Hoffen auf den Sommer

  • Weitere
    schließen
+
Tonio Kleinknecht bei einer "Furor"-Probe.
  • schließen

Wie der Intendant des Theaters der Stadt Aalen, Tonio Kleinknecht, arbeitet und was er durch die Krise gelernt hat.

Langweilig wird es ihm nicht, auch wenn das Theater der Stadt Aalen seit Wochen für das Publikum geschlossen ist. Dabei hat der Intendant samt Team seit ein paar Monaten im "KubAA" ein schmuckes, neues Dach über dem Kopf. Und auch wenn die Zuschauerränge dort aktuell wie in allen Theatern landauf, landab wegen des Lockdowns leer bleiben müssen, ist ein großes Haus in Zeiten der Pandemie durchaus von Vorteil, wie Kleinknecht erklärt. "Wir haben hier ja große Räumlichkeiten", sagt er. Man kann sich aus dem Weg gehen.

Theaterproben auf Abstand, das geht also. Ende Januar hat Tonio Kleinknecht die Proben für das Stück "Furor", bei dem er Regie führt, abgeschlossen. Statt im Alten Rathaus im WiZ, wo das Theater aktuell ebenfalls noch seine Räumlichkeiten hat. "Das alte Rathaus ist zu klein, um dort irgendetwas zu machen", erklärt Kleinknecht dazu.

Umdisponieren, ausweichen, Szenerien planen und umwerfen, im Moment ist aber vor allem das und nicht die künstlerische Arbeit Kleinknechts täglich Brot. "Wir hatten eigentlich die Hoffnung, im Februar oder März wieder spielen zu können", sagt er. Das gehe jetzt voraussichtlich aber auch nicht. Wahrscheinlicher sei ein Termin nach den Osterferien. Deswegen hat das Theater – man ahnt es – umgeplant. Die Theaterferien, die sonst parallel zu den Schulferien laufen, werden vorgezogen. Damit sei man nach Ostern gleich bereit, wenn es tatsächlich losgehen soll, so der Intendant. Für "Furor" etwa brauche man für die Beleuchtungsproben noch eine Woche Vorlauf. Dann könne man das rausbringen. "Es hat gut getan, mal wieder analog zu proben", so der Theatermacher.

Die Proben sind ein wichtiger Bestandteil der Theaterarbeit – vor allem auch für Schauspielerinnen und Schauspieler, die zwar immer wieder zu Gast in Aalen sind, aber nicht fest als Ensemblemitglieder angestellt sind. "Wenn wir proben dürfen, dann machen wir das auch deshalb", sagt Tonio Kleinknecht. Dann eben in kleineren Einheiten und mit mehr Pausen. Und so hat das Theater mit "Ox & Esel – eine Art Krippenspiel" ein fertiges Weihnachtsstück und den "Frankenstein" quasi fertig in der Schublade. "Ox & Esel" wird kommende Weihnachten gezeigt, "Frankenstein" zum Auftakt der neuen Spielzeit 2021/2022 im Herbst.

Es hat gut getan, mal wieder analog zu proben.

Tonio Kleinknecht Intendant Theater der Stadt Aalen

Auch Tonio Kleinknecht spürt wie so viele andere die Anstrengung, die durch den Lockdown da ist. Auch er kennt Homeschooling, ist zweimal vormittags dabei, wenn zwei 7-jährige Mädchen unterrichtet werden. Die Theaterarbeit habe sich gerade auch dadurch etwas verschoben in Richtung Abend. Was ihn bei allen Widrigkeiten freue, sei, dass die Intendanten im Land in der Pandemie mehr zusammengerückt, der Kontakt zum Kulturministerium intensiver geworden sei.

Daneben sieht es Kleinknecht auch als seine Aufgabe, die "Motivation hochzuhalten", was momentan gar nicht so einfach sei. Habe man im Oktober noch bei einer Inzidenz von über 100 gespielt, habe er mit "Schrecken gesehen", dass etwa in Schleswig-Holstein und Niedersachsen geplant sei, bei einer 50-er-Inzidenz die Restaurants zu öffnen, die Theater und andere Kultureinrichtungen aber erst bei einer 25-er-Inzidenz. "Das macht mich traurig", so Kleinknecht, der nochmals die Situation der freiberuflichen Kollegen betont, gegenüber denen er sich dann schon "privilegiert" fühle. "Was wir arbeiten können, arbeiten wir". In Kurzarbeit sei aber die Theaterpädagogik und der Leiter des Kinder- und Jugendtheaters.

Auch wenn die Einnahmen fehlen – Mutlosigkeit ist für Kleinknecht keine Option. Es wird Frühling und es gibt Pläne für den Sommer. Man hoffe, dass es dann mehr geimpfte und geringere Infektionszahlen gebe, so der Intendant. "Mit in die Tonne treten, sind wir ja geübt. Aber wir hoffen, dass wir das nicht mehr müssen."

Was das Theater für den Sommer plant

Noch in dieser Spielzeit will das Theater der Stadt Aalen "Furor" auf die Bühne bringen, ein Kooperationsstück mit O-Ton Stuttgart und "Romeo und Julia" wieder aufnehmen. Für das Freilichttheater sei ein Klimaschwerpunkt geplant, so Kleinknecht, unter anderem das Stück "Planet der Hasen", mit dem man Touren könne. Zudem als Sommerproduktion im Kulturbahnhof ein Liederabend mit der Beteiligung des Bürgerchors und Extraveranstaltungen mit den anderen Nutzern des KuBAA.

Auch wenn die Zuschauerplätze im Aalener Theater wegen des Lockdowns immer noch unbesetzt bleiben müssen. Mutlosigkeit ist für Intendant Tonio Kleinknecht keine Option. Es wird Frühling und es gibt Pläne für den Sommer.

Zurück zur Übersicht: Ostalbkreis