Hilft Klinikneubau gegen Mangel an Ärzten und Pflegekräften?

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Bürger hinterfragen in öffentlicher Diskussion mit Klinikvorständen im Mutlanger Forum die Klinikfusion.
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Mutlanger Bürger hinterfragen in öffentlicher Diskussion mit Klinikvorständen im Mutlanger Forum die Klinikfusion.

Mutlangen. Steigende finanzielle Verluste und ständig zunehmender Mangel an Ärzten und Pflegekräften nannten Vertreter der Ostalbklinikums am Dienstag als wichtigste Gründe für die aktuelle Diskussion im Ostalbkreis über eine Fusion, bei der aus bislang drei Kliniken zwei werden sollen. Mutlangens Bürgermeister Steffi Eßwein begrüßte etwa 100 Bürger, die ins Mutlanger Forum  gekommen waren. Und Fragen hatten.

Zuvor erläuterten vier Vertreter des Klinikums die aktuelle Situation. Vorstand Thomas Schneider wies auf die „dramatisch verschlechterte“ Finanzsituation hin. Lag der Verlust vor der Pandemie in 2019 noch bei etwa zwölf Millionen Euro, so sei dieser in 2021 auf über 20 Millionen Euro gestiegen. Gründe dafür seien Struktur- und Personalvorgaben der Politik. Brauche man für 20 Betten zehn Pflegekräfte, müsse man, wenn man diese nicht habe, Betten sparen. Insgesamt habe das Klinikum 2021 17,4 Prozent weniger Fälle gehabt als 2019. Schneider wies zudem auf steigende Energiekosten hin.

Patientenwohl, Mitarbeiterwohl und die öffentliche Trägerschaft, die Sicherheit bringe, seien Grundwerte, sagte der Vorstandsvorsitzende der Kliniken, Professor Dr. Ulrich Solzbach. Unter dem Personalmangel litten die Mitarbeiter, die Patienten und die Zuverlässigkeit, zum Beispiel bei OP-Terminen, sagte Solzbach. Von 950 Betten seien aktuell 140 Betten nicht belegbar. Auch Solzbach nannte Vorgaben der Politik, aber auch die demografische Entwicklung mit immer weniger nachkommenden Pflegekräften als Gründe für die Diskussion. „Der Personalmangel tritt gegenüber dem Euro in den Vordergrund“, sagte Solzbach.

„Wenn wir nicht die Leistungen an einem Ort konzentrieren, werden wir keine Ärzte und Pflegekräfte gewinnen“, sagte Professor Dr. Holger Hebart. Junge Leute wollten ein gutes Niveau. Hebart zufolge geht es um Leistungsbeschränkung oder Konzentration auf einen Standort. Seine Antwort: „Das Wichtigste sind gute Leistungen für die Menschen.“ Deshalb führe „aus ärztlicher Sicht an einer Zentralisierung von ärztlichen Leistungen kein Weg vorbei“.

Auch der Personalratsvorsitzende des Stauferklinikums, Fabian Wöller, skizzierte den Personalmangel. Aktuell fehlten zwölf Ärzte und 92 Pflegekräfte. Ohne Honorarkräfte sei ein Dienstplan rund um die Uhr nicht mehr möglich. Wöller berichtete von der Lenkungsgruppe zur Klinikfusion, die eine Zusammenlegung von Aalen und Mutlangen für die beste Lösung hält. Denn was werde aus Mutlangen neben einer neuen Klinik bei Aalen. Mutlangen werde keine qualifizierten Ärzte  mehr bekommen und Abteilungen verlieren. „Ist ein gemeinsamer Neubau zwischen Gmünd und Aalen mit modernster Technik nicht der beste Weg“, fragte Wöller.

Eine Frage, die Mutlanger Bürger aufgriffen. Ob ein Patient mit einem Herzinfarkt in Gschwend schnell genug in diese Klinik komme, fragte Melanie Keim. Es nütze nichts, wenn er in ein Krankenhaus komme, in dem keiner sei, der ihm helfe, sagte dazu Solzbach. „Sie werden auch in einem Neubau genauso wenig Personal haben“, sagte Bernhard Kottmann. Ja, man habe dann nicht mehr Personal, sagte dazu Solzbach. Die Frage sei jedoch, was man mit dem Personal dort machen könne.

Welche Klinikvarianten diskutiert werden

Diskutiert werden im Ostalbkreis aktuell drei Varianten: Eine davon ist, dass alles bleibt, wie es ist. Die zweite: Aus drei Kliniken wird ein sogenanntes Zentralklinikum für den gesamten Ostalbkreis. Die dritte Variante beinhaltet, dass aus drei Kliniken zwei werden. Diese gilt aktuell als die wahrscheinlichste. Dabei gibt es zwei Untervarianten. Die erste: Die Kliniken in Ellwangen und Aalen werden in einem Neubau zusammengeführt. Das Stauferklinikum Mutlangen bliebe dann mit einer Grundversorgung erhalten. Die zweite Untervariante: Die Kliniken in Aalen und Mutlangen werden zu einem großen Regionalversorgungskrankenhaus zusammengelegt. In diesem Fall bliebe die Virngrundklinik in Ellwangen als Grundversorgung bestehen.

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