Impfpflicht: Sorge ums Klinikpersonal

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Pandemie-Situation an den Kliniken
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Ab 15. März müssen alle Beschäftigte an den Kliniken im Ostalbkreis nachweisen, dass sie geimpft oder genesen sind. Die Impfpflicht wird von manchen Mitarbeitern als ungerecht empfunden.

Aalen

Mitte März soll sie kommen: die Impfpflicht für Beschäftigte in Krankenhäusern. Bis zum 15. März, so sieht es das Gesetz zur Impfprävention vor, müssen ausnahmslos alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Krankenhäusern ihren Impfnachweis erbracht haben: von der Reinigungskraft bis zum Professor. Was bedeutet das für die Beschäftigten der Kliniken im Ostalbkreis? Und welche Auswirkungen sind für den Betrieb in den Kliniken zu erwarten? Auf die Fragen von SchwäPo und Gmünder Tagespost antwortet Ralf Mergenthaler, Pressesprecher der Kliniken Ostalb.

 Wie gehen Sie an den Kliniken im Ostalbkreis damit um - wie stellen Sie den Status ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter fest?

Ralf Mergenthaler: Die zentrale Regelung des Gesetzes ist die Einführung einer Coronavirus-Impfpflicht für Beschäftigte im Gesundheitswesen nach dem Vorbild der Masern-Impfpflicht. Auch die Beschäftigten der Kliniken Ostalb müssen daher bis zum 15. März Nachweise entweder zum gültigen vollen Impfschutz oder zur Genesung vorlegen - oder eine Arztbescheinigung, dass sie nicht geimpft werden können.

Und was machen Sie bei Mitarbeitern, die einen solchen Nachweis nicht bringen bis zum 15. März?

Bei Nicht-Vorlage des Immunisierungs- oder eines Genesenennachweises müssen die Kliniken Ostalb das Gesundheitsamt informieren, das seinerseits nochmals zur Vorlage eines Nachweises auffordert - und bei Nichtbefolgung sowohl ein Bußgeld, als auch ein Zutritts- oder Beschäftigungsverbot aussprechen kann.

Thema Pflege: Ihre Einschätzung - Wie viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter speziell im Bereich Pflege sind nicht geimpft?

Da wir diese Nachweise derzeit einfordern, haben wir aktuell noch keine konkreten Zahlen. Wir gehen allerdings von einer Impfquote von circa 90 Prozent im Bereich der Pflege aus.

Dann hätten wir zehn Prozent von Mitarbeitern, die nicht geimpft sind. Haben Sie Hinweise, dass sich aufgrund der nahenden Impfpflicht MitarbeiterInnen, die das bislang nicht gemacht haben, doch noch impfen lassen?

Wir haben hier keine konkreten Hinweise, hoffen aber natürlich, dass sich bisher Unentschlossene doch noch mit Sachargumenten für eine Impfung entscheiden.

 Pflegerinnen und Pfleger wachsen ja nicht auf den Bäumen: Wie gehen Sie damit um, wenn die Mitarbeiter sagen: „Wenn ich geimpft sein muss, dann suche ich mir einen anderen Job“? 

Die Umsetzung einer allgemeinen Impfpflicht dauert leider zu lange. Dass das Gesundheitswesen nun als erster Bereich herausgegriffen wird, nehmen sicherlich viele unserer Mitarbeiter als ungerecht wahr.  Da das Gesetz im gesamten Gesundheitswesen greift, müsste ein „anderer Job“ zwangsläufig in einer ganz anderen Branche gefunden werden.

Wie viele Kündigungen haben bislang deshalb?

Eine Kündigung im Zusammenhang mit dem Impfstatus gab es in den Kliniken Ostalb bisher nur von einem Mitarbeiter.

Wie organisieren Sie, dass die Pflegequalität erhalten bleibt?

 Aktuell hoffen wir, dass sich durch die Impfpflicht keine weiteren Personallücken auftun. Diese könnten wir nur sehr schwer schließen. Ohnehin gab es schon vor der Pandemie Personalnöte. Daher würde eine Verschärfung der Personalsituation eine noch größere Herausforderung zur Erhaltung der Pflegequalität darstellen. 

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sammeln Unterschriften gegen die Impfpflicht am Ostalb-Klinikum: Wie gehen Sie damit um?

Es ist das Recht der Meinungsäußerung eines jeden Mitarbeiters. Jedoch ist ein Gesetz ein Gesetz, das bedeutet, dass diese Regeln befolgt werden müssen.

  • Die „einrichtungsbezogene Impfpflicht“
  • Patientinnen, Patienten und Pflegebedürftige sollen besser vor einer Covid-19-Infektion geschützt werden. Deshalb müssen Beschäftigte in Einrichtungen des Gesundheits- und Pflegebereichs künftig nachweisen, dass sie geimpft oder genesen sind oder aus medizinischen Gründen nicht geimpft werden können. Diese einrichtungsbezogene Impfpflicht ist Teil eines Gesetzes, das Bundestag und Bundesrat verabschiedet haben.
  • Einrichtungsbezogene Impfpflicht: Beschäftigte von beispielsweise Kliniken, Pflegeheimen, Arztpraxen und Rettungsdiensten müssen bis zum 15. März ihrem Arbeitgeber einen Nachweis über eine abgeschlossene Impfung, einen Genesenennachweis, oder ein ärztliches Attest, dass sie nicht geimpft werden können, vorlegen. Arbeitgeber haben das zuständige Gesundheitsamt zu informieren, wenn die Nachweise nicht fristgerecht vorgelegt werden oder Zweifel an der Echtheit oder Richtigkeit der vorgelegten Nachweise bestehen. Das Gesundheitsamt kann die Beschäftigung in – oder den Zutritt zu - den Einrichtungen, in den die Nachweispflicht gilt, untersagen.
Die Intensivstationen in den Kliniken Ostalb

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