Geldautomatensprengung: Warum trifft es zwei Mal die Kreissparkasse?

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In der Nacht auf den 24. Juni wurde ein Bankautomat in Westhausen gesprengt.
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Interview mit Kreissparkassensprecher Holger Kreuttner. „Oft sind Krimelle einen Schritt voraus.“

Westhausen. In der Nacht auf den 24. Juni ist in Westhausen der Geldautomat der Kreissparkasse gesprengt worden. Erneut konnten die Täter mit einem hochmotorisierten Audi vermutlich über die naheliegende Autobahn 7 entkommen. Bereits im November vergangenen Jahres sprengten Unbekannte den Geldautomat einer Kreissparkassenfiliale in Aalen-Ebnat. Der Tatvorgang weist Parallelen auf. Warum erwischt es ausgerechnet zwei Mal die Kreissparkasse (KSK)? Wir sprachen darüber mit dem Pressesprecher der KSK Holger Kreuttner.

Erneut ist ein Automat der Kreissparkasse von Kriminellen gesprengt worden. Müssen Sie ihr Sicherheitskonzept überdenken?

Holger Kreuttner, Pressesprecher der Kreissparkasse Ostalb.

Holger Kreuttner: Der Angriff auf zwei unserer Geldautomaten innerhalb nur weniger Monate ist natürlich sehr unerfreulich. Leider ist das ein bundesweites Phänomen. Nach unserer Kenntnis wird tatsächlich nahezu in jeder Nacht irgendwo in Deutschland ein Geldautomat attackiert. Eine kurzfristige Änderung des Sicherheitskonzepts, etwa durch nächtliche Abschaltungen der Geräte wie seit einiger Zeit in den Niederlanden üblich, planen wir derzeit trotzdem noch nicht. Allerdings steht das Thema bei Banken, Sparkassen, den zugehörigen Verbänden und auch den Herstellern der Geräte auf der Agenda. Und auch unser Haus passt das Sicherheitskonzept permanent an. Selbstverständlich entwickeln auch die Hersteller ihre Geräte laufend weiter. Wie in anderen Lebensbereichen leider auch sind die Kriminellen aber oft einen Schritt voraus und auf neue kriminelle Ideen kann dann mit geeigneten technischen und organisatorischen Maßnahmen reagiert werden. Das ist so eine Art Wellenbewegung: auf eine neue Aktion oder Masche der Kriminellen, erfolgt die Abwehrreaktion von Herstellern, Banken, Polizei und Sicherheitsexperten.

Sowohl in Ebnat als auch in Westhausen waren Filialen anderer Banken in direkter Nachbarschaft. Haben Sie eine Erklärung, warum es ausgerechnet die KSK getroffen hat?

Leider nein. Es ist sehr unglücklich, dass es jetzt zweimal nacheinander die Kreissparkasse Ostalb getroffen hat aber insgesamt gibt es keine Erkenntnisse, dass eine Bankengruppe überdurchschnittlich oft betroffen wäre. Dass es Volksbanken und Sparkassen in absoluten Zahlen am häufigsten trifft liegt am besonders dichten Geldautomatennetz dieser beiden Bankengruppen.

Früher benötigte man eine Geldkarte, um in den Automatenraum zu gelangen. Das ist nicht mehr so. Warum eigentlich?

Da heutzutage die allermeisten Girokonten sogenannte GiroCards beinhalten, mit denen der Zugang zu SB-Bereichen möglich ist, wäre auch das kein besonders wirksamer Schutz und würde die Kriminellen kaum aufhalten.

Die Kriminellen suchen sich immer Geldautomaten aus, die nahe der Autobahn sind oder einen guten Fluchtweg bieten. Haben Sie Ihre Standorte diesbezüglich schon analysiert? Gibt es aus Ihrer Sicht weitere potenzielle Standorte?

Den Zusammenhang mit guten Fluchtwegen beziehungsweise der Nähe zu Autobahnen zeigen die Anschläge auf Geldautomaten in ganz Deutschland. Unsere Risikoanalyse befasst sich selbstverständlich auch mit allen Standorten unserer Geldautomaten. Über weitere, möglicherweise für Anschläge „geeignete“ Standorte wollen wir nicht öffentlich spekulieren.

Vermutlich sind die Täter mit Festsprengstoff vorgegangen, weil Gas inzwischen neutralisiert werden kann. Hat die KSK entsprechende Automaten mit diesen Neutralisierungsvorrichtungen?

Mit Blick auf die laufenden Ermittlungen der Kriminalpolizei und auch versicherungsrechtliche Fragen können wir dazu aktuell nichts sagen.

Eigentlich sollte das Geld durch eine Sprengung ja farblich gekennzeichnet werden. In Westhausen lagen aber 50-Euro-Scheine in der Schalterhalle, die keine farblichen Markierungen hatten. Warum?

Auch hier kann ich leider nur antworten, dass mit Blick auf die laufenden Ermittlungen der Kriminalpolizei und auch versicherungsrechtliche Fragen wir dazu aktuell nichts sagen können.

Wissen Sie schon, wie lange es dauern wird, bis die Sparkasse in Westhausen wieder eröffnen kann?

Wir arbeiten, wie auch schon in Ebnat im November letzten Jahres, mit Hochdruck an einer schnellstmöglichen Wiedereröffnung unserer Filiale Westhausen. Aufgrund der großen Zerstörung und auch die noch laufende Schadensaufnahme unter anderem durch die Versicherung, kann zum jetzigen Zeitpunkt keine seriöse Aussage zu einem konkreten Zeitplan der Reparatur- und Instandsetzungsarbeiten sowie einen Zeitpunkt für die Wiedereröffnung gemacht werden. Die Bargeldversorgung der Sparkassenkunden ist aber schon jetzt durch eine kurzfristige Vereinbarung mit der örtlichen Raiffeisenbank sichergestellt. Sparkassenkunden können am dortigen Geldautomaten kostenfrei Geld abheben. Und für ein Beratungsangebot vor Ort suchen wir gemeinsam auch mit der Gemeinde Westhausen nach einer Übergangslösung in geeigneten Räumlichkeiten.

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