Hinter den Kulissen des Impfzentrums

  • Weitere
    schließen
+
Seit einigen Wochen kann der Landkreis das Impftempo beständig steigern. Fotos/Grafik: dat/ca
  • schließen

Endlich läuft das Kreisimpfzentrum in Aalen mit rund 800 Impfungen pro Tag wie gewünscht unter Volllast. Ein Rundgang mit Peter Schmidt, einem der ärztlichen Leiter.

Aalen

Rund 800 Impfungen stehen an diesem Samstag im Aalener Kreisimpfzentrum auf dem Plan. „Hätten wir von Anfang an in diesem Tempo impfen können, wären wir vermutlich jetzt fast schon durch“, sagt Peter Schmidt, der zusammen mit Hariolf Zawadil das ärztliche Leitungsteam bildet. 800 Impfungen pro Tag – so lautet die Anforderung des Landes an die Kreisimpfzentren.

Seit Januar stehen sie bereit, doch der Start verlief zunächst holprig. 210 Impfungen – pro Woche! – mehr Impfstoff gab es für die Kreisimpfzentren zunächst nicht. Doch jetzt brummt es. „Wir werden das Ding rocken“, spricht Peter Schmidt um 7.45 Uhr zu den Helferinnen und Helfern und verteilt letzte organisatorische Informationen.

40 bis 50 Kräfte arbeiten pro Schicht im Kreisimpfzentrum. Im Schnitt etwa zehn Security-Mitarbeiter, zehn Soldaten, rund 25 Helferinnen und Helfer von Deutschem Roten Kreuz und den Maltesern sowie sechs bis acht Ärzte.

Auch über 1000 Impfungen am Tag wären hier machbar

Auf der ersten der acht Bahnen gibt es heute die Zweitimpfungen. Zwölf Impfungen pro Stunde und Bahn lautet die Kalkulation. Jede Bahn hat fünf Stationen: Registrierung, Wartebereich mit Aufklärungsvideo, ärztliches Gespräch, die Impfkabine und den Ruhebereich zur 15-minütigen Nachbeobachtung.

Betrieb ist hier in zwei Schichten von 7.30 bis 22.30 Uhr. Peter Schmidt hält deshalb auch deutlich mehr als 1000 Impfungen pro Tag für machbar – sofern es genügend Impfstoff für das Aalener KIZ gibt.

Der ärztliche Leiter Peter Schmidt (li.) und der Schichtleiter vom Dienst Björn Oppenheim bei einer Besprechung im Kreisimpfzentrum.

Am Eingangsbereich hat sich eine kleine Warteschlange vor der Anmeldung gebildet. Eine Altenpflegerin und ein Soldat kümmern sich um die Überprüfung der Unterlagen. Bei der Bundeswehr ist der junge Mann eigentlich zuständig für die Wartung von Hubschraubern. Gerade reicht eine Frau ihren Impfpass durch. Und eine Packung Pralinen in Herzform. „Danke für ihren Einsatz“, sagt sie.

Selten kommt es an dieser Stelle allerdings auch zu unschönen Szenen. Wenn etwa die Impfberechtigung nicht anerkannt wird. So zum Beispiel im Fall eines organtransplantierten Mannes, der die Bescheinigung des Facharztes vorlegen konnte, allerdings kein Zeugnis seines Hausarztes, das ihm konkret seine Impfberechtigung bestätigte und deshalb wieder heimgeschickt wurde. „So etwas wird nicht mehr vorkommen“, sagt Schmidt. Man habe den Ablauf nun nachgebessert – bevor jemand aufgrund eines Formfehlers weggeschickt wird, muss der Schichtleiter vom Dienst kontaktiert werden. Der setzt sich im Zweifel dann mit der ärztlichen Leitung in Verbindung, die die Diagnose gemäß Impfverordnung dann fachlich überprüfen kann. Im zweiten Anlauf hat es für den Mann mit der Impfung dann auch geklappt.

Schichtleiter vom Dienst ist an diesem Samstag Björn Oppenheim vom Aalener DRK. Er ist zuständig für die operative Leitung, kümmert sich um das Personal, die Technik und organisatorische Fragen. Und auch mit dafür, wie viel Impfstoff am Abend noch übrig bleibt. „Unser Ziel ist, nahezu auf Null zu kommen“, sagt er. Dies gelinge auch sehr gut. Regelmäßig tauchten abends Impfwillige ohne Termin auf und hofften auf Reste. Doch die Planung funktioniere so gut, dass es keine Reste gibt. Mitverantwortlich für eine möglichst exakte Terminplanung ist im Landratsamt ein mehrköpfiges Team um Ordnungsamtsdezernent Thomas Wagenblast.

Filigrane Arbeit mit den Impfstoffen im Akkord

Drei pharmazeutisch-technische Assistentinnen bereiten etwas abseits der acht Impfstraßen den Impfstoff vor. Peter Schmidt öffnet in dem kleinen Raum einen Kühlschrank. Unten liegt „Cominarty“ von BionTech/Pfizer, oben stehen Schachteln mit „Vaxzevria“ von AstraZeneca. Zu Beginn der Impfkampagne herrschte hier ziemliche Leere, jetzt ist er gut gefüllt.

Eine pharamzeutisch-technische Assistentin bereitet einen Corona-Impfstoff vor.

Die Arbeit der drei Frauen: filigran. Zumal das kleine Döschen von BionTech zuerst noch mit 1,8 Milliliter Natriumchlorid verdünnt werden muss. Dann werden sechs Spritzen mit genau 0,3 Millilitern vorbereitet – das erfordert eine ruhige Hand. Akkordarbeit.

Laufend holen die Helferinnen und Helfer Nachschub für die Impfkabinen. Die Apothekerin Miriam Schaum aus Aalen hat geholfen, die Abläufe einzurichten.

In einem großen Tiefkühlschrank lagern bei minus 73 Grad die restlichen BionTech-Vorräte. „Die sind in vier Tagen aufgebraucht“, sagt Schmidt. Etwa eine Woche vorher gibt es die genauen Informationen über neue Lieferungen. „Wir planen auf Kante“, sagt er. Der Impfstoff, der da ist, soll schnellstmöglich auch verimpft werden. Bislang habe das immer gut geklappt. Profis, in der Verwaltung des Mangels. Zwei Reserve-Tiefkühler laufen mit, falls es einen Ausfall gibt. Der Raum ist alarmgesichert, der Tiefkühler hat auch eine Temperaturwarnung, die im Fall der Fälle nachts beim Sicherheitsdienst Alarm schlagen kann.

Peter Schmidt beendet zufrieden den Rundgang. Die Warteschlange am Eingang wurde wieder ein bisschen länger. „Das ist gut“, sagt er. Viele wollen eine Impfung. Jetzt kann das Kreisimpfzentrum zeigen, was es kann. „Die Impfung ist der Weg zurück zur Normalität“, sagt Peter Schmidt.

Seit dem 22. Januar sei er jeden Tag für mindestens einige Stunden hier gewesen, sagt er und verweist auf den großen Einsatz der vielen Mitarbeiter hier: „Hinter jedem Helfer steht eine Familie, die das unterstützen muss“, sagt er.

Die Corona-Impfung ist der Weg zurück zur Normalität.“

Peter Schmidt, ärztlicher Leiter im KIZ
Die Tagesration an Impfstoff mit „Vaxzefria“ von AstraZeneca und „Cominarty“ von BionTech/Pfizer in einem Kühlschrank.

Die Impfzahlen im Ostalbkreis

Langsam kommt Geschwindigkeit in die Impfungen im Ostalbkreis. 24 623 haben eine Erstimpfung erhalten, hinzu kommen 9 333 Menschen mit vollem Impfschutz. Damit haben rund zehn Prozent aller Ostälbler sich im Landkreis impfen lassen - hinzu kommen Impfungen außerhalb des Landkreises, die dieser Statistik nicht zugeordnet werden können.

Impfverordnung: Eine Übersicht aller impfberechtigten Personen gibt es im Internet unter: www.impfen-bw.de

Zurück zur Übersicht: Ostalbkreis

Mehr zum Thema

WEITERE ARTIKEL