. „Die Menschen sind uns willkommen, sie sind unserer Sorge anvertraut“, hebt Pater Albert hervor. Hautfarbe und Religion spielten keine Rolle. Man habe auch überlegt, orthodoxe Gottesdienste zu feiern. „Wir legen nun zu unseren Gottesdiensten den Ablauf in Deutsch und Ukrainisch aus, die Texte zur Bibellesung der Messe gibt es auf Deutsch, Französisch, Englisch und Ukrainisch.“

Bürgermeister Thomas Häfele berichtet von großer Hilfsbereitschaft unter den Neresheimer Bürgerinnen und Bürgern, von einem schnell entstandenen Netzwerk und 5000 Euro Spenden von Vereinen und Organisationen. Der Schultes dankt aber auch dem Konvent für die Unterstützung.

Die Fakten erläutern Andrea Daniel, zuständig für Integration und Versorgung beim Landkreis, und Wohnheimleiterin Petra Schaff. Sie sprechen von 39 Ein- und Zweibettzimmer sowie von einem Familienapartment, von 65 Gästen, die im Kloster problemlos unterkommen und von einer Gemeinschaftsunterkunft, die einem Hotel gleiche.

Nina, Svitlana und ihre Situation

Svitlana und Nina sind froh, im Kloster untergekommen zu sein. „Nach langem konnte ich endlich wieder einmal durchschlafen“, sagt Nina – und Sozialarbeiter Alex Berdalin übersetzt. Hier sei ein Ort der Ruhe. Die beiden Frauen sind dankbar, dafür, dass sie hier so herzlich aufgenommen wurden und auch dafür, dass sie per Handy kostenlos nach Hause telefonieren können. Sie spreche jeden Tag mit ihren Eltern und frage, wie es ihnen geht, sagt Nina.

Mehr Bilder gibt es online unter www.tagespost.de und www.schwaepo.de

Eines der 39 Gästezimmer
Bürgermeister Thomas Häfele(v.l.), Konventualprior Pater Albert Knebel und Landrat Dr. Joachim Bläse in einem Zweibettzimmer des Gästehauses.
Bürgermeister Thomas Häfele, Petra Schaff, Konventualprior Pater Albert und Landrat Dr. Joachim Bläse in einem der Gästezimmer.
Bürgermeister Thomas Häfele (v.l.), Landrat Dr. Joachim Bläse, Andrea Daniel vom Geschäftsbereich Integration und Versorgung beim Landeratsamt, und Wohnheimleiterin Petra Schaff in der Küche des Gästehauses.
Kloster Neresheim im Frühjahr
Das Gästehaus - auch Hospiz genannt.
Das Gästehaus des Klosters
Der Wegweiser auf Ukrainisch

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