Heubach leuchtet mitten in New York

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Die abgehängte Decke mit der LED-Beleuchtung wurde in Heubach gebaut, in Kisten verpackt und in New York aufgebaut.
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Wie die Firma Richter Lighting aus Heubach es geschafft hat, bei einem Bauprojekt des Stararchitekten Norman Foster in New York zum Zug zu kommen.

Heubach

If I can make it there ...“: Wenn ich es hier schaffe, dann kann ich es überall schaffen! So sang seinerzeit Frank Sinatra in seiner weltberühmten New-York-Hymne. Bernd und Marion Richter von Richter Lighting in Heubach haben dort, im Big Apple, Fuß gefasst. Am 20. Oktober wurde dort der vierthöchste Wolkenkratzer New Yorks eröffnet, eines der teuersten Gebäude in den Vereinigten Staaten, ein Bürogebäude mit 78 Stockwerken und knapp 280 000 Quadratmetern flexible Bürofläche mit eigenem, direkten U-Bahn-Anschluss, ein Milliarden-Projekt. Sir Norman Foster, jener Stararchitekt, der das Reichstagsgebäude in Berlin entworfen hat, hat auch dieses Gebäudeensemble, das „50 Hudson Yards“ geplant. Geschaffen werden sollte hochwertiger, komfortabler Raum, in dem gearbeitet wird.  Den Lobby-Bereichen hat Foster besondere Aufmerksamkeit gewidmet.

Und genau in diesen Lobby-Bereichen kommt Technik aus Heubach zum Einsatz. Eine warme, atmosphärisch beleuchtete Umgebung schaffen: Dafür erhielt Richter Lighting den Auftrag. Und lieferte ein Deckensystem mit LED-Leuchten, gebaut in Heubach, verpackt in Kisten und dann auf die Reise geschickt über den Teich.

Es begann vor zwölf Jahren

Doch wie kommt der Stararchitekt ausgerechnet auf die schwäbische Firma auf der Ostalb? Da muss Bernd Richter ein wenig ausholen. Das hat vor etwa zwölf Jahren angefangen, als die Heubacher sich an einem Wettbewerb beteiligt haben, in dem es darum ging, die Apple-Stores weltweit mit Beleuchtungstechnik auszustatten. Seither sind die Richters im Geschäft mit den Herstellern der Kult-Smartphones und entwickeln Beleuchtungs- und Deckensysteme für deren Hightech-Konsumtempel. Einer der bekanntesten ist der Apple-Shop an der Firth Avenue in New York – einer der Architekten: Norman Foster und sein Team. Dieser Apple-Shop gilt als einer der spektakulärsten auf der Welt. Die Decke: gigantische gewölbte Waben aus Stoff - hinter dem sich die Technik verbirgt, mit der Licht so gesteuert werden kann, wie das gewünscht wird. Foster und Richter: Man kennt sich also schon. Richter und sein Team gelten als die Experten, wenn's um etwas geht, was es noch nicht gibt. Ingo Tischer, promovierter Physiker und bei Richter im Bereich Forschung und Entwicklung tätig, erklärt: „Wenn der Kunde etwas Individuelles haben möchte in industrieller Präzision, dann können wir das machen.“

Gedrucktes Holz

Für den milliardenteuren Wolkenkratzer am Hudson-River sollte es etwas ganz Leichtes sein an den Decken der Lobby, in einem Bereich zum Beispiel etwas, das nach Holz aussieht, aber nicht brennt. Wie man das macht? „Wir drucken das auf die Deckenkonstruktion“, sagt Tischer. Dafür wird zunächst Holz, in diesem Fall ein Stück Mooreiche, gescannt mit einem Scanner, den die Richters selbst gebaut haben, weil man einen solchen nicht kaufen kann. Gedruckt wird dann eine Folie, allerdings mehrdimensional mit einem 3D-Drucker, so dass eine griffige Oberfläche entsteht, die nicht nur aussieht wie Holz, sondern die sich auch so anfühlt. In einem anderen Bereich sind es weiße Deckenplatten, in die die LED-Lichttechnik integriert ist. Die einzelnen Deckenteile werden übrigens komplett und Stück für Stück in Heubach gefertigt - lauter Einzelstücke, die einzeln montiert und auch einzeln wieder nachbestellt werden können, wenn es Schäden gibt. Dazu kommt eine umfangreiche Dokumentation, so dass die Montage mit simplem Werkzeug gelingt. Klingt ein bisschen nach  Ikea. Im Prinzip schon. „Doch bei uns fehlt nichts und die Dokumentation versteht jeder“, sagt Marion Richter.

Immens hoher Druck

Auf jeden Fall hat es gut geklappt - obwohl die Anforderungen sehr hoch gewesen seien. Der Druck vonseiten der Bauherren sei immens hoch gewesen. „Da gibt es kein Bitte und kein Danke“, sagt Richter über die New Yorker Baustelle. „Da kommt am Freitagabend der Anruf, dass dich jemand am Montagmorgen sehen möchte“ - und da gebe es keine Spielräume, berichtet Richter. Und immer seien gleich Anwälte im Spiel. „Härter geht's nicht“, sagt Richter. Allerdings sei wohlwollend zur Kenntnis genommen worden, dass die Schwaben alles eingehalten haben, was sie zugesagt hätten. Diese Zuverlässigkeit, die sei es auch, die den schwäbischen Mittelstand so sehr auszeichne, sagt Richter - und dabei hört man ein wenig den IHK-Funktionär - Richter gehört dem Präsidium der IHK-Ostwürttemberg ab. „Wir können reagieren, wir haben Werte, deswegen kommen die zu uns“, davon ist Richter überzeugt. Ja, und gelohnt habe sich die Geschichte auch. Nicht nur in finanzieller Hinsicht. Sondern auch, weil die Richters Kontakte haben knüpfen können - zu möglichen weiteren Kunden. Das tue gut. Denn die Corona-Jahre seien nicht gut gewesen. Jetzt brummt es wieder.

105 Mitarbeiter hat Richter Lighting derzeit. Zu wenig, wie Richter sagt. Es suche dringend Ingenieure, Fachkräfte Akademiker. Die holt er auch aus dem Ausland - 30 Nationen sind vertreten beim Personal. Aber er freut sich auch über Bewerbungen aus dem Ostalbkreis. 

Mit pfiffigen Gestaltungslösungen konnte Richter die Planer des vierhöchsten Gebäudes in New York überzeugen.
Der Tower in New York, in dem Richter Lighting mit seinen Lichtdecken für Akzente sorgt.
Der Apple-Shop an der Fifth Avenue in New York. Auch diese Decke stammt aus Heubach von Richter Lighting.

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