Nachruf

Heidenheimer Geschäftsmann Achim Bullinger überraschend verstorben

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Der Heidenheimer Geschäftsmann Achim Bullinger ist verstorben.

Eine der bekanntesten und zugleich schillerndsten Figuren Heidenheims ist jetzt in einer Sindelfingener Klinik verstorben: der Geschäftsmann Achim Bullinger wurde nur 61 Jahre alt.

Heidenheim.

Wie jetzt bekannt wurde, starb der Geschäftsmann Achim Bullinger mit 61 Jahren in Sindelfingen. Er war mit Mitte 20 ein gefragter und studierter Trompeter auf dem Cannstatter Wasen, hat in den späten 1970er-Jahren aus dem Kofferraum heraus tausende Musikkassetten und die damals sensationellen Walkmen verkauft, dutzende Klaviere ohne eigenes Musikgeschäft vertrieben, sich in jungen Jahren seinen ersten Mercedes SL verdient.

Der Herbrechtinger machte Geschäfte. Umtriebig, von frühmorgens bis in die späte Nacht war er immer am Machen. Als kaum einer sich ein Handy leisten mochte, hatte er oft zwei gleichzeitig am Ohr. Heute würde man von einem einmaligen Netzwerker sprechen, der jedem schon immer (fast) alles rechtmäßig und vor allem günstig besorgen konnte.

Spielwaren von Bulli-Bär

Er hatte Erfolge mit einem Spielwaren-Geschäft (Bulli-Bär) in der Heidenheimer Innenstadt, einem Polo-Shirt-Handel und er erkannte früh einen riesigen Markt: bis zu 30 Franchise-Nehmer folgten dem „1. Heidenheimer Radhaus“ in Schnaitheim. Er trat als für die Stadt engagierter Bürger und Sponsor auf, zuletzt kam aus Dubai ein vom „Steinway Generalvertreter Bullinger“ vermittelter Flügel ins neue Congress Centrum.

Wegen Falschgeld im Gefängnis

Allerdings gab es auch Ende der 1990er-Jahre, Bullinger wohnte in einer Villa in Zang, undurchsichtige Geschäfte mit Partnern aus dem Ostblock. Sein riesiges Fahrradlager fiel einem nie völlig aufgeklärten Brand zum Opfer. Geldforderungen in Millionenhöhe glaubte er nur durch den Druck von Falschgeld bedienen zu können, weshalb er deshalb und wegen weiterer Delikte 1998 auch zu einer über vierjährigen Haftstrafe verurteilt wurde. Der Vorsitzende Richter am Landgericht Ellwangen sprach ihm damals in der Urteilsbegründung zugute, dass ihm wohl der Überblick über seine finanzielle Lage abhanden gekommen sei und er aus einer gewissen Not heraus gehandelt habe.

Illustre Kreise in Dubai

Im boomenden Dubai baute er sich nach der Haftentlassung mit einem Multimedia-Unternehmen und 20 Mitarbeitern in einem Wolkenkratzer eine neue Existenz auf, verkehrte – wie noch heute Bilder im Internet zeigen – in illustren Kreisen von Boris Becker über die Klitschkos bis zum Box-Promoter King und Skifahrerin und Ski-Club-Dubai Präsidentin Christa Kinshofer.

Aber auch dort lief wohl trotz Aufträgen von renommierten Hotelketten und Königshäusern nicht immer alles nach Plan. Bullinger saß im Gefängnis von Dubai in Abu Dhabi mehrere Monate ein.

Zurück nach Stuttgart

Erst vor einigen Jahren kam er zurück nach Stuttgart, gründete am Killesberg mehrere Firmen, die hochwertigen Sekt und Textilien vertrieben. Bullinger plante, die ausgezeichnete Heidenheimer Stadionwurst beim VfB Stuttgart zu vermarkten und war im vergangenen Dezember noch zur Eröffnung der Filiale der Firma Ciuarus Europe Gmbh in Nattheim. Dort wollten er und seine Lebensgefährtin, eine promovierte Zahnärztin, Frotteewaren und Polohemden verkaufen.

Die Signale seines Körpers nahm Achim Bullinger bis zuletzt nicht ernst genug, so dass er am Ende doch überraschend am Mittwoch in einer Klinik an einer Lungenembolie verstarb. Reinhard A. Richardon/HZ

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