Große Bereitschaft: Ostalb will Fluchtkinder aufnehmen

+
Vier Jugendliche stehen nach der Flucht aus der Ukraine auf einem Feld zusammen.
  • schließen

Was muss ich wissen, wenn ich aus der Ukraine allein geflüchtete Kinder oder Jugendliche zuhause aufnehmen möchte? Darum ging's bei einem Infoabend am Donnerstag im Landratsamt.

Aalen

Die Männer bleiben und kämpfen. Frauen, Jugendliche und Kinder flüchten vor dem Kriegsgrauen, das die Invasoren im Auftrag des russischen Staatspräsidenten Wladimir Putin in der Ukraine angerichtet haben. Viele Kinder und Jugendliche kommen aber auch ohne Eltern oder eine andere erwachsene Begleitung. Noch sind keine solchen „unbegleiteten Kinder und Jugendliche“, wie es im Amtsdeutsch heißt, im Ostalbkreis angekommen, wie Jutta Funk vom Landratsamt sagt. Sie sagt dies am Donnerstag zu Beginn einer Veranstaltung, bei der sich Menschen aus dem Ostalbkreis darüber informieren konnten, was sie tun können, was sie tun sollten und was von ihnen erwartet wird, wenn sie sich dazu entschließen, ein solches Kind aufzunehmen. Und es waren viele ins Landratsamt nach Aalen gekommen: 75 Frauen und Männer waren es - und es wären mehr gekommen, wenn nicht wegen Corona die Zahl der Teilnehmer dieses Informationsabends hätte beschränkt werden müssen. „Ich bin total überwältigt von dieser großen Bereitschaft zu helfen“, sagte eingangs Jutta Funk, die den Geschäftsbereich Jugend und Familie leitet.

Ihre KollegInnen Manuela Waizmann-Holzring, Brigitte Pfeiler und Roland Schlipf skizzierten im Anschluss, um was es geht: zum einen schlicht um die Betreuung der Kinder im Alltag. „Die Kinder suchen vor allem Sicherheit und Orientierung“, sagte Brigitte Pfeiler. Wichtig sei, den Kindern ein Ankommen in der neuen Kultur zu ermöglichen, aber auch das Leben der eigenen Kultur. Es gehe darum, den Kindern und Jugendlichen zu helfen, Fuß zu fassen, ihre soziale Integration zu fördern und die Integration etwa im Kindergarten oder in der Schule. Die Kinder müssten lernen, sich im Alltag zurechtzufinden. Und es müsse sichergestellt sein, dass es ihnen gut geht, was die Versorgung anbelangt: von der Ernährung über das Lernen bis zur Gesundheit. Unterstützt werden die Gastfamilien von zahlreichen Partner, koordiniert durch das Jugendamt - und Geld gibt es auch: je nach Alter des Kindes zwischen 874 und 1076 Euro im Monat.

Damit kein Schindluder getrieben wird, gibt es Kriterien, die wichtig sind, wenn solche Gastfamilien ausgewählt werden:

Das Mindestalter für Gasteltern beträgt 25 Jahre.

Zudem braucht es eine ärztliche Stellungnahme zur Gesundheit.

Die Gasteltern dürfen keine einschlägigen Vorstrafen haben.

Sie dürfen kein Hilfeempfänger sein.

Sie müssen ausreichend Wohnraum haben, bedeutet: Ein eigenes Zimmer für das Kind oder den Jugendlichen, und sie müssen in gesicherten, stabilen wirtschaftlichen Verhältnissen leben.

Die Gasteltern sollten Erziehungserfahrungen haben, zeitliche Ressourcen sowie Kreativität in der Kommunikation und zudem Humor, Geduld, Durchhaltevermögen, Belastbarkeit und Flexibilität. Vorausgesetz wird zudem Weltoffenheit, Verständnis und Toleranz gegenüber Konfessionen, Kulturen und anderen Lebenseinstellungen sowie die Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit allen wichtigen Kooperationspartnern.

Wer sich konkret dazu entschließt, ein Kind aufzunehmen, der kann einen Bewerbungsbogen dafür ausfüllen, den es im Landratsamt gibt. Abgefragt werden ein kurzer Lebensbericht, eine Auskunft über die persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse, ein ärztliches Attest. Es folgen persönliche Gespräche und ein Hausbesuch.

„Wir wissen nicht, wie viele Kinder und Jugendliche zu uns kommen“, dies gleiche dem Blick in eine Glaskugel, sagte zusammenfassend Jutta Funk - aber man wolle vorbereitet sein im Ostalbkreis. Und deswegen dankte sie den vielen Besucherinnen und Besuchern, für die es um eine „weitreichende Entscheidung“ gehe. Und es sei ja auch nicht klar, wie lange die Kinder und Jugendlichen bei ihren Gastfamilien bleiben: Wochen? Monate? Jahre ...? Da brauche es Durchhaltevermögen.

Fragen, die aufkamen:

Kann man mit den Kindern in den Urlaub ins Ausland? Dies ist noch nicht abschließend geklärt, in EU-Staaten vermutlich, so die Antwort.

Kann man in Elternzeit gehen? Ja, es gebe ein Recht auf Elternzeit auch für Pflegeeltern.

Ich habe eine Freundin in der Ukraine. Wie kann ich sicherstellen, dass ich ihr Kind, wenn sie es mir schickt, betreuen kann? Dazu gibt es die „Erziehungsberechtigungsübertragung“ - das Landratsamt kann dabei helfen.

Gibt es Sprachkurse für die Kinder? Am besten lernten die Kinder und Jugendlichen im privaten Umfeld.

Haben die Kinder sicher einen Kindergartenplatz? Das könne nicht garantiert werden - es gebe eben die Plätze, die es gibt.

Im großen Sitzungssaal trafen sich am Donnerstag rund 75 Menschen aus dem Ostalbkreis, die erwägen ein Kind oder einen Jugendlichen aus der Ukraine aufzunehmen, wenn das notwendig sein sollte.

Zurück zur Übersicht: Ostalbkreis

Mehr zum Thema

Kommentare