Impfmuffel leben gefährlich

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Eine Situation, wie sie täglich geschehen kann: Der Nachbar hat einen neuen Hund, der erst freundlich schnüffelt und dann doch überraschend zubeißt. Der Schmerz ist erträglich, aber was, wenn durch den Biss Keime übertragen wurden? Hand aufs Herz, haben Sie noch einen Tetanus-Vollschutz?

Deutsche gelten als Impfmuffel, zumal es hier, im Gegensatz zu vielen Ländern der Welt, keine Impfpflicht gibt, weiß Dr. med. Klaus Walter, der Leiter des Geschäftsbereichs Gesundheit bei der Landkreisverwaltung. Dabei seien Impfungen lebenswichtig, fügt er hinzu. Wir haben einige Fragen zum Thema Impfungen formuliert und diesen Antworten von Dr. Walter gegenübergestellt. Ergänzungen kommen von der Ständigen Impfkommission am Robert Koch-Institut.

Das sind Tetanus, Diphtherie, Keuchhusten und Kinderlähmung.

Impfungen gegen Diphtherie und Tetanus sollten alle zehn Jahre aufgefrischt werden, sagt Walter. Das ist in der Regel eine Kombi-Impfung. Nur ein Piks ist nötig. Wird zudem die Keuchhustenimpfung aufgefrischt, erhalten Erwachsene zwar denselben Impfstoff wie Kinder, aber weniger davon. Weiter sollte man fünf Polio-Impfungen haben. Hier ist nur eine Auffrischung bis zum Alter von 17 Jahren nötig.

Nach 1970 Geborene sollten einmal gegen

geimpft worden sein. Röteln sind für Kinder im Mutterleib gefährlich, doch eine Impfung empfiehlt sich nicht nur für Frauen, sondern auch für Männer, weil die das Virus übertragen können. Wer viel in der Natur unterwegs ist, für den empfiehlt sich eine

. Auch im Kreis gibt es Zecken, die diese Krankheit übertragen. Gegen die Borreliose, die auch von Zecken übertragen wird, gibt es keinen Impfstoff. Hier hilft genaues Absuchen des Körpers nach Zecken, da das Borreliosebakterium in den ersten zwölf Stunden des Zeckenbisses noch nicht übertragen wird. Wer in engem körperlichen Kontakt mit Menschen ist, wer einen Pflegeberuf ausübt oder Reinigungsdienste verrichtet, sollte sich gegen

impfen lassen. Polizisten, Laborbeschäftigten oder Dialysepatienten ist auch eine Impfung gegen

zu empfehlen.

"Diese Impfung ist gut, auch wenn das manche nicht glauben wollen", meint Dr. Walter. Krank werde davon niemand. Diese Impfung ist eine so genannte Totimpfung, sie beinhaltet keine lebenden Erreger und kann daher gar nicht krank machen. Eine jährliche Grippeschutzimpfung empfiehlt sich für alle, nicht nur für Menschen ab dem 60. Lebensjahr, vor allem für jene, die viel mit Menschen zu tun haben. Zwischen 3000 und 5000 Menschen sterben jährlich an der Influenza. Was viele für die Grippe halten, sind nur die Auswirkungen vieler verschiedener Erkältungsviren, mit denen ein Mensch zu tun hat. Grippale Infekte. Man wird zwar immun gegen jeden einzelnen, aber weil es so viele gibt, erleidet man immer wieder aufs Neue eine Erkältung. "Das gefährliche Influenza-Virus dagegen ist ein Meister der Mutation. Das Virus formiert sich jedes Jahr neu. Die Wissenschaft hinkt in der Entwicklung der passenden Impfstoffe stets ein paar Monate hinterher. Dennoch sollte man sich impfen lassen."

Kaum, eine Überimpfung wird unkritisch gesehen. Wichtig ist aber bei vielen Impfungen, dass die Impfintervalle nicht zu kurz sind. Mindestens sechs Monate sollten zwischen den meisten Auffrischungsimpfungen liegen.

Prinzipiell kann das ganze Jahr über geimpft werden. Die Grippeimpfung macht im Herbst am meisten Sinn und ein Gipfel für FMSE-Fälle liegt sicher im Sommer.

"Ja, jeder."

"Die Mehrheit der Ärzte hält sich inzwischen an die Empfehlungen der Impf-Kommission. Aber es gibt auch Impfgegner, was für mich Körperverletzung gleichkommt, wenn man betrachtet, wie viel Schaden ohne eine Impfung entstehen kann. Vor Jahren war Deutschland was Impfungen anging ein Entwicklungsland. In den USA warf man uns vor, wir hätten dort die Masern eingeschleppt, nicht ganz zu unrecht. Inzwischen ist die Situation besser geworden."

Welche Impfungen als Pflichtleistung von allen gesetzlichen Krankenkassen übernommen werden, ist 2007 neu geregelt worden. Nach Paragraf 20 des Sozialgesetzbuches V (SGB V) haben Versicherte Anspruch auf Leistungen für Schutzimpfungen im Sinne des Paragrafen 2 , Nr. 9 des Infektionsschutzgesetzes (IfSG). "Die Kassen bezahlen alle Standardimpfungen. Diese sind auch von der Deckelung ausgeschlossen. Wer eine besondere Impfung benötigt und volljährig ist, sollte vor der Impfung bei seiner Krankenkasse nachfragen."

Das trifft tatsächlich auf einige Menschen zu. Aber dies ist kein Grund, notwendige Impfungen zu verschieben, fehlende Impfungen nicht nachzuholen oder eine Grundimmunisierung nicht zu beginnen. "Wer keinen Impfpass mehr hat, kann sich einen neuen ausstellen lassen, entweder beim Gesundheitsamt oder in einer Arztpraxis. Früher haben die Gesundheitsämter Listen über Impfungen geführt, doch dies ist längst nicht mehr der Fall. Der Hausarzt weiß zumindest über die Zeit Bescheid, in der ein Patient seine Praxis konsultiert hat. Und im Gespräch mit seinem Arzt lässt sich individuell herausfinden, welche Impfungen ein Patient bereits haben müsste und welche nicht."

Hierzu gibt es eine klare Empfehlung der Ständigen Impfkommission am Robert Koch-Institut (STIKO). Diese lautet:

 "Auch Erwachsene sollten alle für ihre Altersgruppe empfohlenen Impfungen und Nachholimpfungen gegen Tetanus, Diphtherie, Pertussis und Poliomyelitis erhalten. Ungeimpfte und Personen mit unklarem Impfstatus können drei Dosen eines Td- oder Td-IPV-Kombinationsimpfstoffs erhalten.

 Für den Pertussis-Impfschutz sollte bei der ersten Impfung ein Tdap- bzw. T dap-IPV-Kombinationsimpfstoff verwendet werden. Td-Auffrischimpfungen (Tetanus) sollten jeweils zehn Jahre nach der voran gegangenen Impfung erfolgen. Bei der ersten fälligen Auffrischimpfung sollte einmalig ein Tdap-Kombinationsimpfstoff verwendet werden.

 Nach 1970 geborene Personen sollten eine einmalige Masern-Impfung, vorzugsweise mit einem MMR-Impfstoff, erhalten.

 Frauen im gebärfähigen Alter sollten eine zweimalige Röteln-Impfung mit einem MMR- Impfstoff erhalten.

 Ab dem Alter von 60 Jahren empfiehlt sich die einmalige Impfung gegen Pneumokokken und die jährliche Impfung gegen Influenza." (siehe auch Impffahrplan unten.)

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