Gaumenfreuden im Wohnzimmer

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Wolfgang Scherer ist der "Genusswolf": Hobbykoch und Gastgeber mit Leidenschaft.
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Wolfgang Scherer serviert als „Genusswolf“ feines Essen im eigenen Zuhause. Sein „Private Supper Club“ verspricht eine neue Art der Gastlichkeit.

Ellwangen-Rattstadt

Außen ein altes Bauernhaus, modern ausgebaut. Im großen Wohn- und Esszimmer mit offener Küche steht Wolfgang Scherer, zeigt auf die stilvoll gedeckte Tafel: „Fühlt euch wie Zuhause. Was wollt ihr trinken?“

Willkommen beim „Genusswolf“, der heute Spaghetti aus dem Parmesanlaib serviert. So jedenfalls versprach er auf der Internetseite www.genusswolf.de, über die man sich zu diesem Abendessen anmelden konnte. Ab und zu finden 14 Personen kann Scherer bewirten. Er kocht aber auch für weniger, denn: „Mir macht das Kochen einfach Spaß. Und in Gesellschaft ist es schöner als allein.“

Bei einem guten Pils oder einem Glas Prosecco erzählt der Gastgeber, was ihn auf die Idee brachte, in Ellwangen einen „Private Supper Club“ zu gründen. „Ich lebte lange in München, da ist das längst ein richtiger Trend. Praktisch in allen größeren Städten und vor allem im Ausland findet man diese Angebote. Und weil ich hier genug Platz dafür habe, dachte ich: ich probiere es einfach mal.“

Die Liebe zum Kochen hat Wolfgang Scherer in der Studienzeit entdeckt. Erst waren es einfache Rezepte für schnelle Küche, heute orientiert er sich an Vorschlägen von Sterneköchen. Zum Beispiel am Rigatoni al Curry von Christian Jürgens. „Ich liebe nach wie vor die Einfachheit beim Kochen, verwende Kräuter und Zutaten frisch, würze gern mit Chilli. Das muss man wissen, beim Genusswolf ist das gesetzt.“

Wir naschen von der Vorspeise, die Scherer uns serviert hat, während er die Spaghetti vorbereitet: eine Schale mit Canapes, verschiedenes Brot mit Sardellen, mit Käse-Kräuter und Chilli-Tomaten-Chutney belegt. Die Häppchen sind lecker, würzig, aber nicht zu scharf. „Die Sardellen habe ich aus Italien mitgebracht“, erzählt uns der „Genusswolf“, der die Küche im Süden besonders liebt und dort auch viele Zutaten ordert. Olivenöl aus Griechenland, Kreta, zum Beispiel, im Fünf-Liter-Kanister.

Wer möchte, kann nach dem Aperitiv auf Wein umsteigen. Wolfgang Scherer empfiehlt einen spanischen Rioja, hat aber auch andere zur Auswahl. „Und wenn jemand seinen eigenen Wein mitbringen will, ist das für mich auch ok.“

Mittlerweile sind die Spaghettis fertig. In einer großen Pfanne hat der Gastgeber Tomaten, Knoblauch, Kräuter erhitzt, im Parmesanlaib etwas Käse gelöst und mit Grappa und Gasflamme erhitzt. Nun kommen die Nudeln zuerst in die Pfanne, dann in den Laib und dann in den Teller. Etwas Rucola dazu, fertig. „Lasst es euch schmecken.“

Nach den ersten Bissen, fangen die Gesichter der Gäste an zu strahlen: diese Pasta ist würzig, fruchtig, herrlich. „Das ist die italienische Küche“, sagt Scherer, „ein ganz simples Gericht, schmeckt aber einfach klasse.“

Beim Essen, der Gastgeber isst selbstverständlich mit, erzählt Wolfgang Scherer, wie er Geburtstage bekocht, welche Fleischgerichte er am liebsten mag (Rinderschulter aus dem Römertopf), dass er auch veganes Kochen ausprobiert und warum er beim Kochen keine Handschuhe trägt: „Ich koche so, wie ich auch für mich selbst kochen würde. Ich will mich nicht verbiegen. Bei mir ist der Gast nicht König, sondern Gast.“

Die Spaghetti sind weg, für jeden gab es auch noch eine zweite Portion. Wir stießen mit einem feinen Birnenschnaps an und jetzt bringt uns Wolfgang Scherer noch ein Dessert: Rosmarinpudding. Was erst einmal wie eine ungewöhnliche Kombination klingt, entpuppt sich auf der Zunge als wahre Entdeckung: der cremig, sahnig-süße Pudding und das Rosmarinaroma sind eine perfekte Kombination, dem das Topping aus Blaubeermus noch eine fruchtige Note hinzufügt. Wolfgang Scherer gibt die Kurzform des Rezeptes wieder: „Sahne und Milch mit einem Rosmarinzweig aufkochen, abbinden, abschmecken, fertig.“

Ein kulinarisch und gesellschaftlich perfekter Abend geht zu Ende und wenn im Restaurant der Kellner mit der Rechnung kommt verweist Scherer auf das Genusswolf-Prinzip. „Ich bin dankbar für eine Spende. Eine Rechnung gibt es nicht.“

Über den Genusswolf

Wer sich für die Aktivitäten des Private Supper Clubs interessiert findet unter www.genusswolf.de eine Auswahl von Menüs und Terminen. Auch Essen in Kombination mit Workshops, etwa mit der Floristin Alexandra Veit, sind möglich. Und wenn fremde Köche ihre Highlights in Scherers Küche vorführen wollen: Auch dafür ist der Genusswolf offen. Am 1. April 2023 kommt Frank Rosin.

Stilvoll gedeckter Tisch in den privaten Räumen des "Genusswolf".
Der Parmesan wird mit der Gasflamme erhitzt, damit er sich besser mit den Spaghetti verbindet.
Starke Kombination: Pudding mit Rosmarin.
Spaghetti im Parmesanlaib: lecker

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