Güterbahn - gut fürs Klima, aber teuer

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Kleiner Bahngipfel bei der OSR Metallecycling GmbH & Co.KG (von links): Stefan Benesch, Thomas Grötzinger, Stephan Sulser, Sebastian Alvensleben, Tobias Doneit, Wolfgang Josef, Alexander Paluch, Winfried Mack und André Köhler Foto: mas
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Experten tauschen sich beim „kleinen Güterbahn-Gipfel“ aus. Fazit: Schienen-Güterverkehr bringt viele Vorteile, hat aber seinen Preis. Ergo soll der Bund mehr investieren - auch in der Region.

Aalen-Unterkochen

Kaum zwei Prozent des Güterverkehrs in Ostwürttemberg laufen auf der Schiene, der Rest wird mit Lkw transportiert. Wer die Klimaziele erreichen will, muss den Schienengüterverkehr ausbauen, ist CDU-Landtagsabgeordneter Winfried Mack überzeugt. Der Bund will bis zum Jahr 2030 25 Prozent des Güterverkehrs mit der Bahn abwickeln. „Wir müssen aktiver werden“, meint Mack und hat daher am Mittwoch Entscheidungsträger und Experten zum „kleinen Güterbahn-Gipfel“ nach Unterkochen in die Firma OSR Metallecycling GmbH & Co.KG geholt.

Stephan Sulser, Leiter DB-Cargo Management Region Südwest, Stefan Benesch, DB Cargo Gruppenleiter Ulm/Aalen, André Köhler, DB Cargo-Kundenberater sowie die Geschäftsführer der OSR Metallrecycling GmbH & Co.KG Sebastian Alvensleben und Tobias Doneit, der Geschäftsführer der OSR GmbH & Co. KG, Thomas Grötzinger, Alexander Paluch von der IHK und Güterbahn-Experte Wolfgang Joseph lieferten dabei ihre Gedanken.

3600 Güterzüge täglich seien in Europa unterwegs, das spare rund sieben Millionen Tonnen CO2. „Wir wollen aber noch mehr Güter auf die Schiene bringen“, sagt Stephan Sulser. Rund zwei Milliarden Euro habe der Bund für das Neun-Euro-Ticket bezahlt. Würde genauso viel Geld in die Güterbahn investiert, seien die Modernisierungsziele für die nächsten zehn Jahre gut zu finanzieren, meint er.

Ab 2024 Hybrid-Loks im Einsatz

In Ostwürttemberg seien täglich zwei Züge im Einzelwagensystem und pro Woche drei „Ganzzüge“, also Züge mit homogener Fracht, unterwegs. Sulser kündigte an, dass DB Cargo die Digitalisierung für das Einzelwagensystem bis 2030 vollzogen habe. Das beschleunige Prozesse und spare Kosten. Mitte 2024 würden Hybrid-Loks auch auf der Ostalb eingesetzt. Diese liefen mit synthetischem Diesel-Kraftstoff, mit Strom, wo es Oberleitungen gibt, und/oder mit Batterie für die letzte Meile. Stefan Benesch ergänzt, dass DB Cargo neue Behältnisse entwickelt habe, um Güter einfach und sicher von dort, wo es keinen Bahnanschluss gibt, per Lkw zum Bahnterminal zu bringen. Auch diese würden ab 2024 hier eingesetzt.

Ein Zug im Cargo-Fernverkehr ersetze rund 52 Lkw-Touren und 52 Fernfahrer. Gut, denn diese Branche leide besonders unter Personalmangel, so Sulser.

Laut Mack ist für viele Unternehmen ein Bahngleis primäres Kriterium für eine Ansiedlung. Statt Gleise stillzulegen, gelte es daher in der Region bestehenden Gleisanlagen zu erhalten und weitere zu schaffen. „Wir wollen die Klimaziele erreichen und Industrieland bleiben“, sagt Mack. Er fordert: „Bahn-Personenverkehr darf nicht länger ohne Bahn-Güterverkehr gedacht werden.“

Ein zweites Gleis auf der Brenzbahn zwischen Aalen und Ulm und der Ausbau der Jagstbahn zwischen Aalen und Crailsheim schaffe Voraussetzung für mehr Güterverkehr, meint Wolfgang Joseph, der ein Konzept für den Güterbahnverkehr in der Region entwickelt hat.

Mehr Güter auf der Schiene, bedeute weniger Schwerverkehr auf der Straße, sagt Alexander Paluch. Er weist aber darauf hin, dass ein Halb-Stunden-Takt im Personenverkehr auf der Brenzbahn im aktuellen Ausbauzustand dort weniger Güterverkehr zulasse.

Für die Männer aus der Wirtschaft Sebastian Alvensleben, Tobias Doneit und Thomas Grötzinger ist klar, dass die Schiene gerade im Bereich des Schrottrecyclings ein Top-Instrument ist. Jedoch verteuere sich der Transport dort ohnehin schon Jahr für Jahr. In den vergangenen Monaten aber seien die Preise exorbitant gestiegen. Inzwischen stehe man vor der Frage: CO2-Einsparung oder Rentabilität?

„Der Bund ist gefordert. Wir brauchen höhere Investitionen in die Güterbahn und mehr Tempo bei der Planung“, sagt Mack.

Die OSR Metallrecycling GmbH & Co.KG

Seit August 2020 ist die OSR Metallrecycling GmbH & Co.KG in Unterkochen am Start. Der Gleisanschluss war primärer Faktor bei der Standortwahl. Das Unternehmen kauft Metall und Schrott an, bereitet diesen auf und verkauft ihn an die Industrie. 2000 Quadratmeter stehen zur Verfügung. 65.000 Tonnen Material werden im Jahr umgeschlagen. Der Einsatz auf der Schiene spare jährlich rund 100.000 Tonnen CO2 ein, sagt Geschäftsführer Tobias Doneit. Er würde am liebsten 100 Prozent über die Schiene abwickeln, auch wenn er dann wohl in Lärmschutzmaßnahmen investieren müsste. Doch dafür fehlt DB Cargo aktuell die Infrastruktur.⋌mas

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