Geistliches Wort zum Tag der Arbeit

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Entdecken wir den
gemeinsamen Weg?

Menschen wollen eigentlich beisammen bleiben. „Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei“. So sagt es Gott mit Recht (1.Mose 2,18). Trotzdem kommt es unter uns Menschen zu Trennung oder Spaltung. Gerade in dieser Pandemiezeit ist das an vielen Stellen zu beobachten.
Es geschieht meist zunächst so unabsichtlich wie mir bei einer Reise. Mein Onkel aus Milwaukee fuhr im Mietwagen vor mir. Die gemeinsame Route war fest ausgemacht. Plötzlich bog er in Friedrichshafen in die Stadt ab, und ich fuhr auf der Bundesstraße weiter. 1986 waren wir ohne Handy oder Smartphone unterwegs. Wie sollten wir uns wieder finden?
In den folgenden Minuten hielt ich mir vor: Hätte ich bloß genauer beobachtet, wohin er steuerte! Wäre ich ihm doch nachgefahren, auch auf dem zunächst falschen Weg!
Merken wir als Gesellschaft gerade nicht, wie manche längst woanders hin abbiegen? Wäre ein gemeinsamer Umweg manchmal besser, als stur auf der „richtigen“ Route zu bleiben?
Nun also waren wir getrennt, weil jeder seinem „richtigen“ Weg folgte. Direkt auf der Umgehung kam ein Stau dazu. War's das mit der gemeinsamen Tour? Kommen wir erst am Ziel zusammen?
Es ging langsam voran. Aber als ich mich der Einmündung am Ende der Stadt näherte – da bog mein Onkel geradewegs vor mir ein. Was für eine Erleichterung! Er hatte den gemeinsamen Weg wieder gesucht und gefunden.
Genau das könnte uns in unserer Gesellschaft helfen: den gemeinsamen Weg wieder suchen. Miteinander den Weg suchen und ihm folgen, den Gott vorgezeichnet hat. Es geht doch nicht darum, eine angebliche radikale Richtigkeit oder gar den Egoismus durchsetzen. Wo jeder „nur auf seinen Weg“ schaut – da folgt in der Bibel bittere Reue. Wo eine Herde nur vor sich hinstarrt, läuft sie in die falsche Richtung, wie es ein Prophet rückblickend beschreibt: „Wir gingen alle in der Irre wie Schafe, ein jeglicher sah (nur) auf seinen Weg“ (Jesaja 53,6).
Gott aber hat die Schuld dieser eigenen Wege durch Jesus Christus längst weggenommen. Auch unsere Irrwege führt er im Glauben wieder gut zusammen. So finden wir Auswege und neue gemeinsame Wege, wo wir das Vertrauen des Psalmbeters wieder gewinnen, mit dem wir auch im Blick auf unsere Zukunft voll Hoffnung so zu Gott sprechen können: „Du eröffnest uns den Weg zum Leben, denn vor deinem Angesicht ist die Fülle der Freude“. (nach Psalm 16,11)

Dr. Harry Jungbauer,

Evangelischer Schuldekan

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