Führt die Impfpflicht in die Pflegekrise?

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Schönbornhaus
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DRK-Kreisgeschäftsführer Matthias Wagner warnt im Stiftungsausschuss vor extremem Personalnotstand als Folge der Impfpflicht.

Ellwangen/Aalen. Die Impfquote beim Personal in den Senioren- und Pflegeheimen des Ostalbkreises und die bevorstehende Impfpflicht für Pflegekräfte treibt den Verantwortlichen die Sorgenfalten auf die Stirn. Im Stiftungsausschuss des Kreistages waren die Zahlen für das Ellwanger Seniorenstift Schönbornhaus Anlass für eine längere Diskussion.

Im Schönbornhaus haben 66 Prozent der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vollen Impfschutz, während 82 Prozent der Bewohnerinnen und Bewohner geimpft sind.

Wie der Leiter des Hauses, Jörg Pöhler, berichtet, hätten sich in den letzten Tagen vereinzelt ungeimpfte Pflegekräfte entschlossen, sich doch noch impfen zu lassen. Die Situation bessere sich also, auch weil vonseiten der Hausleitung unablässig Gespräche gesucht und Angebote gemacht würden. Trotzdem sei diese Situation, vor dem Hintergrund der bevorstehenden Impfpflicht, ein gewaltiges Problem.

"Das Thema beschäftige das DRK brutal", sagte der Kreisgeschäftsführer Matthias Wagner. Die Impfquote unter den Beschäftigten sei in den Häusern sehr unterschiedlich: "Das ist stark abhängig davon, wer Wortführer unter den Ungeimpften ist." Es gebe auch Heime mit einer Impfquote von 99 Prozent. Die Befürchtung, dass ungeimpfte Beschäftigte auch die Impfquote der Bewohnerschaft drücken, teilte er nicht: "Es sind in der Regel die Angehörigen, die darauf entscheidenden Einfluss haben."

Die Impfpflicht werde die Pflege aber mit aller Macht treffen. Wagner: "Weil wir ab 16. März Ungeimpfte nicht mehr beschäftigen dürfen." Das DRK sei schon jetzt in einen gestuften Dialog mit den ungeimpften Mitarbeitern eingetreten, um bis dahin noch eine Immunisierung zu erreichen. In Einzelgesprächen versuche man die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zum Umdenken zu bewegen. wenn dies nicht gelingt, drohe die Schließung von ganzen Stationen. Wagner: "Wenn ein Drittel der Belegschaft nicht geimpft ist, müssten wir ein Drittel der Bewohner nach Hause schicken."

Fehlendes Personal mit externen Dienstleistern aufzufangen, sei nur begrenzt möglich, weil Externe deutlich höhere Kosten verursachen und weil auch die Zeitarbeitsfirmen das Problem mit der Impfpflicht umtreiben wird. Wie Wagner berichtet, sorge der Einsatz von Dienstleistern auch immer wieder für Unfrieden in der Belegschaft, weil dann Aufgaben und Pflichten mitunter ungleich verteilt seien. wagner: "Bei den externen Dienstleistern arbeiten viele 'Rosinenpicker', die zum Beispiel keine Wochenenddienste und keine Nachtdienste machen, oder keine Dokumentation machen wollen. Wenn die dann auch noch mehr Geld bekommen, als unsere Beschäftigten, brauchen wir uns nicht wundern, wenn die Leute nach der Ausbildung direkt zur Zeitarbeitsfirma wechseln."

Landrat Dr. Joachim Bläse sprach sich in dem Zusammenhang für die allgemeine Impfpflicht aus, nicht nur für bestimmte Berufsgruppen. Möglicherweise werde man sogar ab März eine höhere Arbeitslosenquote sehen, wenn Impfgegner nicht mehr in ihren Berufen arbeiten dürfen.

  • Positiver Jahresabschluss 2020 im Schönbornhaus
  • Wie Kreiskämmerer Karl Kurz darlegte, hat die Hospitalstiftung das Jahr 2020 trotz der Belastungen durch die Pandemie mit einem positiven Ergebnis abgeschlossen. 239 000 Euro blieben als Jahresüberschuss und werden der Gewinnrücklage zugeführt. Ein Plus gab es bei der Vermietung der Seniorenwohnungen (27 000 Euro) und bei den stationären Pflegedienstleistungen, wo sich die staatliche Ausgleichszahlung von 97 000 Euro positiv ausgewirkt. Die Erlöse aus der Verpachtung von Flächen für Windkraftnutzung (140 000 Euro) lagen 30 000 Euro über Plan und hätten sich zu einer wichtigen und verlässlichen Einnahme für die Hospitalstiftung entwickelt. Im Wirtschaftsplan für 2022 wird mit einem Überschuss von 163 000 Euro kalkuliert, bei einer Belegung von 104 Bewohnern im Schönbornhaus. gek
Blick auf das Schönbornhaus: Rund 66 Prozent der Belegschaft sind bislang geimpft, eine Gefahr für den Betrieb des Hauses, wenn ab 16. März die Impfpflicht gilt.

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