Für junge Leute wird der ÖPNV billiger

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Schülerbeförderung im Ostalbkreis.
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Ab 1. März 2023 gilt das „Jugendticket BW“ für 365 Euro pro Jahr. Die Preisgestaltung des Kreises bei der Schülerbeförderung ist damit dahin, Mehrkosten programmiert. Froh sind dennoch alle.

Aalen

Der ÖPNV wird für junge Menschen günstiger. Ab 1. März 2023 gilt landesweit das „Jugendticket BW“ für 365 Euro pro Jahr. Es wird das „Ostalb-Abo“ für Vollzeitschülerinnen und -schüler, die Schulwegsicherheitskarten, die Auszubildenden-Abos und teilweise auch die Semestertickets ersetzen. Zur Einführung wird der Vertrieb beim Verbund OstalbMobil zentralisiert und die Digitalisierung nun umgesetzt. „Diese Neuerung radiert unser bestehendes Abo-Preissystem aus“, sagte Verkehrsdezernent Thomas Wagenblast im Kreistag.

Weil das Ticket nicht kostendeckend ist, springen Land und Kreis ein. Den Abmangel trägt zu 70 Prozent das Land, für 30 Prozent kommt der Landkreis auf. Das Land fördert das Vorhaben langfristig mit zunächst 100 Millionen Euro im Jahr, auf den Kreis entfällt ein Anteil von etwa vier Millionen Euro pro Jahr.

Das Gros der knapp 20.000 „Fahrschülerinnen und Fahrschüler“ im Kreis wird künftig mit dem „Jugendticket BW“ unterwegs sein. Der derzeitige Regel-Eigenanteil beträgt im Jahr 460 Euro. Der neue Preis von 365 Euro pro Jahr wird über die OstalbMobil GmbH in elf Monatsraten zu 33,20 Euro abgebucht. Die Schülerbeförderungskostenerstattung (SBKS) wird diese Änderung berücksichtigen.

Bayern fahren gratis

Aus Bayern pendeln etwa 320 Schülerinnen und Schüler in den östlichen Landkreis ein und stärken so die Schulstandorte Bopfingen (44), Ellwangen (91), Neresheim (65), Unterschneidheim (82), Aalen (38) und auch die beruflichen Schulen. Der Landeszuschuss ist aber auf Baden-Württemberg beschränkt, weshalb hier der Ostalbkreis komplett einspringt. Dies kostet rund 70.000 Euro pro Jahr. Mit Blick auf die Sachkostenbeiträge von 1652 Euro pro Jahr für berufliche Vollzeitschülerinnen und -schüler (50) seien diese Kosten für den Landkreis aber quasi „gegenfinanziert“, so Wagenblast.

„3.-Kind-Regelung“ gilt weiterhin

Kinder, die mindestens zwei Geschwister haben, die Inhaber eines selbstbezahlten „Jugendtickets BW“ sind, fallen unter die „3.-Kind-Regelung“ und bleiben weiterhin, ebenso wie Anspruchsberechtigte aus dem Bildungs- und Teilhabepaket, von weiteren Zahlungen befreit. Dieser Personenkreis erhält ein kostenloses „Jugendticket BW“. Die Prüfung und Entscheidung darüber trifft das Landratsamt.

Als einer von wenigen Kreisen im Land verlangt der Ostalbkreis derzeit keinen Eigenanteil für Grundschülerinnen und Grundschüler. Heidenheim fordert einen reduzierten Anteil von 26 Euro pro Monat, Esslingen gar den regulären Anteil von 43,20 Euro/Monat. Dementsprechend werden Grundschülerinnen und Grundschüler dort etwa in den VVS-Verbundlandkreisen für das „Jugendticket BW“ ab März 2023 künftig auch 365 Euro/Jahr zahlen, nannte Wagenblast Beispiele.

Halber Preis für Grundschüler

Für den Ostalbkreis schlug die Verwaltung vor, dass die rund 1.400 Grundschülerinnen und Grundschüler mit Ostalb-Abo und die etwa 100 mit Schulwegkarte künftig auch das „Jugendticket BW“ erhalten. Im Gegenzug sollen alle anderen Grundschüler den halben Abgabepreis, also 182,50 Euro pro Jahr bezahlen. So sollen Mitnahmeeffekte vermieden werden, da ansonsten alle etwa 10.500 Grundschulkinder im Kreis ein „Jugendticket BW“ auf volle Rechnung des Ostalbkreises beziehen könnten. Dieser Fall sei zwar unwahrscheinlich, aber im Extremfall drohten dem Kreis Zusatzkosten von bis zu 3,8 Millionen Euro pro Jahr, erklärte Wagenblast.

Die bislang sehr aufwendige Prüfung von Mindestentfernungen („Drei-Kilometer-Regelung“) könne entfallen und das Problem der „gefühlten“ Ungleichbehandlung (knapp unter oder über drei Kilometer) lösen.

Regel für beeinträchtigte Kinder

Kinder und Jugendliche mit dem Bedarf auf Sonderbeförderung zahlen derzeit den Regel-Eigenanteil von 460 Euro pro Jahr. Da es sich hier um eine aufwendig organisierte und ganz speziell auf die räumlichen und zeitlichen Bedürfnisse der Kinder zugeschnitten Wohnort-/Zielortbeförderung handele, schlug die Verwaltung vor, den Eigenanteil beizubehalten.

Im Sinne des weit gefassten Inklusionsgedankens wurde aber vorgeschlagen, den Erwerb des „Jugendtickets BW“ zum regulären Abgabepreis (365 Euro/Jahr) zu ermöglichen. Dies könnte einen Anreiz setzen, die Beförderung im Regel-ÖPNV der sehr teuren Sonderbeförderung vorzuziehen.

Es besteht ergänzend die Möglichkeit, zusätzlich zur Beförderung im freigestellten Schülerverkehr, ein „Jugendticket BW“ ohne zusätzliche Kosten für den Antragssteller zu erhalten. Somit könnten beeinträchtigte Kinder für den Regeleigenanteil von 460 Euro/Jahr sowohl den Sonderschulverkehr, als auch den ÖPNV nutzen. Das Antragsverfahren läuft über das Landratsamt. Es wird mit einer Fallzahl von 100 Interessenten gerechnet. Kosten würde das den Kreis rund 36.500 Euro pro Jahr.

Schülerinnen und Schüler der Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren der Klassen 1 bis 4 erhalten das Jugendticket zum halben Abgabepreis.

Die Fraktionen sind zufrieden

Alle Fraktionen begrüßten die Initiative. Bei zwei Enthaltungen beschloss das Gremium den Verwaltungsvorschlag rundum. Der Kreistag hat die Verwaltung auch damit beauftragt, gemeinsam mit dem Verbund OstalbMobil, die fristgerechte Antragsstellung zum Förderprogramm „JugendTicket BW“ vorzunehmen. Der Antrag muss bis 30. November 2022 gestellt sein.

Für die CDU sagte Nikolaus Ebert: „Dieses Ticket räumt alle anderen ab. Fahrtzonengrenzen gibt es nicht mehr. Das wollten wir doch schon immer. Dieses Ticket wird gelingen.“ Gut sei auch der digitale Vertrieb. „Da sind die jungen Leute doch zu Hause.“

Gabriele Ceferino (Grüne) sagte, es sei gut, sich wegen möglicher Mitnahmeeffekte abzusichern, denn die könnten groß sein. Die vorgelegte Regelung sei zu begrüßen.

Kurz machte es Dr. Carola Merk-Rudolph (SPD): „Wir freuen uns“. Ihr Parteikollege Mario Capezutto ergänzte: „Und nun brauchen wir das 365-Euro-Seniorenticket“.

Dr. Frank Gläser (AFD) findet, dass der „Transport zur und von der Schule grundsätzlich gratis ein sollte“. Doch dafür sei finanziell wohl kein Raum, weshalb seine Fraktion zustimme.

Roland Hamm (Linke) freute sich, „über die Lernkurve des Kreistages, der vor zwei Jahren noch diesen, nämlich unseren Vorschlag abgelehnt hat, und nun zustimmt.“ Auch der neue Jugendgemeinderat in Aalen sei von den Linken angestoßen worden, auch hier habe es gedauert. „Wenn es mit unserem Vorschlag 365-Euro-Seniorenticket auch zwei Jahre dauert, dann wäre ich zufrieden“, endete er.

Flexible Kosten - je mehr fahren, desto billiger wird es

Klar ist bereits jetzt, je mehr das Jugendticket nutzen, umso günstiger wird es für den Landkreis.

Laut einer Schätzung kostet die Schülerbeförderung 5,79 Millionen Euro, wenn sich durch das neue Ticket keine gesteigerte Nachfrage ergibt. Das Land müsste dann rund 4,05 Millionen Euro, der Ostalbkreis rund 1,74 Millionen Euro aufbringen.

Ergibt sich eine Nachfragesteigerung von zehn Prozent, sinken die Gesamtkosten auf 5,4 Millionen Euro und der Anteil des Ostalbkreises auf 1,62 Millionen Euro.

Bei 30 Prozent mehr Nachfrage fallen die geschätzten Gesamtkosten auf 4,29 Millionen Euro und der Anteil für den Landkreis auf 1,29 Millionen Euro.  ⋌mas

Schülerbeförderung im Ostalbkreis.

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