Gmünder Ärzteschaft spricht von "bewusst eingegangener Schlechterstellung"

+
Die Gmünder Ärzteschaft kritisiert die Pläne des Landrats, einen Regionalversorger als Zentralklinikum im Ostalbkreis zu installieren.
  • schließen

Im Vorfeld der Kreistagssitzung am Dienstag kritisiert der Vorsitzende der Gmünder Kreisärzteschaft, Dr. Erhard Bode, die Klinik-Pläne des Landrats.

Aalen. An diesem Dienstag geht es im Kreistag um die Zukunft der Kliniken. Im Vorfeld dieser Sitzung hat sich am Montag die Schwäbisch Gmünder Kreisärzteschaft zu Wort gemeldet. Deren Vorsitzender, Dr. Erhard Bode, hat dazu an Landrat Dr. Joachim Bläse geschrieben. Zwar bewerten die Gmünder Ärzte das Modell eines Regionalkrankenhauses in Verbindung mit einer dezentralen Gesundheitsversorgung in Gesundheitscampus wie von Bläse vorgeschlagen als „sehr reizvoll“. Unterm Strich bleibt bei Bode aber eine große Skepsis in Bezug auf die Pläne. Sogar von Schlechterstellung eines erheblichen Teils der Bevölkerung ist die Rede.

„Das von Ihnen persönlich entwickelte Modell einer zentralen hochwertigen, also höherschwelligen Versorgung, umgeben von 'Dependancen' mit niederschwelligem Zugang und engem Kontakt zur ambulanten Versorgung ist sehr reizvoll, weil es den eigentlich notwendigen, derzeit aber nicht vorhandene Übergang von der ambulanten zur stationären Versorgung“ verbinde, so Bode.

Der Vorstand der Kreisärzteschaft habe das Für und Wider einer solchen Lösung „intensiv diskutiert“ und Punkte herausgearbeitet, die bei der Umsetzung bedacht werden müssten.

Mangel an ärztlicher Versorgung

So umfasse die Raumschaft Schwäbisch Gmünd eine Anzahl von über 140 000 Einwohnern und habe einen entsprechend hohen Bedarf an medizinischer Versorgung. Die Region leide zudem schon jetzt - insbesondere im Raum Schwäbischer Wald - an einem zunehmenden Mangel an ärztlicher Versorgung. Das Stauferklinikum spiele überregional eine wichtige Rolle in der medizinischen Versorgung in der Region.

Es sei damit zu rechnen, dass entsprechend der geplanten Klinikstruktur „eine zeitgerechte Akutversorgung der Patienten in den vorgeschriebenen Zeitintervallen nicht mehr gewährt werden kann“. Insbesondere sei zu befürchten, dass die notfallmäßige Grundversorgung aufgrund unzureichender diagnostischer und fachlicher Expertise in den geplanten Gesundheitscampus nicht möglich sei. Zur Illustration könne dies im Falle der Schlaganfallversorgung dargestellt werden. Gerade in Gmünd würden, so befürchtet Bode, die Wege zur Diagnostik und Therapie komplizierter und zeitaufwendiger als sie es bislang sind. Bode beschreibt umfangreich, wie ein Patient zunächst vom lokalen Gesundheitscampus ins Zentralklinikum transportiert, um dann von dort wieder an Gmünd vorbei nach Stuttgart verlegt zu werden.

Zudem fürchten die Gmünder Ärzte, dass durch Wegfall einer wohnortnahen stationären Versorgung zukünftig auch eine Niederlassung für den Haus- und fachärztlichen Bereich „zunehmend weniger attraktiv“ werde, weil ein höherer Betreuungsaufwand für die niedergelassenen Ärzte entstehe.

Zusätzliche Personalengpässe

Auch im pflegerischen Bereich erwarten die Gmünder Ärzte durch die Schaffung eines Zentralklinikums zusätzliche Personalengpässe. So habe eine „nicht unbeträchtliche Anzahl von Mitarbeitern signalisiert“, nicht in ein Klinikum im Osten des Kreises zu folgen.

Zudem hegen die Gmünder Ärzte „eine gewisse Skepsis“, ob durch eine Zentralklinik Personal wie erhofft eingespart werden kann.

Auch pflegerisch seien die Anforderungen in den Campus „mindestens so hoch wie im Hauptkrankenhaus“, da kritische Situationen rechtzeitig erkannt werden müssten, um rechtzeitig eine Verlegung ins Zentralklinikum zu gewährleisten.

Zusätzlich sei zu berücksichtigen, dass dieses Modell einen hohen Anspruch an die Mobilität sowohl von den Patienten wie auch vom Personal erfordert.

Auch bemerkt Bode, dass die Organisationsform der Gesundheitscampus bislang nicht definiert sei. Dies sei aber „unbedingt erforderlich“.

Zufälliges Vorliegen

Bode schließt sein Schreiben an die Kreisräte, dass das Wohl der Bürgerinnen und Bürger das oberste Ziel allen Handelns sein müsse. Politische Erwägungen oder „das zufällige Vorliegen von politischen Mehrheiten“ rechtfertigten nicht „eine bewusst eingegangene Schlechterstellung“ eines "erheblichen Teiles" der Bewohner des Kreises. 

Mehr zum Thema

Vor der Klinikentscheidung sollen mehr Informationen her

Zurück zur Übersicht: Ostalbkreis

Mehr zum Thema

Kommentare