Flüchtlinge aus der Ukraine: So ist die Lage in der Ellwanger LEA

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In der LEA Ellwangen sind die ersten Flüchtlinge aus der Ukraine angekommen.
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Die Menschen, die in der LEA ankommen, bleiben in der Regel nur kurz.

Ellwangen. Es ist Tag 11 des Krieges in der Ukraine. Die Vereinten Nationen gehen davon aus, dass bereits 1,5 Millionen aus dem Land geflohen sind – das macht sich auch im Ostalbkreis bemerkbar. Auf dem Parkplatz der Landeserstaufnahmestelle (LEA) in Ellwangen stehen Autos mit ukrainischen Kennzeichen, an der Pforte melden sich Familien an. 

"Wir haben jetzt tagelang zu acht in einer Drei-Zimmer-Wohnung gelebt." 

Peter Hildebrandt

Helfer

Einer, der hilft, ist Peter Hildebrandt – er lebt schon lange in Deutschland und hat bei sich und seiner Frau eine fünfköpfige Familie aufgenommen. Über entfernte Bekannte sei die Familie bei dem älteren Ehepaar, das eigentlich in Besigheim im Landkreis Ludwigsburg wohnt, gelandet. „Wir wussten nicht, an wen wir uns wenden sollten“, sagt Hildebrandt, „wir haben jetzt tagelang zu acht in einer Drei-Zimmer-Wohnung gelebt.“ Über Umwege habe er von der LEA erfahren und die Familie aus der Stadt Bela Zerkwa, die ungefähr 80 Kilometer südlich von Kiew liegt, in Ellwangen untergebracht. 

Kein Einzelfall, wie Berthold Weiß, Leiter der Einrichtung, erzählt: „Aktuell kommen die Menschen, weil sich herumspricht, dass die LEA eine erste Anlaufstelle ist. Viele denken, dass sie erst hierherkommen müssen, um sich registrieren zu lassen." Das sei aufgrund der derzeitigen Regelungen allerdings nicht nötig.

Um die Aufnahmekapazitäten der LEA macht sich Weiß derweil keine Sorgen. „Wir haben aktuell etwa 550 Flüchtlinge hier, 190 davon aus der Ukraine.“ So viele Menschen einer Nation seien zwar in so kurzer Zeit schon lange nicht mehr angekommen. Aber: „Viele von ihnen verlassen uns auch wieder schnell, um bei Verwandten oder Freunden unterzukommen.“ Zudem sei das Team krisenerprobt –im Jahr 2015 hätten bis zu 4800 Geflohene in der Aufnahmestelle versorgt werden müssen.

Vor allem Dolmetscher werden derzeit allerdings noch benötigt. Trotzdem sei die Versorgung der ankommenden Menschen gewährleistet – diese sei auch wichtig und notwendig. „Wir hatten hier eine Frau, die eigentlich dreimal pro Woche eine Dialyse benötigt, da war es nach vier Tagen auf der Flucht wirklich höchste Eisenbahn“, berichtet der LEA-Leiter. Auch psychologische Hilfe stehe den Menschen zur Verfügung.

Zuweisungen vom Land

Denn alleine am Sonntagabend hat die Firma Grötzinger Omnibus aus Bartholomä spontan über hundert Menschen aus der Ukraine in die LEA gebracht – in enger Zusammenarbeit mit dem Ostalbkreis. Mittelfristig erwarte man vom Land Zuweisungen von Geflüchteten, so Susanne Dietterle, Sprecherin des Landratsamts. Zurzeit werden aber Infos an die Gemeinden zur Aufnahme der Flüchtlinge ausgegeben.

Zudem sollen Formulare zu Aufnahmeanträgen vereinfacht werden. "Die Menschen erfahren hier auch Unterstützung im Rahmen des Asylbewerberleistungsgesetzes." Bedeutet etwa: Hilfe zum Lebensunterhalt, Krankenhilfeleistungen oder Mietkosten. 

Auch wenn es gerade gut laufe, so Ellwangens Presseleiter Dr. Anselm Grupp, werde Wohnraum benötigt. Ein entsprechender Appell des Oberbürgermeisters solle folgen, zudem wurde eine Arbeitsgruppe gegründet. 

Kurz vor der Pforte der LEA steht an diesem Tag eine Gruppe von Frauen und Kindern. Sie haben augenscheinlich eine Frage, Englisch sprechen können sie aber nicht. Per Telefon wird gedolmetscht – es stellt sich heraus, dass die Gruppe mit dem Zug nach Berlin reisen möchte. Der DB-Fahrplan wird herausgeholt. Die Sprachbarriere ist groß, aber ein bisschen Deutsch können sie schon. "Dankeschön", rufen sie, mit ihren Koffern in der Hand. 

„Die meisten wollen erstmal wissen, wie es mit ihnen weitergeht.“ Auch dabei hilft das Personal den Geflüchteten. In diesem Zusammenhang dankt Berthold Weiß auch dem Landkreis. „Ich bin sehr zuversichtlich, wenn ich sehe, was der Landkreis in so kurzer Zeit auf die Beine gestellt hat.“

Der Krieg in der Ukraine

  • Am 24. startete Russland den Krieg gegen die Ukraine. In der Ost-Ukraine kämpfen die Soldaten des Landes breits seit gut acht Jahren gegen die sogenannten Separatisten. Den Einmarsch in das Land legitimiert die russische Regierung damit, dass die Ukraine einen Genozid an den russisch-stämmigen Bürgerinnen und Bürgern der Ukraine verübt. 
Berthold Weiß, Leiter der Flüchtlingsaufnahmestelle in Ellwangen, erläutert die aktuelle Situation.
Eine Gruppe von Frauen und Kindern macht sich aus Ellwangen auf den Weg nach Berlin.

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