Geschichte des Rosensteins neu denken

+
Die verschiedenen „Räume“ der Dreieingangshöhle wurden von den Menschen in früheren Zeiten auch dementsprechend unterschiedlich genutzt, vom Schlaf- und Wohnzimmer bis hin zum Kühlschrank. Fotos: dav
  • schließen

Was man bei einer Führung mit Wolfgang Naak vom Arbeitskreis Steinzeit alles erfährt und welche Expeditionen die höhlenkundliche Arbeitsgemeinschaft darüber hinaus in den Ferien anbietet.

Heubach

Und wenn sie nicht mehr herauskommen? Nach ein paar Sekunden erklingen aber ihre Stimmen aus den Tiefen der Dreieingangshöhle: „Die Luft ist rein!“ Zuvor hatte Wolfgang Naak die besonders mutigen Eltern vorausgeschickt, die Höhle zu erkunden. Ausgestattet mit prähistorischen Speerschleudern. Schließlich teilen sich die Menschen der Eiszeit ihre Unterkunft mit Bären, Löwen und Hyänen.

Naak ist Mitglied im Arbeitskreis Steinzeit und bietet für die höhlenkundliche Arbeitsgemeinschaft Rosenstein Führungen mit dem Schwerpunkt Archäologie an. An diesem Freitag nehmen sich die Teilnehmenden neben der Dreieingangshöhle die „Große Scheuer“ vor. Hier wurden in den vergangenen Jahren Funde gemacht, die das Zeug haben, „die Geschichte des Rosensteins neu zu schreiben“, ist der Hobby-Archäologe überzeugt.

Bevor's in die Höhlen geht, bittet Wolfgang Naak alle darum, sich mit angefeuchtetem Ton eine Markierung auf den Arm zu malen. „Schließlich sind wir alle eine Sippe.“ Vom Wanderparkplatz geht's durch den Wald. Das Blätterdach schützt vor dem einsetzenden Nieselregen. Rasch führt Naak über einen engen Weg unterhalb des Sophienfelsens, frisch heruntergefallene Steine zeigen: Hier gab es erst kürzlich einen Felssturz. „Kein Gebiet, in dem man sich gerade länger als nötig aufhalten sollte“, meint der Experte und lotst hoch zur Dreieingangshöhle. Vom darüberliegenden Felsen seilen sich Kletterer ab. „Hätte nicht gedacht, dass wir heute auf dem Grill enden“, meint einer und deutet lachend auf die Holzspeere der Höhlenforscher-Gruppe.

Tiere hier geschlachtet

Drinnen ist es kalt und dunkel, nur die Taschenlampen funzeln über den felsigen Untergrund. In einer Ecke hängt eine Höhlenspinne mitsamt Kokon, auf den Wänden sitzen Höhlenschnaken. Die dunklen Flecken an der Decke könnte man für Ruß von Lagerfeuern halten. Tatsächlich handelt es laut Naak um das Metall Mangan. In der Höhle gebe es verschiedene Klimazonen. Am Eingang eine überdachte Terrasse, wo das Feuer gemacht wurde und ein Windschutz aus Stangen und Fellen vor der Witterung schützte. Weiter drinnen, in den kühleren Abschnitten, lagen wohl das „Schlaf- und das Wohnzimmer“. Von 1000 vor Christus bis ins Mittelalter wurden die Höhlen als Kühlschrank für Lebensmittel benutzt. Mit etwas geübten Blick sehe man das an den unterschiedlich verarbeiteten Scherbenfragmenten. Wolfgang Naak zeigt den Teilnehmenden einen Tierknochen mit deutlichen Bearbeitungsspuren. Was das bedeutet? Die Kinder wissen es: „Die Tiere wurden hier geschlachtet und gegessen.“

Der Rosenstein war ein Riff

Draußen deutet Wolfgang Naak auf die zahllosen kleinen Löcher, von denen die Felsen übersäht sind. Ursprünglich sei der Rosenstein nämlich ein großes Riff aus Schwämmen gewesen. Über einen schmalen Trampelpfad erreicht die Gruppe die „Große Scheuer“. Hier hat Wolfgang Naak vor Jahren beim Klettern einen Menschenzahn und Steinwerkzeuge entdeckt und damit eine große archäologische Untersuchung der Universität Tübingen ausgelöst. „Und das, obwohl die Höhle eigentlich als ausgegraben, als archäologisch steril, galt“, so Naak. Die Forschenden fanden filigrane Nähnadeln und Schmuck, weshalb sie davon ausgehen, dass die Höhle nicht nur für einen Jagdaufenthalt genutzt wurde. „Die ganze Sippe lebte hier, produzierte Kleidung, Kunst und Kultur“, sagt Wolfgang Naak und zeigt einen Anhänger herum, der einen stilisierten Frauenkörper darstellt, der in Nebra gefunden wurde, aber aus derselben Zeit stammt. Bisher sei der Forschungsstand, dass Menschen vor etwa 15 000 Jahren anfingen, in den Höhlen des Rosensteins zu leben. Die aktuellen Funde legen die Hypothese nahe, so Naak, dass es sogar mindestens 30 000 Jahre sein könnten. „Diese Annahme gilt es in den kommenden Jahren wissenschaftlich zu untermauern und zu bestätigen.“

Bis dahin bewundern die Teilnehmenden der Führung Nachbildungen der Funde, die schon als echte Klassiker gelten können. Etwa die der Rentier-Dasselfliegenlarve, einem auf Rentiere spezialisierten Parasiten. Die Kleinplastik aus Gagat wurde an der „Kleinen Scheuer“ gefunden. Oder sie versuchen selbst, mit Feuerstein einen Ast zu entrinden. Oder hantieren mit einer Speerschleuder, keine genaue, aber trotzdem eine effektive Waffe, wie Naak erläutert.

Nach zweieinhalb Stunden geht's zurück Richtung Parkplatz, vorbei am Aussichtspunkt auf dem Lärmfelsen. Von hier blickt man auf die Hochebene „Sand“ unterhalb des Scheuelbergs. Dort lagerten einst die Steinzeit-Jäger, um die Rentiere abzupassen, die vom Remstal durch die Engstelle beim Beurener Tal hoch auf die Alb wollten. Bevor sich die Jäger wieder zurückzogen in ihren Höhlen, die sie mit Bären, Löwen und Hyänen teilten.

Mehr Bilder finden Sie auf www.tagespost und auf www.schwaepo.de.

Noch mehr Höhlenführungen in diesem Jahr

Die Höhlenkundliche Arbeitsgemeinschaft bietet Führungen im Finsteren Loch an. „Mit Zusatz“ bedeutet, es geht danach noch in die Höhlen Große Scheuer, Haus und Inschriftenhöhle. Die „Aktiv-Führungen“ sind eher sportlich mit Spalten und kleinen Kletterstellen. Treffpunkt ist jeweils am Wanderparkplatz oben auf dem Rosenstein am überdachten Schild. Es sollte Kleidung getragen werden, die schmutzig werden darf, gutes Schuhwerk und eine Taschen- oder Stirnlampe sind Pflicht. Bitte anmelden unter Anmeldung@Hoehlenverein-Heubach.de. Infos auf: www.Hoehlenverein-Heubach.de

Finsteres Loch mit Zusatz: Samstag, 27. August, 14 Uhr, Samstag, 3. September, 10 Uhr, Sonntag, 4. September, 10 Uhr, Donnerstag, 8. September, 16 Uhr.Aktiv: Sonntag, 21, August, 10 Uhr, Sonntag, 28. August, 14 Uhr, Samstag, 3. September, 10 Uhr, Sonntag 4, September, 10 Uhr.

Die archäologische Führung mit Wolfgang Naak.
Die archäologische Führung mit Wolfgang Naak.
Die archäologische Führung mit Wolfgang Naak.
Die archäologische Führung mit Wolfgang Naak.
Die archäologische Führung mit Wolfgang Naak.
Die archäologische Führung mit Wolfgang Naak.
Mutige Mamas gehen voran: Weil sich die Steinzeit-Jäger ihre Höhlen mit Bären und Löwen teilen, ist ein Kontrollgang mit Waffe Pflicht.
Wolfgang Naak vom AK Steinzeit präsentiert Funde aus der Steinzeit an der „Großen Scheuer“.

Zurück zur Übersicht: Ostalbkreis

Kommentare