Impfstart in Baden-Württemberg – das müssen Sie jetzt wissen

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Wer ist zuerst dran? Wie funktionieren die Anmeldungen? Wie sieht es im Ostalbkreis aus?

Stuttgart/Aalen. An diesem Sonntag gab es um genau 13.20 Uhr die erste Corona-Schutzimpfung in Baden-Württemberg. Ministerpräsident Winfried Kretschmann und Sozialminister Manfred Lucha (Grüne) haben das Zentrale Impfzentrum in der Stuttgarter Liederhalle eröffnet und waren bei der symbolisch ersten Spritze dabei, die eine Klinikmitarbeiterin erhalten hat. Allerdings gibt es zum Start nur sehr begrenzt Impfstoff, es wird bis weit in das kommende Jahr dauern, bis jeder, der es möchte, auch geimpft werden kann. Das müssen Sie jetzt wissen:

Wo beginnen die Impfungen?

Am Wochenende ist die erste Lieferung mit knapp 10.000 Impfdosen des Herstellers Biontech/Pfizer in Baden-Württemberg eingetroffen. Das teilt das Sozialministerium mit. Gleichzeitig können ab sofort über die Impftermin-Servicehotline des Landes, die über die Rufnummer 116 117 zu erreichen ist, Termine für folgende Zentrale Impfzentren (ZIZ) gebucht werden: Robert-Bosch-Krankenhaus Stuttgart, Klinikum Stuttgart (Standort Liederhalle), Rot am See, Heidelberg, Mannheim und Freiburg. Auch die Vergabe von Terminen in den Impfzentren Tübingen, Ulm, Offenburg und Karlsruhe soll in Kürze möglich sein, so das Sozialministerium in seiner Mitteilung. Aufgrund der derzeitigen begrenzten Verfügbarkeit von nur einem Impfstoff sei damit zu rechnen, dass die ersten angebotenen Termine schnell vergeben sein werden. Es werden nach und nach mit weiteren Impfstofflieferungen neue Termine angeboten. Zum 15. Januar gehen dann neben den ZIZ auch die Kommunalen Impfzentren (KIZ) in allen Stadt- und Landkreisen in Betrieb - also auch im Ostalbkreis.

Wann geht es im Ostalbkreis los?

Dazu teilt das Landratsamt mit: "Bereits ab dem 27. Dezember 2020 sollen im Ostalbkreis erste Impfungen gegen COVID-19 durchgeführt werden. Die Impfstrategie sieht vor, dass vorrangig diese Impfungen in Alten-/Pflegeheimen und teilweise auch in Einrichtungen der Eingliederungshilfe durch sog. Zentrale Impfzentren bzw. die dortigen Mobilen Impfteams des Ministeriums für Soziales und Integration durchgeführt werden. Um unnötige Verzögerungen im Impfprozess zu vermeiden, hat das Ministerium für Soziales und Integration die Einrichtungen darum geben, mit einem Aufklärungsblatt und einem Anamnese- und Einwilligungsbogen auf die Bewohner*innen, Beschäftigten und Betreuer*innen zuzugehen und die Impfbereitschaft abzufragen und impfwillige Personen an Mobile Impfteams zu melden."

Entsprechend den Vorgaben des Sozialministeriums Baden-Württemberg wird das Kreisimpfzentrum (KIZ) des Ostalbkreises spätestens am 15. Januar 2021 betriebsbereit sein. Die wesentliche Infrastruktur wurde hierzu bereits in der Ulrich-Pfeifle-Halle installiert. Auch mobile Impfteams sind organisiert und stehen spätestens ab 15. Januar 2021 bereit. Für den Betrieb des Impfzentrums läuft aktuell noch die Abstimmung mit dem Sozialministerium bezüglich der Organisation des nichtärztlichen medizinischen Personals für das Kreisimpfzentrum. Auch der Aufruf des Ostalbkreises zur Suche von qualifiziertem Personal für das Kreisimpfzentrum wird fortgesetzt. Über die Anzahl des verfügbaren Impfstoffes ab Beginn der Impfkampagne können wir aktuell noch keine Auskunft geben."

Wann bin ich an der Reihe, mich impfen zu lassen?

Dazu teilt das Sozialministerium mit: Priorisiert geimpft werden Bürgerinnen und Bürger, die ein besonders hohes Risiko für einen schweren oder tödlichen Krankheitsverlauf oder ein besonders hohes berufliches Risiko haben, sich oder schutz­bedürftige Personen anzustecken. Die Coronavirus-Impfverordnung des Bundes führt diejenigen Personen auf, die zuerst eine Impfung erhalten sollen.

Die Priorisierung erfolgt in drei Gruppen – untergliedert in die Kategorien "höchste Priorität", "hohe Priorität" und "erhöhte Priorität".

Gruppe 1: Personengruppen mit höchster Priorität

  • Personen, die das 80. Lebensjahr vollendet haben.
  • Personen, die in stationären Einrichtungen zur Behandlung, Betreuung oder Pflege älterer oder pflegebedürftiger Menschen behandelt, betreut oder gepflegt werden oder tätig sind.
  • Personen, die im Rahmen ambulanter Pflegedienste regelmäßig ältere oder pflegebedürftige Menschen behandeln betreuen oder pflegen.
  • Personen, die in Bereichen medizinischer Einrichtungen mit einem sehr hohen Expositionsrisiko in Bezug auf das Coronavirus SARS-CoV-2 tätig sind .
  • Personen, die in medizinischen Einrichtungen regelmäßig Personen behandeln, betreuen oder pflegen, bei denen ein sehr hohes Risiko für einen schweren oder tödlichen Krankheitsverlauf nach einer Infektion mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 besteht.

Gruppe 2: Personen mit hoher Priorität:

  • Personen, die das 70. Lebensjahr vollendet haben.
  • Personen, bei denen ein sehr hohes oder hohes Risiko für einen schweren oder tödlichen Krankheitsverlauf nach einer Infektion mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 besteht: Personen mit Trisomie 21, Personen mit einer Demenz oder mit einer geistigen Behinderung, Personen nach Organtransplantation.
  • eine enge Kontaktperson von pflegebedürftigen oder von schwangeren Personen.
  • Personen, die in stationären Einrichtungen zur Behandlung, Betreuung oder Pflege geistig behinderter Menschen tätig sind oder im Rahmen ambulanter Pflegedienste regelmäßig geistig behinderte Menschen behandeln, betreuen oder pflegen.
  • Personen, die in Bereichen medizinischer Einrichtungen mit einem hohen oder erhöhten Expositionsrisiko in Bezug auf das Coronavirus SARS-CoV-2 tätig sind.
  • Polizei- und Ordnungskräfte, die in Ausübung ihrer Tätigkeit zur Sicherstellung öffentlicher Ordnung, insbesondere bei Demonstrationen, einem hohen Infektionsrisiko ausgesetzt sind.
  • Personen, die im öffentlichen Gesundheitsdienst oder in besonders relevanter Position zur Aufrechterhaltung der Krankenhausinfrastruktur tätig sind.
  • Personen, die in Einrichtungen nach § 36 Absatz 1 Nummer 3 oder 4 des Infektionsschutzgesetzes untergebracht oder tätig sind.

Gruppe 3: Personen mit erhöhter Priorität

  • Personen, die das 60. Lebensjahr vollendet haben.
  • Personen, bei denen ein erhöhtes Risiko für einen schweren oder tödlichen Krankheitsverlauf nach einer Infektion mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 besteht:
  • Personen mit Adipositas (Personen mit Body-Mass-Index über 30). Personen mit chronischer Nierenerkrankung.
  • Personen mit chronischer Lebererkrankung.
  • Personen mit Immundefizienz oder HIV-Infektion.
  • Personen mit Diabetes mellitus, Personen mit einer Herzinsuffizienz, Arrhythmie, einem Vorhofflimmern, einer koronaren Herzkrankheit oder arterieller Hypertension.
  • Personen mit zerebrovaskulären Erkrankungen oder Apoplex.
  • Personen mit Krebserkrankungen.
  • Personen mit COPD oder Asthma bronchiale.
  • Personen mit Autoimmunerkrankungen oder rheumatischen Erkrankungen.
  • Personen, die in besonders relevanter Position in staatlichen Einrichtungen tätig sind, insbesondere in den Verfassungsorganen.
  • In den Regierungen und Verwaltungen, bei den Streitkräften, bei der Polizei, beim Zoll, bei der Feuerwehr, beim Katastrophenschutz einschließlich Technisches Hilfswerk und in der Justiz.
  • Personen, die in besonders relevanter Position in weiteren Einrichtungen und Unternehmen der Kritischen Infrastruktur tätig sind, insbesondere im Apothekenwesen, in der Pharmawirtschaft, in der Ernährungswirtschaft, in der Wasser- und Energieversorgung, in der Abwasserentsorgung und Abfallwirtschaft, im Transport- und Verkehrswesen sowie in der Informationstechnik und im Telekommunikationswesen.
  • Personen, die in Bereichen medizinischer Einrichtungen mit niedrigem Expositionsrisiko in Bezug auf das Coronavirus SARS-CoV-2 tätig sind, insbesondere in Laboren, und Personal, welches keine Patientinnen oder Patienten mit Verdacht auf Infektionskrankheiten betreut.
  • Personen, die im Lebensmitteleinzelhandel tätig sind.
  • Personen, die als Erzieher oder Lehrer tätig sind.
  • Personen, mit prekären Arbeits- oder Lebensbedingungen.

Wie sieht das im Ostalbkreis aus?

Wir haben uns die demographische Situation im Ostalbkreis im Hinblick auf die drei Risikogruppen genauer angeschaut. Die Rechnungen sind natürlich nur rein theoretisch und gehen von einer maximal möglichen Zahl an Impfungen aus – die es allerdings aufgrund des zunächst begrenzt verfügbaren Impfstoffs nicht geben kann. 

Gruppe 1: Personengruppen mit höchster Priorität

Im Ostalbkreis sind rund 21.000 Menschen 80 Jahre oder älter. Hinzu kommen etwa 4000 Personen in der ambulanten und stationären Altenpflege. Etwa 2600 Menschen leben in Alten- und Pflegeheimen (wovon allerdings ein Teil in der Altersgruppe der 80-Jährigen und Älteren bereits mitgezählt ist. Hinzu kommt weiteres Personal in medizinischen Einrichtungen.

Das Kreisimpfzentrum im Ostalbkreis ist auf 800 Impfungen am Tag ausgelegt. Rechnerisch wird bei 800 Impfungen pro Tag diese Gruppe von geschätzt 30.000 Menschen innerhalb von 38 Tagen die erste von zwei Impfdosen erhalten können. Nach 21 oder 28 Tagen Pause (je nach Impfstoff) werden sie die zweite Dosis erhalten müssen. Die Vervollständigung der Impfserie bei Personen, die bereits eine erste Schutzimpfung erhalten haben, hat Priorität vor dem Beginn der Schutzimpfung weiterer Personen, die noch keine Schutzimpfung erhalten haben.  

 Hinzu kommen allerdings weitere Impfungen von mobilen Teams in Alten- und Pflegeheimen. 

Gruppe 2: Personen mit hoher Priorität:

In der Gruppe vor Ihnen mit sehr hoher Priorität befinden sich rund 30.000 Menschen, die zuerst dran sind. 

Im Ostalbkreis sind etwa 28.000 Menschen zwischen 70 und 79 Jahre alt. Hinzu kommen weitere Personen, unter anderem aufgrund Ihrer Beschäftigung. Das Kreisimpfzentrum im Ostalbkreis ist auf 800 Impfungen am Tag ausgelegt. Rechnerisch wird bei 800 Impfungen pro Tag diese Gruppe von geschätzt 30.000 Menschen innerhalb von 38 Tagen die erste von zwei Impfdosen erhalten können. Nach 21 oder 28 Tagen Pause (je nach Impfstoff) werden sie die zweite Dosis erhalten müssen. Die Vervollständigung der Impfserie bei Personen, die bereits eine erste Schutzimpfung erhalten haben, hat Priorität vor dem Beginn der Schutzimpfung weiterer Personen, die noch keine Schutzimpfung erhalten haben. 

Gruppe 3: Personen mit erhöhter Priorität

In den Gruppen vor Ihnen mit hoher und sehr hoher Priorität befinden sich rund 60.000 Menschen, die zuerst dran sind. 

Im Ostalbkreis sind etwa 40.000 Menschen zwischen 60 und 69 Jahre alt. Hinzu kommen zahlreiche weitere Beschäftigte in Bildungseinrichtungen und der kritischen Infrastruktur. Das Kreisimpfzentrum im Ostalbkreis ist auf 800 Impfungen am Tag ausgelegt. Rechnerisch wird bei 800 Impfungen pro Tag diese Gruppe von geschätzt 55.000 Menschen innerhalb von  69 Tagen die erste von zwei Impfdosen erhalten können. Nach 21 oder 28 Tagen Pause (je nach Impfstoff) werden sie die zweite Dosis erhalten müssen. Die Vervollständigung der Impfserie bei Personen, die bereits eine erste Schutzimpfung erhalten haben, hat Priorität vor dem Beginn der Schutzimpfung weiterer Personen, die noch keine Schutzimpfung erhalten haben. 

Die Schätzung geht von einer reibungslosen Produktion und Verteilung des Biontech-Impfstoffes aus. Verzögert sich diese, verzögern sich auch die Impfungen. Sollte im Ostalbkreis mehr Impfstoff als bislang angekündigt zur Verfügung stehen, könnte der Prozess auch schneller ablaufen. Sollten Impfstoffe zur Verfügung stehen, die einfacher gelagert werden können, sind Impfungen in Arztpraxen denkbar – auch das würde den Prozess deutlich beschleunigen.

Wie läuft eine Impfung ab?

Das haben wir in unserem Artikel über das Kreisimpfzentrum in der Ulrich-Pfeifle-Halle genau beschrieben. Wichtig: Nur wer angemeldet ist, kann auch geimpft werden.

Wer bezahlt die Impfung? 

Für die Bürgerinnen und Bürger ist die Impfung unabhängig von ihrem Versicherungsstatus kostenlos. Die Kosten für den Impfstoff übernimmt der Bund. Das Land Baden-Württemberg trägt gemeinsam mit den gesetzlichen Krankenversicherungen und den privaten Krankenversicherungen die Kosten für den Betrieb der Impfzentren.

Sind Nebenwirkungen möglich?

Wie bei jeder Impfung, können auch nach der Corona-Schutzimpfung Impf-Reaktionen und Nebenwirkungen auftreten. Impf-Reaktionen treten in der Regel kurz nach der Impfung auf und halten wenige Tage an. Wenn kurz nach der Impfung im Nachbeobachtungsraum Nebenwirkungen auftreten sollten, hilft das medizinische Fachpersonal vor Ort.

Müdigkeit, Kopfweh, Schmerzen an der Einstichstelle – das sind bei Impfungen übliche Nebenwirkungen, auf die man sich einstellen muss.

Falls im Nachgang der Impfung gesundheitliche Probleme auftreten, sollte man sich umgehend an die Hausärztin oder den Hausarzt sowie in dringenden Fällen oder außerhalb der Öffnungszeiten an den ärztlichen Notdienst oder den Rettungsdienst unter 112 wenden.  Nebenwirkungen können von der Person selbst bzw. über den Hausarzt beim Paul-Ehrlich-Institut (PEI) gemeldet werden.

Mehr Informationen: https://www.baden-wuerttemberg.de/de/service/aktuelle-infos-zu-corona/fragen-und-antworten-rund-um-corona/faq-impfzentren/

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