Flüchtlingshilfe und die Pandemie im Ostalbkreis

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Ein ukrainisches Mädchen ist in Polen angekommen. Experten rechnen mit acht Millionen Flüchtlingen aus dem Kriegsgebiet. Nimmt Deutschland eine Million Flüchtlinge auf, rechnet die Ostalb mit über 4000 Menschen, die Hilfe brauchen.
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Die Kreisverwaltung ist gefordert: Der Zustrom von Flüchtlingen aus der Ukraine hält an. Hinzu kommt: 15 Prozent der Klinikbelegschaft ist krank, weshalb Operationen verschoben werden.

Aalen

Der Krieg in der Ukraine und damit der Zustrom von Flüchtlingen in den Ostalbkreis und die weiter sehr hohe Corona-Inzidenz – Landrat Dr. Joachim Bläse und seine Kreisverwaltung sind gefordert, wie nie. Im Kreisausschuss für Finanzen informierte Bläse über die aktuelle Lage.

1050 Ukrainer sind da

Stand vergangenen Freitag hätten 1050 Menschen aus der Ukraine eine sichere Bleibe im Landkreis gefunden, sagte Bläse. Die wenigsten davon seien über die LEA gekommen. Ukrainer seien Europäer und anders als bei der Flüchtlingswelle 2015 hätten diese Menschen bestehende Netzwerke in Deutschland. Sie hätten Angehörige, Freunde, sie seien willens, ihre Lage eigenständig zu verbessern, und kämen nicht unmittelbar sofort zu den Verwaltungen, erklärte der Landrat. Sehr viele Ukrainer seien bei Privatleuten untergekommen. Dafür dankte Bläse denen, die diese Menschen aufgenommen haben, und er dankte auch allen Kommunen im Kreis, die mithelfen, die Lage der Flüchtlinge rasch zu verbessern.

Viele Ukrainer haben Netzwerke

Anders als 2015, als die Fluchtwelle quasi staatlich organisiert worden war, falle es nun schwerer, exakte Flüchtlingszahlen zu ermitteln, diese abzuschätzen und vorauszuplanen. „Allein eine Privatinitiative aus dem Ostalbkreis hat 135 Menschen aus dem Krisengebiet geholt. Auf dem Weg zurück in den Landkreis ließen sich viele bei Freunden oder Verwandten absetzen. So ging das, erst waren es noch 90, dann 80, am Ende trafen noch zwölf in der LEA in Ellwangen ein“, schilderte der Landrat ein Beispiel.

Er appellierte an alle Geflohenen, die sich im Ostalbkreis aufhalten, sich bei den Ausländerbehörden oder Einwohnermeldeämtern zu melden, damit sie ihre Ansprüche auf Unterstützung erhielten. „Leistungsversorgung, Arztversorgung, Schule, Kitas – wir und die Kommunen organisieren das“, versprach Bläse. Die Kreis-Geschäftsbereiche Sozialhilfe und Job-Center seien hier wieder „sehr stark involviert“. Pandemie und nun die Flüchtlingswelle bringe die Kreisverwaltung erneut „personell an die Grenzen“, dennoch werde man alles Nötige tun. Bläse bat jedoch um Verständnis dafür, wenn es angesichts der Aufgaben und der Personalnot bisweilen zu zeitlichen Verzögerungen komme.

Kein Ende in Sicht

Ein Ende des Flüchtlingsstroms sei so schnell nicht zu erwarten, meint Bläse. Die Ukraine sei willens, sich und ihre Demokratie zu verteidigen, der Krieg könne noch lange dauern und damit die Flüchtlingswelle. Um schnell und effizient reagieren zu können, hat der Landkreis als Untere Katastrophenschutzbehörde die „Außergewöhnliche Einsatzlage“ festgestellt. So könne man schnell und unbürokratisch auf freiwillige Helfer zurückgreifen und es sei dafür gesorgt, dass diese für ihre Hilfe auch bezahlt würden, erklärte Bläse.

Wohnungen statt Turnhallen

Es sei Ziel des Landkreises, dass die Menschen hier willkommen geheißen werden, und dass die LEA nicht überlaufe. Rasch hätten Landkreis und Kommunen daher vorläufige Unterkünfte geschaffen. „Wir wollen keine Turnhallen umfunktionieren“, sagte Bläse. Die Menschen sollen baldmöglichst in Wohnungen unterkommen, sagte er.

Aktuell verfüge der Landkreis über 300 bis 400 Plätze für Geflüchtete und die Kommunen zusammen über rund 300 Plätze. „Treffen drei, vier Busse mit Flüchtlingen überraschend hier ein, brauchen wir diese Notfallunterkünfte dringend“, so Bläse.

Über 4000 Flüchtlinge?

Experten gingen derzeit von acht Millionen Flüchtlingen aus der Ukraine aus, eine Million davon könnte nach Deutschland kommen. Baden-Württemberg sollte 13 Prozent von ihnen aufnehmen und der Ostalbkreis davon 3,17 Prozent, so der Schlüssel.

„Bei einer Million Flüchtlingen kämen 130.000 Menschen nach Baden-Württemberg und damit etwa 4200 Menschen in den Ostalbkreis. Das bedeutet 1000 Menschen in Aalen und 1000 in Gmünd“, rechnete Thilo Rentschler (SPD) vor. „Kommen zwei Millionen Flüchtlinge, verdoppeln sich auch bei uns diese Zahlen. Daher ist es gut, dass wir jetzt Vorsorge treffen“, sagte Rentschler und versicherte dem Landrat die volle Unterstützung der SPD bei der Bewältigung dieser Herausforderungen. Dass der Landkreis an Turnhallen vorbeikommt, glaubt er aber nicht.

Pandemie schüttelt Kliniken

Auch in Sachen Corona musste Landrat Dr. Bläse schlechte Neuigkeiten verkünden. Die Inzidenz im Ostalbkreis liege weiterhin sehr hoch. Zum Glück seien wenig Tote zu beklagen und auch schwere Erkrankungen bei den vulnerablen Gruppen gebe es nur sehr wenig. Hier zeige die Impfkampagne Wirkung.

Jedoch gebe es aktuell viele Erkrankte innerhalb des Klinikpersonals. Etwa 15 Prozent der Belegschaft sei davon betroffen. Dies sei der Grund, weshalb die Kreiskliniken auch im März wieder viele Operationen verschieben mussten. Das sei schlimm für die Betroffenen und überdies fehlten den Kliniken dadurch wichtige Einnahmen. Die Versorgung an den Kliniken sei aber gewährleistet.

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