Hände, Pistolen und Plastizität

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Die Südwestgalerie Niederalfingen zeigt Arbeiten von Isa Dahl und Daniel Wagenblast. Was sich hinter dem Ausstellungstitel "Schönheitwitzundmut" verbirgt.

Kein Kopf-an-Kopf-Erforschen von Konturen, Strukturen, Farben, Formen. Kein inniges Deuten und Suchen nach Bedeutung. Nach gemeinsamer Beantwortung der Frage, ob und warum der Titel der Ausstellung "Horizonte - Schönheitwitzundmut" die Werke der beiden Künstler Isa Dahl und Daniel Wagenblast treffend vereint. Die Pandemie lässt das nicht zu. Die Eröffnungen von Ausstellungen gehen dieser Tage leise vonstatten. Keine Schnittchen, kein Sekt, wenig Reden. Aber eigentlich ist die Sicht auf Kunstwerke ja stets eine Individuelle. Und so staunen und bestaunen trotzdem vergleichsweise viele die Kunst von Dahl und Wagenblast.

50 Prozent seiner sonstigen Gäste "trauen sich wieder raus" und kommen nach Niederalfingen in die Südwestgalerie, erzählt Hausherr Cyprian Brenner. Um die Arbeiten derjenigen zu sehen, mit denen der Galerist schon seit rund 20 Jahren zusammenarbeitet. Weil Isa Dahl und Daniel Wagenblast "die Kriterien erfüllen, nach denen Brenner seine Künstler schon immer aussucht, wie er erklärt. Zeitgeist mit gleichzeitiger Zeitlosigkeit, handwerkliche Qualität, die sich darin äußert, dass man die Ideen auch umsetzen kann, die man verfolgt. Eine künstlerische Handschrift als Alleinstellungsmerkmal.

Isa Dahl ist für Brenner eine solche Künstlerin. Als eine wichtige Malerin des "New Image Painting" würde er sie einordnen, wenn das verlangt werde. Isa Dahl, 1965 geboren in Ravensburg, mit einem Studium in Stuttgart und Düsseldorf, wo sie auch Meisterschülerin war, hat nichts dagegen. "Wenn, dann würde im mich in diese Ecke hineinsortieren", sagt sie. Aber eigentlich gebe es diese klassischen Einteilungen nicht mehr. Viele Maler würden keiner Schule mehr folgen. Vielmehr gebe es einen neuen Bildbegriff, geprägt von der Hand des Künstlers, aber auch aus dem Umfeld. Landschaftsmalerei, mit einer neuen Räumlichkeit, einer neuen Bildfindung, erklärt die Künstlerin ihre Arbeit. "Kunst muss vom Grundgedanken her einfach sein", sagt sie. "Sonst muss ich das nicht verbildlichen."

In jeder Verbildlichung findet sich vielleicht auch mit aus dieser Idee heraus unverkennbar Isa Dahls persönliche Handschrift und Formsprache. Dynamisch-kraftvoll führt sie in ihren Werken den Pinsel, bricht farbige Flächen damit auf, lässt Licht in den Vordergrund treten. Gemälde, die plastisch, fast in 3D stets in Bewegung zu sein scheinen. Schönheit, gepaart mit Mut. Denn den braucht sie für ihre Art des Arbeitens. Es gehe durchaus auch mal was schief, wenn sie die aufgetragene Farbe wieder wegdrücke, erzählt sie. Ein unumkehrbarer Prozess, ein Risiko, ein Kraftakt. "Ich bin immer wieder überrascht vom eigenen Tun", freut sich die Künstlerin.

Kunst muss vom Grundgedanken her einfach sein.

Isa Dahl Malerin

Mut, Witz und Ironie

Auch Daniel Wagenblasts "Hand-Schrift" ist unverkennbar. In vielen seiner Werke sogar gar ganz direkt. Kleine Hände, die aus der Wand ragen und mal eine Frau im grünen Kleid tragen, mal eine umgekippte Tüte Pommes oder ein stacheliges Ufo. Überlebensgroße Hände, die aus Pistolen gleich mehrere Schüsse abgeben. Freiraum für Interpretationen in viele Richtungen. "Bildhauerisch mache ich mit das mit den Händen schon seit 20 Jahren", sagt der 1963 in Schwäbisch Gmünd geborene Künstler, der ebenfalls in Stuttgart studiert hat und mit mehreren Preisen ausgezeichnet ist. Wagenblast bildhauert aus Lindenholz, Aluminium und Bronze seine Reliefs und Figuren und bemalt sie. Nichts Filigranes. Handfestes, wie etwa das Relief eines roten Porsches, der in Flammen steht. "Der 911 ist ja eine Ikone", erklärt Wagenblast dazu. Gut, dass es den alten, schwarzen Käfer gibt, der in Würde ganz ohne Abfackeln auf einer anderen kleinen Hand vor sich hin altern darf. Wagenblasts Weltenfahrer, mal als Saubermann auf einer heilen, mal verdreckt auf einer ramponierten Weltkugel. Witz und Mut. Aussage ohne Zeigefinger.

"Ich muss niemanden überzeugen mit meinen Arbeiten, aber ich mach mir davor natürlich meine Gedanken", sagt er. Nur Schönes darzustellen, das wäre ihm zu langweilig. Mitunter haben seine Arbeiten auch Beklemmendes. Das Relief von Notre-Dame etwa, in Brand gesetzt von einer Figur, die auf dem Dach der zerstörten Kathedrale thront. "Der Brand hat mich damals ziemlich schockiert", bekennt Wagenblast. Die Figur hat er schließlich selbst angeflammt. "Irgendwas hat vorher nicht gestimmt", erklärt er. Kunst, für die es nicht unbedingt ein Kopf-an-Kopf-Erforschen braucht. Es reicht auch der Mut, sie anzusehen. Den Witz und die Schönheit gibt es ohnehin mit obendrauf.

Ich muss niemanden überzeugen mit meinen Arbeiten.

Daniel Wagenblast Bildhauer und Maler

Die Ausstellung "Horizonte-Schönheitwitzundmut" mit Werken von Isa Dahl und Daniel Wagenblast ist noch bis zum 31. Juli in der Südwestgalerie in Niederalfingen zu sehen. Öffnungszeiten: Freitag bis Sonntag von 12 bis 17 Uhr.

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