Giora Feidmans wärmende Musik-Decke

  • Weitere
    schließen
+
Das Duo Giora Feidman und Alina Kabanova in der Stadthalle Aalen.
  • schließen

Der Klarinettist gastiert mit der Pianistin Alina Kabanova in der Stadthalle Aalen.

"Es ist alles Musik, ob Klezmer oder Klassik, egal", sagt ein glücklich lächelnder Giora Feidman nach 90 Minuten des ersten Konzertes in der Stadthalle Aalen nach dem Lockdown. Rund 200 Menschen im Publikum hat er am Sonntagabend da schon mit dem, was er einfach "Musik" nennt, zusammen mit der Pianistin Alina Kabanova beseelt. Sie eindrucksvoll spüren und hören lassen, dass eine Aufzeichnung im heimischen Wohnzimmer das gemeinsame Erlebnis eines Konzertes trotz Corona-Hygienevorschriften niemals ersetzen kann.

Feidman zeigt in dieser besonderen Zeit die Gelassenheit eines 84-Jährigen, der schon viel gesehen hat, hält aber den Abstand ein. Sechs Meter zum Publikum, fünf zur Pianistin, wie er erklärt. Doch zwischen die musikalische Harmonie, die beide verbindet, passt von Anfang an kein Notenblatt. Wenig später auch keines mehr zwischen das Duo und sein Publikum.

"Klezmer & more" heißt das Programm, das die beiden Musiker erstmals vereint. Gefällige Kompositionen, meist Bekanntes. Werke, die aber gleichzeitig beiden die Gelegenheit geben, ihren meist hohen Anspruch an den Interpreten mit Leichtigkeit zu begegnen. Wie etwa bei Mozarts "Musikalischen Spaß", oder Scott Joplins "Entertainer", bei dem Feidman seine Klarinette ausnahmsweise ironisch quietschen und schleppen lässt. Doch meist führt er seine Finger behutsam, fast zärtlich fordert er damit sein Instrument zum Jauchzen, Lachen, Seufzen und Flüstern oder einfach nur zum Erzählen auf. Im Duo bei "My way", im Solo bei Gershwins "Rhapsody in Blue", immer wieder schafft er magische Momente, in denen man sich kaum zu regen wagt.

Hochkonzentriert verfolgt auch Alina Kabanova diese Momente, bis sie selbst immer wieder ihre Ebenbürtigkeit mit Feidman mitreißend demonstriert. Auch die gebürtige Russin spielt weich und fließend, breitet zusammen mit Feidman etwa mit Bachs "Jesus bleibt meine Freude" eine warme Decke im Saal aus. Vor allem sie aber bricht die Stimmung immer wieder. Mozarts "Rondo alla turca" etwa gerät furios-kraftvoll zu einem der Höhepunkte des Abends.

Liszt und Leonard Cohens "Halleluja", Francis Lais "Love Story" und Piazollas "Adios Nonino", das Duo zieht keine musikalischen Grenzen, keine religiösen. Der jüdische Musiker Feidman versteht sich als Botschafter des Friedens und spielt gegen Ende auch das musikalische Gebet eines befreundeten Moslems. Und als zweite Zugabe dann das wunderbare einfache "Guten Abend, gute Nacht" als weitere wärmende Decke.

Zurück zur Übersicht: Ostalbkreis

Mehr zum Thema

WEITERE ARTIKEL